George Orwells Roman "1984" wird 75

Eine der bekanntesten Dystopien der Weltliteratur.
George Orwells bekanntestes Buch wird zugleich sein letztes. Als der Engländer den Roman "1984" auf einer schottischen Insel fertig schreibt, ist er bereits schwer an Tuberkulose erkrankt. "Es war ein strahlend kalter Tag im April, und die Uhren schlugen dreizehn" - mit diesen Worten beginnt er die Geschichte, die vor 75 Jahren erscheint, am 8. Juni 1949. Der Roman wird mit seiner Beschreibung eines Überwachungsstaats zu einer der bekanntesten Dystopien der Weltliteratur.

Orwells Roman erzählt von einer dystopischen Zukunft, in der sich eine neue Weltordnung durchgesetzt hat und Krieg herrscht. Der Protagonist Winston Smith lebt in London, das zum sogenannten Landefeld 1 gehört. Die Stadt hat ihren Glanz verloren, zerfällt beinahe und wirkt bedrohlich. Plakate mit der Aufschrift "Big Brother is watching you" ("Der Große Bruder sieht dich") deuten an, was los ist: Ein Diktator regiert mit seinen Ministerien, darunter dem Ministerium für Wahrheit und dem Ministerium für Liebe.

Anders, als einem die Namen Glauben machen wollen, handelt es sich um einen Überwachungsstaat, der mit Falschinformationen, Gewalt und Bedrohung über seine Bewohnerinnen und Bewohner herrscht. Selbst die Sprache will das Regime neu schaffen, mit dem sogenannten Neusprech. Protagonist Smith ist im Ministerium für Wahrheit damit beschäftigt, alte Zeitungen mit gefälschten Nachrichten umzuschreiben.

Orwell habe in "1984" die erschreckendste aller Fragen gestellt, schreibt die Dire - Könnten Menschen dazu gebracht werden, die Lügen, die ihnen erzählt werden, wirklich zu glaubenktorin der Orwell Foundation, Jean Seaton, zum nun anstehenden Jubiläum. Könnten Menschen dazu gebracht werden, die Lügen, die ihnen erzählt werden, wirklich zu glauben? Der Roman jedenfalls wurde über die Jahrzehnte immer wieder bemüht, um etwas über den aktuellen Zustand der Welt zu verstehen. Nach der Wahl des damaligen US-Präsidenten Donald Trump zum Beispiel. Oder auch jetzt, wenn es um neue technologische Möglichkeiten geht.

Als Orwell den Roman schrieb, war etwa die Entwicklung des Internets noch sehr weit entfernt. Manche Dinge an seinem Roman werden inzwischen kritisch diskutiert, etwa das Frauenbild. Die Autorin Anna Funder ("Wifedom") glaubt, dass "1984" besser geworden wäre, hätte Orwells erste Frau daran mitgearbeitet.

Theaterregisseur Luk Perceval, der Orwells Geschichte am Berliner Ensemble inszeniert hat, kann "1984" am Ende sogar etwas Positives abgewinnen. Man könne von Orwell lernen, an seine Natur, seine Kreativität und sein Streben nach Freiheit zu glauben. Etwas Hoffnung findet sich tatsächlich auch im Anhang des Buchs. Der deutet an, dass sich in der von Orwell skizzierten Schreckenswelt noch etwas ändert. Es lohnt also, auch die letzten Seiten noch zu lesen, selbst nach 75 Jahren.

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