Laszive Fotos: Femizid-Bericht verstößt gegen Ehrenkodex

Laszive Fotos: Femizid-Bericht verstößt gegen Ehrenkodex
Mit einem Beitrag über Femizide, den wiener-online.at mit lasziven Fotos einer nackten Frau in Netzstrümpfen aufbereitete, hat das Online-Medium laut Presserat gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse verstoßen.

Die Fotostrecke stelle in diesem Kontext eine Pauschalverunglimpfung von Gewalt betroffener Frauen dar, hieß es in einer Aussendung. Die Medieninhaberin der Zeitschrift "Wiener" erkennt die Schiedsgerichtbarkeit des Presserats bisher nicht an.

Mehrere Leserinnen und Leser hatten sich an den Presserat gewandt und den Beitrag "Gefangen im Netz der toxischen Männlichkeit" und die Fotostrecke vom 5. April 2022 als frauendiskriminierend kritisiert, weshalb der Senat 1 ein Verfahren aufnahm. In den Bildern des Models erkannte dieser einen "sexistischen Gehalt", durch die Fotos solle "bei einem gewissen Publikum Aufmerksamkeit" generiert werden, sie seien somit geeignet "Frauen in erster Linie als Objekt darzustellen". In Verbindung mit dem Titel des Artikels erkannte der Senat einen zusätzlichen frauenfeindlichen Gehalt. Auch, dass im Begleittext der Fotos davon die Rede ist, dass diese "Inspiration für den Titel und den Roten Faden der Story" geboten hätten, kritisiert der Senat - er halte es für "abwegig, Nacktfotos einer Frau als Inspiration für eine lange Reportage über die Hintergründe zu Femiziden heranzuziehen".

Weiters lasse der Schreibstil des Autors an manchen Stellen das nötige Feingefühl vermissen. Etwa, wenn er schreibe, dass in den sozialen Medien einhellig die Meinung herrsche, dass in jedem Mann ein Mörder stecke, oder er den "Versuch einer Relativierung" unternehmen wolle. Kritisch merkte der Senat außerdem an, dass die Fotostrecke immer noch im Beitrag zu sehen sei, und empfahl eine Löschung. Die Medieninhaberin von wiener-online.at hat nicht am Verfahren teilgenommen.

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