Frauentag - Einkommensschere hängt vom Wohnort ab

Einkommensschere in Vorarlberg am größten, in Wien am kleinsten
Frauen verdienen laut Einkommensbericht der Statistik Austria in Österreich durchschnittlich um 12,4 Prozent weniger als Männer. Wie sehr die Lohnschere bei Vollzeitstellen auseinandergeht, hängt stark vom Wohnort ab: Wien hat die kleinste Einkommensschere, Vorarlberg die größte. Segregation am Arbeitsmarkt und regional unterschiedlich beschaffene Wirtschaftsstrukturen sind Gründe dafür, sagte Julia Bock-Schappelwein, Ökonomin am Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO, zur APA.

Das deutlich ausgeglichenere Einkommensverhältnis in der Bundeshauptstadt - der Gap beträgt in Wien 3,2 Prozent - führt die Ökonomin auf den großen und relativ heterogenen Dienstleistungssektor im Ballungszentrum zurück. Dieser sei entsprechend heterogen entlohnt. Allgemein werden Frauen eher im Dienstleistungssektor tätig. In Wien allerdings finden auch Männer eher in diesem Sektor Jobs als in potenziell höher entlohnten Branchen wie der Sachgütererzeugung.

Auch die Gehaltseinbußen nach Karenzen sind in Wien geringer als im restlichen Bundesgebiet. Grund dafür sei, dass Frauen seltener die Branche wechseln, um Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu können, so die WIFO-Ökonomin. Der Anteil von Frauen, die trotz betreuungspflichtiger Kinder Vollzeit arbeiten, ist in Wien am höchsten. In Wien gibt es im Bundesländervergleich bei den Jüngsten auch die höchste Kinderbetreuungsquote: 42 Prozent der Kinder unter drei Jahren besuchen eine institutionelle Betreuungseinrichtung. In Vorarlberg sind es etwa 35 Prozent.

Trotzdem beträgt der Gender Pay Gap in Vorarlberg 21,1 Prozent. Zurückzuführen ist das laut Bock-Schappelwein auch auf die große Präsenz der höher bezahlten Sachgüterindustrie, sowie den zu Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland hin offenen Arbeitsmarkt, der es Männern aus dieser Region ermöglicht, höhere Einkünfte zu erzielen. Zudem weist das westlichste Bundesland einen hohen Anteil an männlichen Führungskräften auf. Frauen sind hier dagegen eher in niedriger bezahlten Sektoren und seltener als Führungskräfte beschäftigt. Zudem erreichen sie nach einer Karenz nur 67 Prozent ihres Einkommens vor der Mutterschaft, während Männer in Vorarlberg kaum Karenz in Anspruch nehmen.

Die Lohnunterschiede in den restlichen Bundesländern liegen dazwischen: In Niederösterreich verdienen Frauen um durchschnittlich 11,8 Prozent weniger, im Burgenland um 12,3 Prozent und in Kärnten liegt der Unterschied bei 13,3 Prozent. In Salzburg beträgt der Gap 15,1 Prozent, dicht gefolgt von der Steiermark mit 15,9 Prozent. In Tirol verdienen Männer 16,8 Prozent mehr als Frauen und in Oberösterreich beträgt der Lohnunterschied 17,8 Prozent. Analog dazu lesen sich bei der Statistik Austria auch die Branchendaten im Ländervergleich: Oberösterreich ist demnach weiterhin das Bundesland mit den höchsten Industrieerlösen, das Bundesland mit den niedrigsten Industrieerlösen ist das Burgenland.

Zwar verringere sich der Gap insgesamt in den letzten Jahren schrittweise: "Segregation nach Branchen und Berufen ist immer noch ein sehr stabiler Faktor", erklärte Bock-Schappelwein. Ihre Forschungen haben ergeben, dass Einkommenseinbußen und Unterschiede in hierarchischen Strukturen auch damit verbunden sind. Frauen haben demnach seltener Führungspositionen inne. Auch die vergleichsweise langen Karenzzeiten in Österreich würden sich in den Zahlen nach wie vor spiegeln. Frauen würde so der Aufstieg in höher bezahlte Positionen verwehrt.

Die Lohnunterschiede etwa auf fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen zurückzuführen, sei daher zu wenig. Vielmehr gebe es viele unterschiedliche Stellschrauben. So erkenne sie etwa regionale Besonderheiten, die nicht an Bundesländergrenzen Halt machen, meint Bock-Schappelwein. "Es braucht ein Gesamtkonzept für eine flächendeckende Gleichstellung am Arbeitsmarkt ", so die WIFO-Ökonomin.

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