APA - Austria Presse Agentur

Hamas prüft Entwurf für längere Waffenruhe im Gaza-Krieg

Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas prüft nach Aussagen ihres Anführers Ismail Haniyeh einen Entwurf für eine Vereinbarung mit Israel, die zu einem Austausch von Geiseln gegen Häftlinge sowie zu einer längeren Feuerpause im Gaza-Krieg führen soll.

Demnach sei die Hamas offen für Diskussionen, vorausgesetzt diese führten zu einer "Beendigung der Aggression (Israels)", hieß es am Dienstag auf dem Telegram-Kanal der Hamas.

Feuerpause gegen Freilassung von israelischen Geiseln 

Ägypten habe die Hamas-Führung außerdem in die Hauptstadt Kairo eingeladen, um die Rahmenbedingungen des Pariser Entwurfs zu besprechen, berichtete die Palästinenserorganisation weiter. Vertreter der USA, Israels, Katars und Ägyptens hatten am Wochenende in Paris über ein Abkommen beraten, das im Gegenzug für eine Feuerpause die Freilassung von israelischen Geiseln aus der Gewalt der Hamas im Gazastreifen vorsieht. Israel bezeichnete die Gespräche als "konstruktiv", verwies aber auf "bedeutende Differenzen".

Für dich ausgesucht

US-Außenminister Antony Blinken sprach von "sehr produktiven Beratungen". Es gebe "echte Hoffnung" auf eine Einigung. Der katarische Regierungschef Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani sagte, es seien "gute Fortschritte" erzielt worden.

30 Tage Waffenstillstand angedacht

Der Deal könnte laut einem Bericht der "New York Times" vorsehen, dass die Hamas mehr als 100 Geiseln freilässt und Israel dafür seinen Militäreinsatz im Gazastreifen für etwa zwei Monate aussetzt. In einer ersten Phase sollten die Kämpfe für 30 Tage pausieren, hieß es. In dieser Zeit solle die Hamas weibliche, ältere und verletzte Geiseln freilassen. Parallel dazu sollten beide Seiten über eine zweite Phase verhandeln, in der als Geiseln genommene israelische Männer und Soldaten im Gegenzug für weitere 30 Tage Feuerpause freigelassen würden.

Die Zahl der aus israelischer Haft freizulassenden palästinensischen Häftlinge sei ein lösbares Problem, hieß es weiter. Außerdem sollen mehr Hilfsgüter für die notleidende Bevölkerung im Gazastreifen geliefert werden.

Für dich ausgesucht

Israels rechtsextremer Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir hat unterdessen im Zusammenhang mit den Verhandlungen über eine längere Waffenruhe im Gaza-Krieg mit dem Austritt seiner Partei aus der national-religiösen Koalition von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gedroht. Sollte es ein "rücksichtsloses" Abkommen mit der Hamas zur Freilassung von Geiseln geben, werde seine Partei Jüdische Kraft die Koalition verlassen. "Rücksichtsloses Abkommen = Auflösung der Regierung", schreibt Ben-Gvir auf der Online-Plattform X (ehemals Twitter) angesichts von Medienberichten, wonach Israel auf Vermittlung von Katar und Ägypten eine längerfristige Unterbrechung seiner Offensive gegen die Hamas im Gazastreifen erwägt, um die von Extremisten in dem Palästinenser-Gebiet festgehaltenen Geiseln freizubekommen. Ben-Gvir und Finanzminister Bezalel Smotrich von der Partei Religiöser Zionismus hatten kürzlich gefordert, dass Israel die Offensive vorantreibe und den Gazastreifen, aus dem es sich 2005 zurückgezogen hat, wieder besiedelt.

Ende November waren im Zuge einer von Katar, Ägypten und den USA vermittelten einwöchigen humanitären Feuerpause 105 israelische Geiseln im Gegenzug für 240 in Israel inhaftierte Palästinenser freigekommen. Nach Angaben der israelischen Behörden sind 132 Geiseln noch immer in der Gewalt der Hamas, 28 von ihnen sollen tot sein.

"Krieg wird nicht beendet, bevor Hamas militärisch und politisch besiegt wird"

Israels Außenminister machte unterdessen deutlich, dass sein Land nicht bereit sei, für die Freilassung aller Geiseln den Krieg gegen die Hamas komplett zu beenden. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung, dem Sender "Welt TV" und mit "Politico" sagte Israel Katz nach deren Angaben: "Wir stimmen nicht zu, dass wir den Krieg beenden, ohne dass die Hamas militärisch und politisch besiegt wird."

Für dich ausgesucht

Israel wolle die Geiseln befreien, doch dies werde "nur auf militärischen Druck in Gaza passieren", sagte Katz weiter. Auch andere Länder wie Ägypten müssten weiter Druck auf die Hamas ausüben. Der zur rechtsnationalen Partei Likud von Ministerpräsident Netanyahu gehörende Außenminister machte deutlich, dass für Israel nur eine "kurzfristige Waffenruhe" in Betracht komme: "Der militärische Druck, den wir ausgeübt haben, hat zu dem ersten Geiselabkommen geführt."

Die von den USA und der EU als Terrororganisation eingestufte Palästinenserorganisation Hamas hatte bei ihrem Großangriff auf Israel am 7. Oktober nach israelischen Angaben etwa 1.140 Menschen getötet und rund 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israel geht seither massiv militärisch im Gazastreifen vor, erklärtes Ziel ist die Zerstörung der Hamas. Nach jüngsten Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die nicht unabhängig überprüft werden können, wurden seit Beginn des Gaza-Kriegs mindestens 26.751 Menschen im Gazastreifen getötet.