APA - Austria Presse Agentur

Geschätzte 16 Prozent der Todesfälle durch Tabakrauch

Tabakrauchen - inklusive Passivrauchen - sei in Österreich laut Schätzungen für 16 Prozent aller Todesfälle verantwortlich, hielt die Gesundheit Österreich GmbH anlässlich des (heutigen) Welt-Nichtrauchertags fest. Trotzdem greife etwa jeder fünfte Mensch hierzulande täglich zur Zigarette. Im europäischen Vergleich liege Österreich damit weiter über dem Durchschnitt. Die Alternativen zu klassischen Zigaretten werden bei den Jungen immer beliebter, neue Gefahren inklusive.

Bei den täglich bzw. fast täglich Konsumierenden von elektronischen Inhalationsprodukten (E-Zigaretten und Tabakerhitzer) gab es in den vergangenen Jahren einen Anstieg auf sechs Prozent (2020: zwei Prozent). 23 Prozent konsumieren Rauchwaren (Zigaretten, Pfeifen, Zigarren) und/oder elektronische Inhalationsprodukte täglich bzw. fast täglich. "Hier entstehen auch neue Trends, deren Folgen noch nicht abschätzbar sind. So haben in den letzten 30 Tagen bei den 15- bis 34-Jährigen fünf Prozent Tabakerhitzer und vier Prozent Nikotinbeutel konsumiert", sagte Martin Busch vom Kompetenzzentrum Sucht in einer Aussendung der GÖG. Zwar könnten solche Produkte eine Ausstiegshilfe darstellen, aber auch erst den Einstieg in suchrelevantes Verhalten fördern.

Jugendliche verwenden zudem immer häufiger Nikotinbeutel, auch Nicotine Pouches, Nic-Bags oder Nikotinlutschsäckchen genannt. Sie werden in der Mundhöhle platziert und geben Nikotin ab. "Viele Jugendliche sind der Meinung, dass es sich dabei um eine unbedenkliche Alternative zu Zigaretten handelt. Dem ist aber keineswegs so", warnte Brigit Satke, Leiterin der Notrufnummer 147 von Rat auf Draht.

Zwar enthalten Nikotinbeutel nicht wie "Snus" - darf in Österreich nicht verkauft werden - zusätzlich auch Tabak, können aber laut der Expertin "genauso süchtig machen". Der Körper nehme mit einem dieser Beutel, die zehn bis 60 Minuten zwischen Zahnfleisch und Ober- oder Unterlippe getragen werden, sehr viel Nikotin auf, oft um einiges mehr als bei einer Zigarette, was Überdosierungs- und Vergiftungserscheinungen verursachen könne. Langfristig steige das Risiko für Lungenkrebs, Herzinfarkt oder Atemwegserkrankungen, wenn auch geringer als durch das Rauchen, so Satke. Hinzu kommen die klassischen Wirkungen von Nikotin wie schneller Gewöhnungseffekt, schnelle Abhängigkeit, Entzugserscheinungen sowie erhöhtes Thromboserisiko.

Jede zehnte Person über 15 Jahre habe indes in den vergangenen zwölf Monaten einen erfolglosen Rauchausstiegsversuch hinter sich gebracht. "Etwa die Hälfte der täglichen bzw. fast täglichen Rauchenden möchte mit dem Rauchen aufhören", so Busch. Aber mehr als die Hälfte der Rauchenden habe noch nie vom "Rauchfrei Telefon" gehört, obwohl dessen Nummer seit 2016 auf allen Zigarettenpackungen aufscheint.

"Nach dem Rauchverbot in der Gastronomie ist der nächste logische Schritt das Rauchverbot im Schanigarten, um Nichtraucher zu schützen", sagte Erik Randall Huber, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident in der Ärztekammer für Wien. "Es gibt 230 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Wien, die ein Raucherentwöhnungs-Zertifikat besitzen und fachkundig behilflich sein können, wenn Menschen mit dem Rauchen aufhören wollen", ergänzte Kambiz Modarressy, stellvertretender Sektionsobmann Allgemeinmedizin in der Kammer. In der Allgemeinmedizin werde diese Leistung allerdings "derzeit nicht honoriert". Bei den Lungenfachärztinnen und -ärzten gebe es die Position "Raucherberatung mit Ziel der Entwöhnung", pro Quartal könnten aber wegen einer Deckelung maximal 20 Prozent der Fälle verrechnet werden. "Das ist eine abstruse und völlig weltfremde Regulierung, wenn man weiß, dass Patientinnen und Patienten oft über mehrere Monate begleitet werden müssen, damit der Ausstieg klappt", kritisierte Huber.