APA - Austria Presse Agentur

Herkunft von Soja-Futter für Konsumenten kaum erkennbar

Wer ein Schnitzel isst, befeuert womöglich die Abholzung des Regenwalds in Brasilien. Der Grund liegt am Futtermittel Soja, das zu einem großen Teil in Südamerika angebaut wird. "Soja ist der globalisierte Teil der Fütterung", sagt Matthias Krön. Er ist seit 2012 Obmann des Vereins Donau Soja, der sich dafür einsetzt, die proteinreiche Pflanze nicht aus Übersee zu importieren, sondern hierzulande anzusetzen. Für die Böden ist Soja in puncto Dünger übrigens eine Wohltat.

Soja-Importe aus Südamerika tätigt in Österreich vor allem die Schweinefleischindustrie. Zum Einsatz kommt hier laut Krön oft gentechnisch verändertes Soja, das um 10 bis 20 Prozent billiger ist als gentechnikfreies Soja. Umgerechnet sind das ungefähr 10 Cent pro Kilogramm Schweinefleisch. Frei von Gentechnik-Futter sind in Österreich Geflügel und zum Teil Rindfleisch. Preislich sei von gentechnikfreiem Soja zu europäischem Soja dann kein großer Unterschied mehr, weshalb ein Umstieg hier leichter sei als in der Schweinehaltung.

Wer im Supermarkt darauf achten will, keine Soja-Importe zu unterstützen, sollte auf das Siegel von Donau Soja achten. Es garantiere, dass das Futtermittel frei von Gentechnik sei, dass für den Anbau keine Regenwälder gerodet worden seien und dass es keine langen Transportwege hinter sich habe, sagte Krön im Gespräch mit der APA.

Während Legehennen in Österreich ausschließlich europäisches Soja gefüttert wird, sieht es bei Schweinen gänzlich anders aus. Abgesehen von einzelnen Initiativen wie etwa "Regional-Optimal" von Berger Schinken oder "Vonatur" von Transgourmet sowie bestimmten Supermarkt-Eigenmarken, die auf Tierwohl abzielen, sei der Futtermittel-Einsatz von regionalem Soja in der Schweinehaltung noch ein absolutes Nischenprogramm, so Krön.

Die Umweltschutzorganisation WWF hat ein Online-Tool entwickelt, das auf verstecktes Soja im Kühlschrank aufmerksam machen soll. Mit "#HiddenSoy" soll aufgezeigt werden, dass jeder EU-Bürger rund 60 Kilo Soja isst, direkt oder indirekt. Für Konsumentinnen und Konsumenten sei es aktuell leider sehr schwierig, Soja in den einzelnen Produkten zu erkennen, kritisiert die Programmdirektorin für nachhaltige Ernährung beim WWF, Hannah-Heidi Schindler. Sie empfiehlt auf Bio-Siegel zu achten, bei dem zumindest nur zertifiziertes Soja zum Einsatz kommen darf.

Die vom WWF ebenfalls anerkannten Siegel "Donau-Soja" oder "Europe-Soja" seien eines der wenigen Merkmale, bei denen Verbraucher erkennen können, dass kein Import-Soja verfüttert wurde, so Schindler zur APA. Die WWF-Expertin ortet aber bei dem Thema generell großes Verbesserungspotenzial. Es gebe zwar Bestrebungen seitens der Politik, das AMA-Gütesiegel für die Schweinemast weiterzuentwickeln und künftig auf gentechnikfreies Soja zu verzichten. Allerdings gehen die Bestrebungen für Schindler nicht weit genug, da sich der Fokus zusätzlich auf regionale Futtermittel richten müsste. Auch werde die Entwaldung durch Futtermittel nicht thematisiert.

Ganz grundsätzlich werden Nutztiere neben Soja hauptsächlich mit Mais und Weizen gefüttert. Mais werde zwar ebenfalls zu einem gewissen Teil importiert, jedoch aus Nachbarländern, erklärte Soja-Pionier Krön. Aber wie hat die Tierhaltung eigentlich früher funktioniert als es noch keine Möglichkeit für Soja-Importe aus Übersee gab? Laut Krön ging das vor allem, weil früher deutlich weniger Fleisch gegessen wurde als heute, Stichwort "Sonntagsbraten". Heute esse im Schnitt jede Österreicherin, jeder Österreicher 60 Kilogramm Fleisch jährlich, drei Mal so viel Fleisch wie vom Gesundheitsministerium empfohlen.

Grund für den hohen Fleischkonsum sei vor allem der niedrige Preis. Fleisch ist im Vergleich zu anderen Lebensmittel extrem billig geworden. Fleisch koste heute nicht mehr als vor 50 Jahren, während Brot beispielsweise im selben Zeitraum um 800 Prozent teurer wurde, schildert Krön. Paradoxerweise hat hier der Weizen sozusagen seine Körner im Spiel, wie Krön erklärt. Billiges Weizen führe nämlich zu billigem Fleisch, jedoch nicht zu billigem Brot. Denn bei Fleisch machen die Futterkosten rund 50 Prozent des Verkaufspreises aus. Im Vergleich dazu bei Brot macht der Getreidepreis nur sieben Prozent aus.

Apropos Fleischproduktion: Wie die drei Forscher Yinon M. Bar-On, Rob Phillips Ron Milo in einer 2018 erschienen Studie über die Verteilung der Biomasse der Erde darlegten, ist das Gewicht aller Nutztiere des Menschen zusammen auf 100 Millionen Tonnen gestiegen, während jenes der wild lebenden Säugetiere auf unter 7 Millionen Tonnen schrumpfte. Und: Drei Viertel des weltweiten Agrarlandes dienen ausschließlich der Fleischproduktion. Eine Reduktion des Fleischkonsums könnte Experten zufolge helfen weitere Milliarden Menschen zu ernähren, ohne Wald für Agrarland zu roden.

In der heimischen Milchwirtschaft wird übrigens seit fast zwanzig Jahren gänzlich auf Soja verzichtet. Das lag einerseits an Protesten - Greenpeace-Aktivisten hatten 2004 die NÖM-Zentrale besetzt - andererseits an der Erkenntnis der Milchbauern und Molkereien, dass mehr Gras und kein Soja zwar die Milchleistung senke, aber Soja in Relation zu teuer sei, um den geringen Mehrertrag marktwirtschaftlich darstellen zu können, wie Krön ausführte. Sehr wohl wird Soja aber bei Mastrindern eingesetzt.

Donau Soja funktioniert wie ein Bioverband, er definiert die Regeln und unabhängige Kontrollstellen überwachen deren Einhaltung. Insgesamt deckt Donau Soja 20 Prozent des Soja-Marktes in Österreich ab, grundsätzlich könnten zwei Drittel des österreichischen Bedarfs mit heimischen Soja gedeckt werden, der Rest könnte aus Nachbarländern des Donauraums kommen, so Krön. Derzeit werde in Österreich auf sechs Prozent der Ackerfläche Soja angebaut, Tendenz steigend. Damit sei Soja die Nummer drei hinter Weizen und Mais.

Für Krön ist Soja eine regelrechte "Wunderpflanze", da sie Stickstoff im Boden einlagert, "und so bei richtiger Fruchtfolge Stickstoffdünger obsolet macht". Wegen der extrem hohen Erdgaspreise, die auch den im CO2-intensiven Haber-Bosch-Verfahren hergestellten Kunstdünger massiv verteuert haben, seien Sojabohnen für die Landwirtschaft die bessere Option, um den teuren industriell erzeugten Dünger zu umgehen. Stickstoffdünger ist an den Börsen derzeit dreimal so teuer wie vor rund einem Jahr.

Übrigens, Soja, das zu Lebensmittel verarbeitet wird, stammt de facto nie aus Übersee. Von den 220.000 Tonnen Soja, das österreichweit geerntet werden, landet laut Krön gut die Hälfte als Lebensmittel auf den Tellern. Rund um Soja gebe es gerade in Österreich viele Produktinnovationen kleinerer Manufakturen, so Krön. Sojabohnen zählen zu den Hülsenfrüchten, die als gesunde pflanzliche Eiweißquelle gelten.