APA - Austria Presse Agentur

Forstbetriebe leiden unter einer "Vierfach-Belastung"

Die Forstbetriebe haben 2020 unter einer "Vierfach-Belastung" gelitten. Das Jahr war von der Klimakrise und Marktverwerfungen gekennzeichnet. Dazu kam noch die Coronakrise, die viertens dafür gesorgt habe, dass immer mehr Menschen zur Erholung in den Wald geströmt seien, was diesen verstärkt belaste. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", sagte der Präsident der Land- und Forstbetriebe Österreichs (LBFÖ), Felix Montecuccoli, am Mittwoch. Für die Politik gab es Lob und Tadel.

So ist die Freude über die Implementierung des sogenannten Waldfonds groß. Dieser ist mit 350 Mio. Euro gefüllt. Über vier Jahre bekommen Waldbesitzer Förderungen und Entschädigungen in der Gesamtsumme von 200 Mio. Euro für Wiederaufforstung, Waldpflege für klimafittere Forste, Borkenkäferschäden, die Errichtung von Nass- und Trockenlagern, Forstschutz und Waldbrandprävention. Die weiteren 150 Mio. Euro dienen vornehmlich Forschungszwecken im Lichte der Klimaerwärmung. "Der Waldfonds wird uns über ganz schwierige Jahre helfen", sagte Montecuccoli.

Kritik kam dafür am "unverständlichen Verschieben des Erneuerbaren-Ausbaugesetzes": "Es braucht mehr Tempo bei der Umsetzung. Im Kampf gegen die Klimakrise dürfen wir keine Zeit verlieren, wir können uns Verzögerungen eigentlich gar nicht mehr leisten", sagte der LBFÖ-Präsident in Richtung Bundesregierung. Auch sollten die Land- und Forstbewirtschafter endlich in die Biodiversitätsstrategie eingebunden werden, forderte Montecuccoli.

Was den Forstbetrieben jedenfalls Hoffnung gibt, obwohl sie mit gemischten Gefühlen in die Zukunft blicken, ist dass Holz als Rohstoff der Zukunft gefragt sei. "Für die Bioökonomie ist Holz als klimapositiver Werkstoff unverzichtbar", so der Forstwirt. "Trotzdem bleibt der große Unsicherheitsfaktor des Klimawandels", sagte er zum Ausblick. Entscheidend fürs laufende Jahr seien die Niederschläge im Frühjahr. "Mit mehr Niederschlag können wir den Borkenkäfer in Schach halten. Aber das ist mehr Wunsch als Prognose", so Montecuccoli. Weiterhin würde die Forstwirtschaft aber "ein mageres Geschäft" bleiben. Ein Arbeitseinkommen sei drin, der Aufbau von Vermögen nicht. Daher wird auch weiterhin massiv gegen Substanzsteuern getrommelt. Ertragssteuern seien okay.

2020 brachte über alle Sortimente eine weitere deutliche Preisreduktion im Vergleich zu 2019. Schon länger befindet sich der Preis in einer Abwärtsspirale. War zu Beginn des Jahres 2020 - also vor der Covid-19-Pandemie - bei den Nadelsägerundholzpreisen noch ein leichter Trend nach oben erkennbar (Jänner/Februar 2020: 75,6 Euro/Festmeter), gingen die Holzpreise mit Beginn der Coronakrise auf Talfahrt und erreichten im Sommer 2020 mit 61,3 Euro/fm einen negativen Rekordwert. Erst Ende 2020 waren wieder positive Preissignale erkennbar.

"Der Jahresdurchschnittspreis 2020 betrug beim Nadelsägerundholz 68,8 Euro pro Festmeter, das ist eine 30-prozentige Preisreduktion zu den eigentlich notwendigen Preisen von Mitte 2014", beklagte Montecuccoli bei der digital durchgeführten Pressekonferenz. "Im dritten Quartal 2020 lag der Sägerundholzpreisindex erstmals seit 2009 unter der 100-Prozent-Marke. Bei solchen Preisen ist kein positives Ergebnis mehr möglich." Durch den Holzverkauf könnten betriebliche Kosten nicht mehr gedeckt werden "und eine nachhaltige Forstwirtschaft wird in Gefahr gebracht". Lichtblicke seien der leichte Preisauftrieb ab dem vierten Quartal 2020 und dass die Auftragsbücher der Sägeindustrie voll seien. Seitens der Industrie seien zudem große Investitionen angekündigt.

Österreich importierte 2020 insgesamt 12,06 Millionen Festmeter Rohholz. Hauptlieferländer waren Tschechien und Deutschland. Der Nadelschnittholzexport ist gleichzeitig um etwa 2,5 Prozent zurückgegangen. Hier hat die Coronakrise in einigen Ländern großen Einfluss gehabt, was aber Mitte des Jahres wieder ausgeglichen werden konnte. In den bisherigen Hauptexportmarkt Italien ging der Export um 9,4 Prozent zurück. Dies wurde durch einen verstärkten Export nach Deutschland (+13 Prozent) und USA (+26 Prozent) ausgeglichen. Aus einem Gesamt-Rohholzimport von 12,06 Millionen Festmeter und einem Gesamt-Rohholzexport von 0,63 Millionen Festmeter ergibt sich somit ein Netto-Rohholz-Import 2020 von 11,43 Millionen Festmeter.