Favorisiertes Kroatien ist voll und ganz im ESC-Fieber

Baby Lasagna im Angriffsmodus auf der ESC-Bühne von Malmö
Kroatien fiebert dem Eurovision Song Contest (ESC) entgegen: Die internationalen Wettbüros sehen den Ländervertreter Baby Lasagna derzeit schließlich als Favoriten auf den Sieg beim 68. ESC in Malmö. Während Baby Lasagna mit "Rim Tim Tagi Dim" am heutigen Dienstag im 1. Halbfinale antritt, ist der Blick in seinem Heimatland schon auf das Samstagsfinale gerichtet. In der Hauptstadt Zagreb wird so zum ersten Mal in der Geschichte ein Public Viewing des ESC-Finales organisiert.

"Zagreb ist bereit für den Eurosong", schrieb die Stadtverwaltung auf X, vormals Twitter, möglicherweise auch als Anspielung auf die großen Erwartungen im Adrialand. Die Veranstaltung findet am Samstag auf dem Europaplatz statt. Derartige Events waren bisher für wichtige Spiele der kroatischen Fußballnationalmannschaft reserviert.

Auch die Stimmung erinnert ein wenig an das Fußballfieber: Baby Lasagna erhielt vom nationalen Fußballverband HNS ein Trikot der kroatischen Nationalmannschaft mit seinem Namen und der Nummer 1 geschenkt. "Die Nummer wurde nicht zufällig ausgewählt", betonte der HNS auf Instagram. Unterstützung bekam Marko Purišić, wie Baby Lasagna abseits der Bühne heißt, auch vom Kroatiens Ober-Fußball-Fan, der ehemaligen Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarović. "Es ist fantastisch, einen so freundlichen, bescheidenen und bodenständigen jungen Künstler zu sehen, der sich stolz zu seiner Herkunft und seinem Erbe bekennt", lobte sie ihn auf Instagram.

Die Euphorie in Kroatien ist Berichten zufolge groß. Auch Menschen, die den Song Contest sonst nicht verfolgen, wollen sich diesmal die Veranstaltung anschauen, um Baby Lasagna anzufeuern. Die richtigen Eurovisonfans wollen unterdessen voll im Trend liegen: für Dekoration wird bei Omas, Müttern und Tanten nach Häkeldeckchen gesucht. Die in Vergessenheit geratenen, selbstgefertigten Dekogegenstände, die einst nicht nur kroatische Wohnungen schmückten, wurden durch die Outfits von Baby Lasagna und seiner Band, die eine Mischung aus Folklore und modern sind, wieder populär. Bei manch einer privaten ESC-Party wird außerdem namensgerecht Lasagne serviert.

Anders als im Vorjahr, als die Rockband Let 3 für Kontroversen im Land sorgte, scheint Baby Lasagna mit seinem Song über das Verlassen des eigenen Landes auf der Suche nach einem besseren Leben die Kroaten zu einigen. Die Unterstützung wird in einem Video demonstriert, in dem Hunderte Menschen jeden Alters, darunter Polizisten, Krankenschwestern und Feuerwehrleute, aus fünf kroatischen Städten auf "Rim Tim Tagi Dim" tanzen. Das vom öffentlich-rechtlichen Sender HTV produziertes Video, bekam viel Beachtung in TV-Sendungen und in Sozialen Medien. Am Dienstag wird darüber hinaus im HTV eine Doku über den 28-jährigen Musiker aus der istrischen Kleinstadt Umag ausgestrahlt.

Die Geschichte über den Hitsong inspirierte auch ein Bilderbuch, in dem Baby Lasagna und sein Kater Stipe die Hauptrolle spielen. Das Buch mit dem Titel "Große Freundschaft" erzählt von Unterstützung, Liebe und Zusammenhalt. Der orangefarbene, einäugige Kater tritt auch in dem offiziellen Video auf.

Die Erwartung eines möglichen Sieges lösen in Kroatien auch Spekulationen über den Veranstaltungsort für den nächsten ESC. Als heißer Kandidat wird die Arena Zagreb, die größte Sport- und Konzerthalle im Land, gehandelt. Medienberichten zufolge wurde der Betreiber bereits gebeten, den Termin für 2025 freizuhalten. In Zagreb wurde schon einmal der ESC abgehalten, nämlich im Jahr 1990, als das damalige Jugoslawien der Gastgeber der 35. Auflage war. Ein Jahr davor hatte die kroatische Gruppe Riva in der Schweiz den Sieg für den ehemaligen gemeinsamen Staat davongetragen.

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