APA - Austria Presse Agentur

Holodomor-Gedenktag in der Ukraine

Am Gedenktag der gezielt herbeigeführten Hungersnot von 1932 und 1933 ("Holodomor") hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Einstufung dieses sowjetischen Verbrechens als Völkermord für "extrem wichtig" erklärt. "Sie wollten uns demütigen, töten, ausrotten. Sie haben versagt", sagte Selenskyj am Samstag in einer Ansprache, in der er an die Hungerkatastrophe unter Sowjetführer Josef Stalin erinnerte. Auch in Österreich wurde des Holodomor gedacht.

Diesem als Holodomor ("Mord durch Hunger") bezeichneten Verbrechen fielen damals in der Ukraine Millionen Menschen zum Opfer. Selenskyj fügte hinzu: "Das Böse wurde nicht gestoppt. Es wurde nicht gesühnt. Und jetzt stoppen wir es." Er dankte allen Staaten, die den Holodomor bereits als Genozid anerkannt haben. "Die Gerechtigkeit breitet sich in der ganzen Welt aus. Die Welt muss davon wissen, die Welt muss das anerkennen, die Welt muss sich daran erinnern", sagte er.

Österreich zählt nicht dazu. Der ukrainische Botschafter in Österreich, Wassyl Chymynez, hatte die Abgeordneten des Nationalrats unlängst erneut dazu aufgerufen, den Holodomor von 1932/1933 explizit als "Genozid am ukrainischen Volk" anzuerkennen. Im Wiener Stephansdom fand am Abend eine ökumenische Gedenkveranstaltung für die Opfer der Hungersnot statt, zu der die ukrainische Botschaft in Wien eingeladen hatte.

"Heute gedenken wir des Holodomor, der von Menschen verursachten Hungersnot, der vor 90 Jahren Millionen von Ukrainern zum Opfer fielen", teilte das österreichische Außenministerium im Online-Kurznachrichtendienst X (vormals Twitter) mit. Österreich bekräftige außerdem, "dass Lebensmittel niemals als Waffe eingesetzt werden dürfen und sagt weitere 3,8 Mio. € für die GrainFromUkraine-Initiative zu, um zur globalen Ernährungssicherheit beizutragen".

Selenskyj prangerte außerdem an, dass Russlands Armee die Ukraine ausgerechnet in der Nacht vor dem Gedenktag mit einer Rekordanzahl von 75 Kampfdrohnen beschossen hatte. "Bewusster Terror. Gerade jetzt. Russlands Führung ist stolz darauf, dass sie töten kann." Der Staatschef betonte, dass die heutigen russischen Täter konsequent zur Verantwortung gezogen werden müssten. "Denn obwohl es Verbrechen ohne Verjährungsfrist gibt, muss Gerechtigkeit rechtzeitig erfolgen."

US-Präsident Joe Biden zog in einer Stellungnahme zum Holodomor-Gedenktag eine Verbindung von den Geschehnissen damals zum gegenwärtigen russischen Angriffskrieg in der Ukraine. "Heute wird die landwirtschaftliche Infrastruktur der Ukraine erneut gezielt angegriffen - dieses Mal von (Russlands Präsidenten) Wladimir Putin als Teil seines Eroberungs- und Machtstrebens", hieß es in einer vom Weißen Haus verbreiteten Mitteilung. Russlands Streitkräfte versuchten, die Wirtschaft und Unabhängigkeit der Ukraine zu zerstören, indem sie absichtlich Felder beschädigten und die Getreidelager und Häfen der Ukraine zerstörten.

"Dies ist nicht nur ein Angriff auf die wirtschaftliche Sicherheit der Ukraine, sondern ein zynischer Angriff auf die Lebensmittelsicherheit überall", teilte Biden mit. "An diesem Jahrestag gedenken wir all derer, die in der Vergangenheit und in der Gegenwart so viel Leid ertragen haben und die immer noch gegen die Tyrannei kämpfen."