APA - Austria Presse Agentur

Goldpreis auf Rekordhoch, auch Silber sehr gefragt

Die Folgen der Coronakrise haben den Goldpreis auf ein neues Allzeithoch getrieben. In der Nacht auf Montag stieg der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) auf 1.944,71 Dollar. Damit kostet das Edelmetall deutlich mehr als am bisherigen Höchststand im September 2011 (1.921,18 Dollar). Zunehmend decken sich Private mit Edelmetallen ein. Die Münze Österreich fährt Silber-Sonderschichten.

Die Krisenwährung Gold hat vor allem seit Mitte Juni stark angezogen. Die Unsicherheit ob dem Fortgang der Coronakrise, die ansteigende Verschuldung von Firmen sowie auch Staaten und die weltweit niedrigen Zinsen ließen Anleger wieder in das Edelmetall flüchten. Hinzu kommen geopolitische Spannungen.

Auch der "kleine Bruder" von Gold, Silber, ist in der Gunst der Investoren zuletzt gestiegen, vorige Woche erreichte der Silberpreis je Feinunze einen Stand 22,84 Dollar, den höchsten seit Oktober 2013.

Bei kleinen Anlegern ist Silber sehr gefragt. In Österreich kommt die Münze Österreich, eine Tochter der Nationalbank (OeNB), mit der Produktion nicht mehr nach. "Alles, was wir produzieren, wird sofort verkauft", sagte Münze-Generaldirektor Gerhard Starsich den "Salzburger Nachrichten" (Montag). Ab Mitte August führt die Münze daher eine zusätzliche Schicht ein, um die deutlich gestiegene Nachfrage nach Silbermünzen befriedigen zu können. Allein seit Ende Juni hat die Münze 3,2 Millionen Unzen verkauft - zuletzt bewegte man sich nach der Finanzkrise 2008 in solchen Dimensionen.

Auch die Goldnachfrage und damit der Umsatz haben sich bei der Nationalbank-Tochter, die zu den weltweit bedeutendsten Prägestätten zählt, durch Corona deutlich erhöht. Allein im ersten Halbjahr 2020 setzte die Münze Österreich 1,3 Mrd. Euro um, nach 565 Mio. Euro im Gesamtjahr 2019. "Das Dreifache des Vorjahres schaffen wir sicher", sagte Starsisch den "SN". Während der zwei Lockdown-Wochen im März war die Münze Österreich die einzige Münzprägestelle weltweit, die nicht geschlossen hatte.

Dem Wiener Goldgroßhändler Goldinvest hat auch der Skandal um die Commerzialbank Mattersburg und mit diesem verbundene Sorgen um Bankeinlagen in die Hände gespielt, wie Geschäftsführer Gernot Hinteregger der Zeitung sagte. Im Vergleich zum Vorjahr liege der Umsatz um 50 Prozent höher.

Bei der Gold- und Silberscheideanstalt (Ögussa), die Bruchgold einschmilzt und als Barren verkauft, haben sich die Absatzmengen seit der Wiedereröffnung nach dem Lockdown vervierfacht, wie Vertriebs- und Marketingleiter Reinhard Walz den "SN" berichtete. Mittlerweile tauschten Einzelpersonen auch Millionensummen in Gold um. Dank einer EU-weiten Sonderregelung ist der Kauf von Gold mehrwertsteuerfrei, ab 10.000 Euro besteht Ausweispflicht. Bei Silber fallen 20 Prozent Mehrwertsteuer an. Ein Goldbarren von 100 Gramm kostete bei Ögussa am Montagvormittag 5.414 Euro, ein 100-Gramm-Silberbarren 84,38 Euro. Im Oktober 2008, in der Finanzkrise, hatte Ögussa die Goldbarrenproduktion verzehnfacht.

Bei Gold rechnen einige Analysten damit, dass bald die 2.000-Dollar-Marke überschritten werden könnte. Auch in Euro ist der Goldpreis mit 1.659,68 Euro (Montagvormittag) so hoch wie noch nie.

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