Gewaltambulanz am Grazer Med Uni Campus vorgestellt

Erstes umgesetztes Pilotprojekt
Die lange geforderten flächendeckenden Gewaltambulanzen für Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt nehmen schrittweise Gestalt an. In Graz ist die bisherige Untersuchungsstelle auf den Med Uni Campus übersiedelt und hat mehr Raum bekommen. Am Montag wurde die gerichtsmedizinische Einrichtung offiziell in Anwesenheit von Justizministerin Alma Zadić (Grüne) und Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) vorgestellt. Im Sommer soll es in Wien so weit sein.

Nach einem Körperverletzungsdelikt oder einem sexuellen Übergriff spielen objektive Sachbeweise eine wichtige Rolle. Werden sie nach einer Tat nicht oder nicht rechtzeitig sichergestellt und Verletzungen nicht oder unzureichend dokumentiert, so stehen sie in späteren gerichtlichen Verfahren nicht zur Verfügung. Die vier in Österreich geplanten Gewaltambulanzen sollen niederschwellige Anlaufstellen für Betroffene von Gewalt sein, um Verletzungen und Spuren von Gewalt gerichtsverwertbar erheben und dokumentieren zu lassen.

"Oberstes Ziel ist es, Beweise rechtzeitig zu sichern, damit sie dem Gericht zur Verfügung stehen. Das wird hoffentlich dazu führen, dass die Verurteilungsquote nach Gewalt an Frauen erhöht wird", wie Justizministerin Zadić am Montag in Graz sagte. "Gewalt ist kein Kavaliersdelikt, jede Frau und jedes Kind hat ein Recht auf ein gewaltfreies Leben. Und wir wollen, dass die Täter bestraft werden", hob auch Frauenministerin Raab hervor. Die Ministerin betonte auch, dass in den vergangenen Jahren "so viel wie noch nie in den Gewaltschutz investiert" wurde.

Gestartet wird mit zwei Pilotprojekten, bzw. in zwei Modellregionen für den Osten und Süden Österreichs. Neben der Steiermark und Kärnten (Süd) wird eine weitere Ambulanz in Wien (für die Bundesländer Wien, Niederösterreich, Burgenland) aufgebaut. "Wien soll im Sommer starten. Hier wurde der Fördervertrag bereits unterzeichnet, so Zadić. In einem weiteren Schritt sollen Innsbruck und Salzburg folgen.

In Graz können sich von Gewalt betroffene Menschen schon seit 2008 an die zum Diagnostik- und Forschungsinstitut für Gerichtliche Medizin der Med Uni Graz gehörende Gewaltambulanz wenden. Diese war bisher noch am Areal der Universität Graz angesiedelt, konnte nun aber größere Räumlichkeiten am Campus der Med Uni in unmittelbarer Kliniknähe beziehen. Rund 150 bis 160 Personen, überwiegend Frauen und vor allem Betroffene von häuslicher oder sexualisierter Gewalt haben sich im Vorjahr dorthin gewandt, wie Sarah Heinze schilderte, die in Graz die Gewaltambulanz aufbaut.

Auch Kinder können bei Verdacht auf Misshandlung oder -missbrauch untersucht werden. Die Betroffenen werden zugleich auch über weitere Angebote wie z. B. weiterführende Betreuung durch Opferhilfseinrichtungen sowie psychologische und rechtliche Beratung informiert, erklärte Heinze weiter. Prinzipiell stehe die Gewaltambulanz allen Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und finanzieller Situation kostenfrei zur Verfügung. Die erhobenen Daten werden für einen Zeitraum von zehn Jahren gesichert und die gesammelten Spuren aufbewahrt, um sie bei Bedarf abrufen zu können.

Vor allem in den ersten Stunden nach einem Vorfall können wertvolle Beweise gesichert werden, die später unwiderruflich verloren sind. Deswegen sollte eine Kontaktaufnahme mit der Gewaltambulanz möglichst ohne Verzögerung stattfinden. Davor ist eine telefonische Terminabsprache notwendig. An den Wochenenden ist das rund um die Uhr möglich, unter der Woche von 8.00 bis 16.00 Uhr. Die Öffnungszeiten will man ausweiten und auch das Personal - aktuell sind fünf Fachärzte und zwei Assistenzärzte in Ausbildung im Dienst, wie Heinze sagte.

Der Bund stellt 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. In der Steiermark wird in einem weiteren Schritt auch die Regionalisierung der Gewaltambulanz vorangetrieben: "Damit möglichst viele Frauen die Dienstleistungen der Gewaltambulanz in Anspruch nehmen können, planen wir eine telemedizinisch unterstützte Ambulanz am Standort Leoben einzurichten", schilderte Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ). Dafür wurden vonseiten des Landes 500.000 Euro als Erstinvestition freigegeben.

An der Med Uni Graz wurde neben der Gewaltambulanz der Modellregion Süd gleichzeitig ein universitäres Zentrum Gewaltschutz & Prävention eingerichtet, wie Vizerektor Alexander Rosenkranz sagte. Es widmet sich der Versorgung von Gewaltbetroffenen und der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Gewalt. "Unser Ziel ist es, diese Themen auch in Lehre, Ausbildung und Forschung verstärkt zu integrieren, um eine umfassende Unterstützung für Gewaltopfer sicherzustellen und weiterhin Pionierarbeit auf diesem Gebiet zu leisten", führte Rosenkranz weiter aus.

(S E R V I C E - Die Ambulanz ist Dienstag - Donnerstag von 8.00 bis 16.00 Uhr und von Freitag 8.00 Uhr bis Montag 16.00 Uhr durchgehend erreichbar für eine telefonische Terminabsprache unter 0043 664 8438241, Neue Stiftingtalstraße 6, 8010 Graz )

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