Heftige Schlappe für britische Torys bei Nachwahlen

Druck auf britischen Premier steigt
Die konservative Partei des britischen Premierministers Rishi Sunak hat bei zwei Nachwahlen zum Parlament erneut heftige Pleiten kassiert.

Die Tories verloren die Wahlkreise Wellingborough in Mittel- und Kingswood in Westengland trotz jeweils bisher großen Vorsprungs an die sozialdemokratische Oppositionspartei Labour. Damit haben die Konservativen in dieser Legislaturperiode unterm Strich so viele Mandate in Nachwahlen verloren wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg.

Der Druck auf Sunak aus den eigenen Reihen dürfte nun steigen. Großbritannien wählt in diesem Jahr ein neues Unterhaus, der genaue Termin ist noch nicht bekannt. Labour liegt in allen Umfragen deutlich in Führung.

Die Ergebnisse der Nachwahlen zeigten, dass die Menschen nach 14 Jahren Tory-Regierung einen Wandel verlangten, sagte Labour-Chef Keir Starmer. Der stellvertretende Tory-Generalsekretär James Daly sprach von einem Warnschuss.

Vor allem die Pleite in Wellingborough ist historisch: Die Konservativen verloren im Vergleich zur vorigen Wahl 37,6 Prozentpunkte, das zweithöchste Minus für eine britische Partei seit 1945. Die Nachwahl war nötig geworden, weil der Tory-Abgeordnete Peter Bone wegen Vorwürfen des Mobbings und der sexuellen Belästigung, die er bestreitet, abberufen worden war. In Kingswood war der bisherige Tory-Vertreter Chris Skidmore aus Protest gegen Sunaks Umwelt- und Energiepolitik zurückgetreten.

Sorgen bereitet den Konservativen auch das starke Abschneiden der rechtspopulistischen Partei Reform UK, der früheren Brexit-Partei. Sie kam in Wellingborough aus dem Stand auf ihr Rekordergebnis von 13 Prozent und holte sehr wahrscheinlich die meisten ihrer Stimmen von enttäuschten Tory-Wählern.

Die beiden neuen Labour-Abgeordneten werden ihre Wahlkreise aber nicht lange im Unterhaus vertreten. Die Sitze werden zur nächsten Parlamentswahl mit anderen Wahlkreisen verschmolzen.

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