Forscher sehen gute Chancen für extremere Hitzewellen

Nächste Jahrzehnte dürften noch intensivere Hitzeperioden bringen
Sehe man sich die Sommertemperaturen in Europa von 1980 bis 2022 im Vergleich an, dann sind diese in den Monaten Juni bis August um rund 2,3 Grad Celsius angestiegen.

Aglas-Leitner, der früher auch am Institute of Science and Technology (ISTA) in Klosterneuburg (NÖ) tätig war und nun am Climate Change Research Centre der University of New South Wales (Australien) arbeitet, präsentierte seine Arbeit im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag auf der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) in Wien. Unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Meteorologen Lukas Brunner von der Universität Wien hat sich der Wissenschafter in der noch nicht publizierten Untersuchung mit 25 Hitzewellen auf der ganzen Welt zwischen den Jahren 2010 und 2023 auseinandergesetzt.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass gerade die vergangenen Jahre mit besonders großen Hitzewellen aufwarteten. Was angesichts des fortschreitendenden Klimawandels noch zu erwarten sein könnte, wollte das Team abschätzen, so Aglas-Leitner. Der Fokus lag dabei auf längeren Sommerhitzewellen, teils mit Rekordtemperaturen und großen Auswirkungen auf größere Teile der Bevölkerung. Die Informationen zu den extremen Wetterlagen der vergangenen Jahre, wie zu deren Länge, zu Durchschnitts- und Maximumtemperaturen, zur kumulierten Hitze über die Dauer der Wellen hinweg und zur Ausdehnung der betroffenen Gebiete, kombinierten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter mit gängigen Klimaprognosemodellen.

Zuerst ging man von einem optimistischen Klimaszenario mit einer schnellen und starken Reduktion des Treibhausgasausstoßes (SSP1-2.6) aus: "Sogar im Fall von enormen Eindämmungs-Ambitionen ist es immer noch sehr plausibel, dass die schon extremen Werte unsere Referenz-Hitzewellen überschritten werden", betonte Aglas-Leitner. Im Fall Europas müsse man mit deutlich längeren und intensiveren Hitzewellen als der ausgeprägten Hitze- und Dürreperiode des Jahres 2018 rechnen. Diese könnten um das Eineinhalb- oder Zweifache stärker als vor sechs Jahren ausfallen. Gegen Ende des 21. Jahrhunderts würden Wellen, die auch mehrere Monate dauern können, immer wahrscheinlicher, so der Forscher.

Sehe man sich ein besser zu unserem aktuellen Treibhausgas-Emissionspfad passendes Szenario an, habe man es mit einem "komplett anderen Bild, mit viel mehr starken und größeren Hitzewellen" zu tun. Die Analyse spucke auch Ereignisse aus, die Wellen mit einer Dauer von bis zu sechs Monate entsprechen, die sehr große Teile Europas gleichzeitig betreffen würden. "Im Schnitt würde so eine Hitzewelle fast den ganzen Kontinent beeinflussen", sagte Aglas-Leitner. Man sollte sich also vor Augen führen, dass man es künftig mit Hitzewellen zu tun haben könnte, die die bisherigen Erfahrungen mit solchen Wetterlagen in Schatten stellen - vor allem, wenn der Treibhausgasausstoß nicht rasch und stark heruntergefahren wird.

Mit dem sich verändernden Sommer in Teilen West- und Mitteleuropa hat sich kürzlich auch Dominik Schumacher vom Departement Umweltsystemwissenschaften der ETH Zürich auseinandergesetzt. In einer im Fachjournal "Communications Earth & Environment" publizierten Studie zeigten er und Kollegen, dass Klimaprognosen die Temperaturanstiege seit 1980 deutlich unterschätzt haben.

Als Grund dafür hat das Team erstaunlicherweise die seither sauberer gewordene Luft identifiziert. Mit dem Rückgang vieler in der Luft schwebenden Teilchen (Aerosole), wie zum Beispiel Rückständen aus Verbrennungsmotoren, die Sonnenstrahlung streuen, ging auch ein gewisser Kühlungsfaktor zurück. Gerade bei regionalen Klimamodellen, die für Länder wie Österreich "eigentlich einen guten Job machen sollten", würden Veränderungen der Aerosolkonzentrationen bzw. der Luftverschmutzung oft nicht berücksichtigt.

Da eine gewisse "Dimmung" der Sonneneinstrahlung durch die früher verschmutztere Luft - ein "künstlichen Kühlungseffekt", der immer mehr verschwindet - nicht eingerechnet wurde, kamen in Prognosen auch geringere Temperaturzunahmen heraus als über Jahrzehnte hinweg tatsächlich gemessen wurden. So wurde die menschgemachte Erwärmung in regionalen Klimaprognosen unterschätzt, erklärte Schumacher auf der Wiener Geowissenschafter-Konferenz: "Das heißt aber nicht, dass Luftverschmutzung gut ist. Sie ist es nicht!"

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