APA - Austria Presse Agentur

Grazer AVL List 2020 mit 13 Prozent Umsatzverlust

Der Grazer Technologiekonzern AVL List hat wie viele andere Unternehmen ein schwieriges Jahr 2020 hinter sich: Der Umsatz ist von 1,97 Mrd. Euro (2019) auf 1,70 Mrd. Euro und damit um 13 Prozent auf das Niveau von 2018 zurückgegangen. Zudem wurden im Vorjahr auch 220 Mitarbeiter in Österreich gekündigt, doch für 2021 erwartet sich CEO Helmut List ein leichtes Plus beim Umsatz, aus dem 2022 wieder ein satter Zuwachs werden soll, sagte er im Bilanz-Gespräch mit der APA.

"Wir haben beim Umsatz sechs Jahre lang ein deutliches Wachstum von über zehn Prozent gehabt und auch 2019 waren es noch fast 13 Prozent plus. Nun sind es genau diese 13 Prozent weniger, was für uns ein ziemliches Manöver war, denn durch das starke Wachstum davor wirkt sich das stärker aus", schilderte List. Der Umsatzrückgang habe dazu geführt, dass man noch mehr in Eigenforschung investiert hat: Statt zehn lag der Anteil bei zwölf Prozent, "um unsere wichtigen Programme der Elektrifizierung, des ADAS (Advanced Driver Assistance Systems, Anm.), des autonomen Fahrens, des Batterieentwickelns und -testens voranzutreiben".

Besonders aufgefallen ist von 2019 auf 2020 ein deutlicher Rückgang des Verbrennungsmotorengeschäfts - sowohl bei Entwicklungen als auch beim Testen. "Gleichzeitig haben wir einen starken Schub bei den neuen Technologien erlebt." Der starke Anstieg habe laut List den Rückgang im Verbrenner-Bereich abgefedert. "Wir machen nun 50 Prozent unseres Umsatzes mit den neuen Antriebstechnologien und dazu passenden Test-Werkzeugen und Software-Plattformen. Der frühe Einstieg in diese neuen Bereiche vor über 15 Jahren macht sich bezahlt."

Beim Mitarbeiterstand hat sich seit den Kündigungen - weltweit waren es um die 500 - wenig getan. In Österreich werden rund 4.000 Leute beschäftigt, weltweit sind es um die 11.000. Im Vorjahr haben etwa 60 Prozent der Belegschaft aus dem Homeoffice gearbeitet, momentan liege der Anteil bei etwa 30 Prozent. 2020 habe jedenfalls einen kräftigen Schub in Richtung Digitalisierung gebracht. Immer öfter werden digitale Tools für Remote-Betreuung beispielsweise von AVL-Simulatoren und -Testsystemen standortunabhängig genutzt. "Das werden wir auch in Zukunft nutzen, das spart Zeit und Flugmeilen", so List.

Trotz der schwierigen Marktlage wurde 2020 investiert: 67 Mio. Euro flossen in das Unternehmen zurück, zwei Drittel davon in die neuen Technologien wie etwa Elektrifizierung, Batterien, Brennstoffzelle, Software und Data Intelligence. Ein Teil der Gelder wurde in das Battery Innovation Center und neue Brennstoffprüfstände investiert - der Großteil davon in Graz. "Im Fokus steht die klimaneutrale und nachhaltige Mobilität. Wir haben ein Auge auf die CO2-neutrale Primärenergiequelle über Energieträger bis zum Fahrzeug. Das ist der Schlüssel zur CO2-Einsparung: den Wirkungsgrad erhöhen und die Effizienz im Fahrzeug steigern." Unterstützt werde das durch entsprechende Testsysteme, mit denen die AVL schon in den 90er-Jahren als erstes Unternehmen begonnen habe: "Wir haben das hochdynamische Testen erfunden", sagte List.

In einem Bereich ist das Testen und die Simulation ganz besonders wichtig: im Motorsport und vor allem in der Formel 1. Sie ist immer noch der Entwicklungsschub für die Serienproduktion und entsprechend stark ist die AVL in der "Königsklasse" vertreten. Erst vor wenigen Wochen wurden sechs Prüfstände an Red Bull Racing geliefert, die ja den Honda-Motor nach dem angekündigten Ausstieg der Japaner nun selbst weiterentwickeln müssen. Die Zusammenarbeit betreffe vorwiegend Prüfstände, sagte List. Dass es vielleicht in Zukunft einmal einen AVL-Motor in der Formel 1 geben könnte, hält er für unwahrscheinlich.

Mit Blick auf 2025, wenn die neue Generation an Formel 1-Motoren eingesetzt wird, tue sich auch bei der AVL schon einiges. Als Zulieferer und Entwicklungspartner spüre man schon die Vorwehen: "Bei uns werden jetzt schon dafür Grundlagen geschaffen", so List. Einen wesentlichen Beitrag soll auch die neue Motorsport-Direktorin der AVL leisten: Die deutsche Rennfahrerin Ellen Lohr ist Michael Resls Nachfolgerin. Die ehemalige Mercedes-Werksfahrerin hat als bisher einzige Frau ein Rennen der DTM gewonnen und zwar Hockenheim 1992.