FH-Studium für attraktiveres Berufsbild Rettungssanitäter

Die mangelnde Attraktivität des Berufs plagt das Rettungswesen
48.000 Rettungssanitäterinnen und -sanitäter gibt es in Österreich, davon arbeiten 36.000 ehrenamtlich, weitere rund 4.000 sind Zivildiener. Laut Arbeiterkammer (AK) Wien wird bei einem Ausbildungsvolumen von knapp 10.000 Menschen pro Jahr de facto alle vier bis fünf Jahre das gesamte Personal ausgetauscht. Das Problem ist, wie die AK Wien am Montag bei einer Pressekonferenz betonte: Der Beruf sei nicht attraktiv genug.

Und das liegt nach Meinung von Silvia Rosoli, Abteilungsleiterin Gesundheitsberuferecht und Pflegepolitik der AK Wien, vor allem am niedrigen Niveau der Ausbildung. Während die höchste Ausbildungsstufe der Notfallsanitäterinnen und -sanitäter mit der Kompetenz Beatmung und Intubation 1.640 Gesamtstunden - also rund ein Jahr - umfasst und laut einer Evaluierung der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) lediglich 1,5 Prozent aller Menschen in dem Beruf umfasst, verfügt die größte Gruppe der Rettungssanitäterinnen und -sanitäter lediglich über 260 Stunden Ausbildungszeit. "Obduktionsassistenten haben eine höhere Ausbildung, und die müssen keine Leben mehr retten", konstatierte Rosoli.

Eines der Folgeprobleme ist, dass der Job ein "Sackgassenberuf" sei. Die kurze Ausbildungsdauer verhindert auch die Durchlässigkeit in andere Gesundheits- und Sozialberufe und die Berufsanerkennung in anderen EU-Staaten, wo das Ausbildungsniveau um ein Vielfaches höher ist.

Die AK Wien wollte es genau wissen und gab eine Studie in Auftrag, die Florian Zahorka, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Ostschweizer Fachhochschule, durchführte. Er stellte zunächst fest, dass die Einsatzzahlen der Rettungsdienste seit Jahren deutlich steigen, von rund 3,5 Prozent plus in den Jahren 2012 bis 2022 ist auszugehen. "Und das lässt sich nicht mit der demografischen Entwicklung (Stichwort Altern der Gesellschaft, Anm.) allein erklären", erläuterte Zahorka. Für die Studie sah sich der Forscher die Tiroler Bezirke Kufstein und Kitzbühel genau an, weil die für Österreich vom Terrain, von der Bevölkerungsdichte und der demografischen Entwicklung her typisch sind.

Er fand - wenig verwunderlich - auch heraus, dass die Über-65-Jährigen einen wesentlich größeren Anteil an der Zahl der Rettungseinsätze haben, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Macht diese Altersgruppe etwa 19 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, so betreffen 49 Prozent der Rettungseinsätze die Über-65-Jährigen. Vor allem unter den Menschen mit zumindest drei Einsätzen pro Jahr sind die Älteren überrepräsentiert. In einem Fall gab es sogar 75 Rettungseinsätze in einem Jahr. "Das sind Menschen, die 144 anrufen, weil sie die Rettung brauchen", betonte Zahorka. Scherzanrufe und dergleichen wurden nicht mitgerechnet.

All dies brachte den Forscher zu der Erkenntnis, dass das Versprechen der Rettungsdienste, innerhalb von 15 Minuten an jedem Ort Österreichs adäquate Hilfe zu bringen, immer schwieriger zu halten ist. Und selbst, wenn die Aufstockung der Rettungsdienste fortgesetzt wird, lasse sich dieser Trend zwar abschwächen, aber nicht stoppen.

Die Lösung wäre, aufstockend auf der bisher vorhandenen Ausbildung, ein drittes Modul zu installieren, nämlich die dreijährige Ausbildung zum diplomierten Notfallsanitäter an einer Fachhochschule. Die Infrastruktur wäre vorhanden, an neun Fachhochschulen könnten ab 2027 jeweils 55 Studentinnen und Studenten entsprechend ausgebildet werden. Damit wäre innerhalb von zehn Jahren der errechnete Bedarf von 4.000 diplomierten Notfallsanitäterinnen und -sanitätern zu decken. Der dafür notwendige Finanzierungsbedarf liegt bei 17 Millionen Euro jährlich, was zwei Prozent der Gesamtausgaben für Rettungsdienste (laut AK 800 Millionen Euro im Jahr 2022) entspricht.

Clemens Kaltenberger, Vizepräsident des Bundesverbandes Rettungsdienst, forderte dementsprechend die "längst überfällige Novelle des Sanitätergesetzes", die "insbesondere die Ausbildung neu regelt und auf europäisches Niveau hebt". Dazu tritt auch die AK dafür ein, dass für freiwillige Sanitäterinnen und Sanitäter attraktive Einsatzmöglichkeiten sichergestellt werden und dass der Beruf "endlich" in das Nachtschwerarbeitsgesetz aufgenommen wird, wie es seit 2013 auch für Arbeitnehmer der Feuerwehr der Fall ist. Sanitäterinnen und Sanitäter sollen darüber hinaus in das Gesundheitsberuferegister aufgenommen werden, um Versorgungsqualität und Planungssicherheit zu gewährleisten, so die AK.

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