Forderung nach inklusiven Maßnahmen bei COP27

Der Klimawandel trifft arme Länder besonders
Dass die Klimakrise alle Menschen trifft, aber nicht alle gleich, soll bei der COP27 unter anderem bei dem Side-Event "Disability, food security and climate change: The need for inclusive action" besprochen werden. Die Fachorganisation für Menschen mit Behinderungen, "Licht für die Welt", machte im Vorfeld darauf aufmerksam, dass 15 Prozent der Weltbevölkerung eine Behinderung haben. Von ihnen leben 80 Prozent in Ländern mit niedrigem Einkommen.

An dem Treffen in Sharm-el-Sheikh nimmt der Inklusionsexperte Ambrose Murangira für "Licht für die Welt" teil. "Menschen mit Behinderungen in Afrika sind besonders von der Klimakrise betroffen, gleichzeitig haben sie die wenigsten Ressourcen, um dieser etwas entgegenzuhalten. Das ist extrem ungerecht", sagte er im Vorfeld. Die ärmsten 20 Prozent weltweit sind der NGO zufolge gerade einmal für drei Prozent der globalen Treibhausemissionen verantwortlich. Und genau dort sind auch die Auswirkungen des Klimawandels am stärksten zu spüren: Wetterextreme häufen sich, zerstören Wohnraum und zwingen Menschen zur Flucht, denen durch Ernteausfälle und Devastierung der Infrastruktur die Lebensgrundlage entzogen wird.

Dass gerade in den ärmsten Ländern besonders viele Menschen mit Behinderungen leben, ist eine Kombination mehrerer Faktoren. Einer davon ist der mangelnde Zugang zu sauberem Trinkwasser und daraus resultierende schlechte Hygienebedingungen, die die Entstehung und das Wachstum von Parasiten, Viren und Bakterien begünstigen. Ein gutes Beispiel ist dabei die von Bakterien übertragene Augenkrankheit Trachom: In Europa und anderen Industriestaaten ist sie längst kein Thema mehr, aber nicht so in Afrika. Fliegen setzen sich auf die Augen von Kindern und übertragen ihnen so die Bakterien. Diese lösen aus, dass sich das Augenlid vernarbt, die Wimpern nach innen drehen und die Hornhaut zerkratzen, bis sie milchig ist. Der Patient ist blind. Mit Zugang zu sauberem Trinkwasser und regelmäßigem Gesicht Waschen wäre das kein Thema.

Mit einer relativ simplen Operation ist das Trachom auch noch bei Ausbruch zu bewältigen, wenn es rechtzeitig diagnostiziert und behandelt wird. Das führt zu einem weiteren Faktor, der medizinischen Versorgung und dem Zugang dazu. Cerebralparese - bei Geburtskomplikationen entstandene Schädigungen des Gehirns und daraus resultierende Behinderungen - wäre ein Beispiel, der Graue Star ein anderes. Beides wäre mit entsprechender medizinischer Versorgung kein oder zumindest kaum ein Problem, ist in armen Ländern der Kontinente Afrika und Asien aber ein großes.

"Licht für die Welt" fordert aus all diesen Gründen, dass Menschen mit Behinderungen bei allen Diskussionen als Expertinnen und Experten mitreden müssen. "Bisher ist das nicht passiert, gleichzeitig treffen die Auswirkungen der Klimakrise Menschen mit Behinderungen besonders hart", konstatierte die NGO. Julia Moser, Geschäftsführerin von "Licht für die Welt Österreich", forderte ein neues Rollenbild: "Menschen mit Behinderungen müssen unsere gemeinsame Zukunft mitgestalten. Wir müssen in Diskussionen der Fragen: Wie mit den Auswirkungen der Krise umgehen? Wie die Klimakrise nicht weiter befeuern? als Expert*innen miteingebunden sein."

Das betrifft auch die Humanitäre Hilfe nach Großkatastrophen. "Licht für die Welt" und das Kinderhilfswerk der UNO - UNICEF - haben die Katastrophenhilfe nach dem Zyklon "Idai", der 2019 große Teile Mosambiks verwüstete, analysiert. Die Ergebnisse: Die Verteilung von Gütern war demnach wenig strukturiert und daher teilweise für Menschen mit Behinderungen nicht erreichbar. Hygieneeinrichtungen waren nicht barrierefrei, ebenso wenig temporäre Unterkünfte. Kommunikation über Umsiedelungen, die Verteilung von Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln war nicht barrierefrei und somit für viele Menschen mit Behinderungen unzugänglich. Damit fühlten sich viele Menschen mit Behinderungen diskriminiert, was ihr Unsicherheitsgefühl in der Krise weiter verstärkt habe, so "Licht für die Welt".

Murangira machte im Vorfeld darauf aufmerksam, dass Menschen mit Behinderungen besonders im ländlichen Raum mit Hunger und Armut konfrontiert sind: "'Licht für die Welt' ermöglicht Inklusion in der Landwirtschaft, damit Menschen mit Behinderungen für ihr Einkommen und ihre Nahrung sorgen können. Darüber hinaus bieten wir landwirtschaftlichen Betrieben Trainings mit Fokus auf Inklusion, Umweltschutz und Klimaanpassungsmaßnahmen an. 'Licht für die Welt' bildet dafür Menschen mit Behinderungen zu Inklusionsberater*innen aus. Sie beraten Landwirtschaft inklusiv zu werden. Zusätzlich haben sie Kompetenzen für ökologische Nachhaltigkeit und die Anpassung an die Klimaveränderungen zu beraten." Der Experte forderte, dass "Menschen mit Behinderungen in allen Politiken und Maßnahmen berücksichtigt sind".

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