APA - Austria Presse Agentur

Forschungsrat legt Vorschläge für Forschungsbereich vor

"Die selben Überschriften, die wir schon kennen", ortet Forschungsrats-Chef Hannes Androsch im Forschungs-Kapitel des Regierungsprogramms. Inhaltlich fehle zwar nichts, aber "die Stunde der Wahrheit ist das Budget und nicht die Überschriften", sagte er am Montag. In einer Broschüre hat der Rat Vorschläge für die Gestaltung des Forschungsbereichs bis 2030 vorgelegt.

Die Leistungsfähigkeit des österreichischen Forschungs-, Technologie- und Innovations(FTI)-Systems hat sich "insgesamt seit 2010 zwar durchaus verbessert. Allerdings ist das Ausmaß dieser Verbesserungen nicht ausreichend, um sich substanziell in Richtung des Niveaus der 'Innovation Leader' zu bewegen", konstatiert der Rat für Forschung und Technologiepolitik (RFT) in der Broschüre, die Montagabend beim Neujahrsempfang des Rats präsentiert wird. In den vergangenen zehn Jahren gehe in den wichtigsten internationalen FTI-Rankings trotz einzelner Aufwärtsbewegungen Österreichs "Entwicklung in Summe eindeutig abwärts".

Für Androsch müsse man nur die Städte Zürich, München und Wien als Wissenschafts- und Forschungsstandort vergleichen. Da hinke Wien trotz eines breiten universitären Angebots weit hinterher, "weil es an vergleichbaren Ressourcen fehlt".

Deshalb hofft Androsch, dass sich nicht "die Erfahrung von vor zwei Jahren wiederholt". Damals habe die Regierung in einem Ministerratsbeschluss "alles was man sich wünschen konnte" abgesegnet, verweist er auf den Beschluss eines Forschungsfinanzierungsgesetzes zur mehrjährigen Planungssicherheit für die Forschungsfördereinrichtungen, einer Exzellenzinitiative für die Grundlagenforschung oder einer Förder-Datenbank. Doch all das sei nie umgesetzt worden. Sehr optimistisch ist Androsch aber nicht: "Es ist nicht abzusehen, dass aus den nicht goldenen Zehner-Jahren Roaring Twenties werden, sondern zu befürchten, dass wir weiterwurschteln werden."

In der Broschüre hat der Forschungsrat elf Empfehlungen für die neue Gesetzgebungsperiode zusammengefasst. So empfiehlt das Beratungsgremium, neben der Ausarbeitung einer neuen Forschungsstrategie für den Zeitraum bis 2030 einen politischen Schwerpunkt auf die Weiterentwicklung des österreichischen FTI-Systems zu setzen. Neben einer Reduktion der Komplexität im Fördersystem sollte eine nachhaltige Forschungsfinanzierung sichergestellt werden und das Bildungssystem optimiert werden. Für Androsch, der Initiator des Bildungsvolksbegehrens 2011 war, werden im Bildungsbereich des Regierungsprogramms "die pädagogischen Grauslichkeiten von zuletzt wieder fortgesetzt, Chancengleichheit und soziale Durchlässigkeit werden damit nicht erreicht".

Weiters empfiehlt der RFT eine strukturelle Weiterentwicklung des Hochschulsystems, etwa eine stärkere strategische Abstimmung von Aufgaben und Funktionen von Unis und Fachhochschulen. Die Ausgaben für Hochschulen und die kompetitiv vergebenen Mittel für die Grundlagenforschung sollten erhöht werden, ebenso wie Effizienz und Effektivität der Forschungsförderung. Schließlich sollte der Stellenwert von Wissenschaft und Forschung in der Bevölkerung gehoben werden. Denn "es ist der Politik und der breiten Öffentlichkeit nicht bewusst, wie wichtig Forschung ist", so Androsch.

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