Drittgrößter Reisekonzern Europas FTI meldet Insolvenz an

Reisende könnten um noch nicht begonnene Reisen umfallen
Die FTI Touristik GmbH, Dachgesellschaft der FTI Group des drittgrößten europäischen Reiseveranstalters, stellte am Montag beim Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens,.

Noch nicht begonnene Reisen würden voraussichtlich ab morgen, Dienstag (4. Juni), nicht mehr oder nur teilweise durchgeführt werden können. Die Insolvenz trifft auch das Geschäft in Österreich.

In Österreich hat der Konzern eine Zweigniederlassung in Linz und ist mit rund 70 Mitarbeitern vertreten. "Generell betroffen sind alle bei dem Reiseanbieter FTI Touristik GmbH gebuchten Leistungen. Dies beinhaltet die Marken FTI in Deutschland, Österreich und den Niederlanden, die Marke 5vorFlug in Deutschland, die BigXtra GmbH, sowie die Mietfahrzeugs-Marken DriveFTI und Cars and Camper", heißt es auf der FTI-Homepage. FTI zählt in Österreich zu den führenden Reiseveranstaltern.

Erwartungen nicht erfüllt

"Derzeit wird mit Hochdruck daran gearbeitet, dass die bereits angetretenen Reisen auch planmäßig beendet werden können", hieß es vom Unternehmen. Vom Insolvenzantrag unmittelbar betroffen ist den Angaben zufolge zunächst nur die Veranstaltermarke FTI Touristik. In der Folge würden aber auch für weitere Konzerngesellschaften entsprechende Anträge gestellt.

Eigentlich schien die Zukunft des Unternehmens gesichert, das in der Coronakrise insgesamt 595 Millionen Euro staatliche Hilfe aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) bekommen hatte. Ein Konsortium unter Führung des US-Finanzinvestor Certares wollte die FTI Group für einen Euro übernehmen und 125 Mio. Euro frisches Kapital in das Unternehmen stecken. Die Wettbewerbshüter mussten dem Deal noch zustimmen.

Den Angaben zufolge sind jedoch die Buchungszahlen zuletzt deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. "Hinzu kam, dass zahlreiche Lieferanten auf Vorkasse bestanden haben. In der Folge kam es zu einem erhöhten Liquiditätsbedarf, welcher bis zum Closing des Investorenprozesses nicht mehr überbrückt werden konnte", teilte FTI mit. Dem "Handelsblatt" zufolge soll sich bei FTI kurzfristig eine Deckungslücke in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages aufgetan haben. Der deutsche Bund habe nach Verhandlungen am Wochenende weitere Hilfen für das Unternehmen abgelehnt.

Erstattungen sind im Gange

Jetzt ist der 2021 gestartete Deutsche Reisesicherungsfonds am Zug. Er soll sich bei einer Pleite eines Reiseanbieters um die Erstattung der Vorauszahlungen der Kund:innen, gegebenenfalls den Rücktransport gestrandeter Urlauber:innen sowie deren Unterbringung bis zum Rücktransport kümmern.

Der von der deutschen Touristikwirtschaft organisierte und vom deutschen Justizministerium beaufsichtigte Fonds war nach der Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook im September 2019 gegründet worden. Die Versicherung hatte damals wegen einer Haftungsbeschränkung nur einen Bruchteil der Kosten ersetzt, der Staat sprang mit Millionen ein.

Die FTI Group mit etwa 11.000 Beschäftigten war in der Pandemie, die die Branche in eine schwere Krise stürzte, in Bedrängnis geraten. Zuletzt sah sich der nach TUI und DER Touristik drittgrößte europäische Reisekonzern dank gestiegener Nachfrage wieder auf Kurs. Im vergangenen Geschäftsjahr 2022/23 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzplus von 10 Prozent auf 4,1 Mrd. Euro und erwirtschaftete einen Ertrag in zweistelliger Millionenhöhe. Nähere Details zum Ergebnis machte das Unternehmen nicht. Hauptgesellschafter war zuletzt die ägyptische Investoren-Familie Sawiris.

Hilfe für Reisende

Die Medien melden, dass der deutsche Konzern FTI Touristik Insolvenz anmeldet. Da viele Österreicher:innen über Reisevermittler oder direkt bei der deutschen FTI - immerhin drittgrößter Reisekonzern in Europa - gebucht haben, bietet der Verbraucherschutzverein (VSV) Hilfe mit Rat und Tat.

Die Pauschalreiserichtlinie der EU sieht vor, dass:

  1. wenn eine gebuchte und bezahlte Pauschalreise nicht angetreten werden kann, der Insolvenzabsicherer (Deutscher Reisesicherungsfonds GmbH (DRSF), Sächsische Straße 1, D-10707 Berlin) den gesamten Reisepreis den Kund:innen zu ersetzen hat;
  2. wenn eine Pauschalreise bereits angetreten wurde, der Insolvenzabsicherer dafür zu sorgen hat, dass die ordnungsgemäße Heimreise organisiert wird bzw Mehrkosten für die Reisenden ersetzt werden;
  3. der Insolvenzabsicherer 24 Stunden erreichbar sein muss (siehe Sicherungsschein).

Wer in Österreich eine Pauschalreise mit FTI gebucht hat, unterliegt - was die Insolvenzabsicherung betrifft - deutschem Recht.

Vor Jahren konnten Reisende des damals insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook zunächst nur mit rund 17 Prozent Ihrer Forderungen abgefunden werden, weil die Umsetzung der Pauschalreiserichtlinie in Deutschland nicht richtlinienkonform war. Erst nach einer Staatshaftungsklage des VSV gegen Deutschland und auf Druck der Kund:innen hat Deutschland dann die Restbeträge jenen bezahlt, die sich - in einer langen Prozedur - dafür angemeldet haben.

"Wir raten Betroffenen, Ansprüche auf Rückzahlung des bezahlten Reisepreises mit eingeschriebenem Brief samt Rückschein beim Abwickler geltend zu machen," sagt Mag. Miriam Faber, Juristin des VSV.

"Sollten die Ansprüche nicht oder nur teilweise erfüllt werden, dann bietet der VSV Hilfestellung an und wird eine Sammelaktion zur Durchsetzung der Ansprüche starten."

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