Hälfte der Schüler bekam im laufenden Schuljahr Nachhilfe

Die meisten brauchen Nachhilfe in Mathematik
49 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Österreich haben im laufenden Schuljahr externe Nachhilfe in Anspruch genommen. Das ist laut der jährlich durchgeführten Nachhilfe-Studie der Arbeiterkammer (AK) ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (2023: 30 Prozent). Das Plus geht vor allem auf die zuletzt erweiterten Gratis-Angebote etwa an den Schulen zurück - aber auch die Nutzung bezahlter Nachhilfe nahm von zuletzt 17 Prozent auf 22 Prozent der Schüler zu.

Für die Untersuchung wurde im Rahmen der Panel-Studie der AK zu Schulkosten vom Foresight-Institut im Mai eine Zwischenbefragung unter 1.149 Eltern mit 1.248 Schulkinder durchgeführt. Die Schwankungsbreite liegt bei rund zwei Prozentpunkten.

Die bezahlte Nachhilfe teilt sich dabei auf klassische Vor-Ort-Angebote (18 Prozent) und Online-Nachhilfe (sieben Prozent) auf, wobei manche Kinder beides nutzen. Gratis-Nachhilfe an der Schule nahmen 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Anspruch, private unbezahlte Nachhilfe 14 Prozent, jeweils zwei Prozent hatten unbezahlte Online-Nachhilfe oder Gratis-Nachhilfe an einer anderen Institution als der Schule (z.B. Volkshochschule). Auch hier gibt es jeweils Überlappungen.

Wer bezahlte Nachhilfe in Anspruch nahm, musste dafür im Schuljahr im Schnitt rund 750 Euro pro Schulkind aufwenden - das entspricht einem leichten Anstieg gegenüber 2023 (720 Euro) und in etwa der Inflation. Insgesamt stiegen die von den Eltern für Nachhilfe aufgewendeten Kosten um 46 Mio. Euro auf insgesamt 168 Mio. Euro. Nach wie vor am häufigsten in Anspruch genommen wird Nachhilfe im Fach Mathematik (73 Prozent), gefolgt von Fremdsprachen (35 Prozent) und Deutsch (34 Prozent) - auch hier waren Mehrfach-Nennungen möglich.

Laut AK-Bildungsexpertin Elke Larcher haben sich die Motive für die Nachhilfe auch wieder geändert. Gab es in den vergangenen Jahren den Trend, dass auch immer mehr gute Schülerinnen und Schüler Nachhilfe in Anspruch nahmen, um ihre Noten zu verbessern, war heuer wieder die klassische Motivation vorherrschend. "Mittlerweile geht es wieder deutlich häufiger darum, negative Noten zu vermeiden bzw. auszubessern", so Larcher bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Weiterer Trend: "Bezahlte Online-Nachhilfe ist gekommen, um zu bleiben."

Für AK-Präsidentin Renate Anderl hat sich in den vergangenen Jahren bildungspolitisch "wenig bis gar nix geändert". Guter Schulerfolg sei teils nur durch private Investitionen möglich. Nur: "Alle können es sich nicht leisten." So würden Bildungsungerechtigkeiten weiter einzementiert, was sich auch an der zuletzt von Statistik Austria festgestellten Vererbung von Bildung gezeigt habe.

Die AK fordert daher flächendeckend beitragsfreie Ganztagsschulen sowie die Finanzierung von Schulen über einen "Chancen-Index", bei dem jene Einrichtungen mehr Mittel erhalten, die auch mehr Schülerinnen und Schüler mit Unterstützungsbedarf haben. Die nächste Bundesregierung müsse außerdem Arbeitslosengeld und Sozialhilfe anheben sowie zielgerichtete österreichweite Unterstützungsangebote wie Ferien- und Lerncamps schaffen. Änderungen verlangte Anderl auch bei den Deutschförderklassen, deren starre Regeln ausgesetzt werden sollen.

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