APA - Austria Presse Agentur

Ibiza-Affäre: Aufdecker wollten mehr Unabhängigkeit

Die Journalisten Bastian Obermayer und Frederik Obermaier haben sich mit Investigativ-Firma verselbstständigt.

Den Schritt wagten sie, um unabhängig von Chefs zu sein und frei über die Veröffentlichung von Dokumentationen, Podcasts oder auch Büchern entscheiden zu können, sagten sie am Journalismusfest Innsbruck. Bald soll ihr Team auf fünf Personen anwachsen.

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Plädoyer auf Investigativ-Journalismus

Investigativ-Journalismus sei "ein bedrohtes Pflänzchen", so Obermayer. Er bedeute viel Aufwand, der aber nicht immer mit einem veröffentlichbaren Ergebnis belohnt werde. Lange war jedoch die Anzahl der Geschichten ein Maßstab, an dem ihre Arbeit gemessen worden sei, erinnerte sich der ehemalige Leiter des Investigativ-Ressorts der "Süddeutschen Zeitung". Sich diesem Druck zu entziehen, sei nicht leicht und benötige auch Rückhalt der Chefredaktion. Letztlich brauche ein Medienhaus investigativen Journalismus, um aus der Masse herausstechen zu können und sich so mehr Abonnentinnen und Abonnenten zu sichern, meinte er. Mit der neuen Firma wolle man nun zeigen, dass es möglich ist, Investigativjournalismus eigenständig zu finanzieren.

Obermaier zeigte sich überzeugt, dass die Bedeutung von investigativer Recherche wie auch von Datenjournalismus in den kommenden Jahren zunehmen werde und zusehends jüngere Kollegen und auch mehr Frauen das Betätigungsfeld für sich entdecken. Auch wenn er den Job wahnsinnig gern mache, habe er mitunter Angst, meinte er mit Verweis auf auch in der EU verübte Morde an Journalisten.

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Zusammenarbeit verbessert sich

Um gegenzusteuern wurde 2017 das journalistische Netzwerk "Forbidden Stories" gegründet, das Recherchen von bedrohten oder ermordeten Journalisten fortführt. "Wenn einer von uns angegriffen wird, tun wir uns zusammen und geben der Geschichte mehr Schlagkraft, als sie sonst gehabt hätte", erklärte Obermayer, der seit Beginn mit an Bord des Netzwerks ist. Generell sei bemerkbar, dass sich die internationale Zusammenarbeit von Investigativjournalisten verbessert habe. "Es ist ein logischer Schritt. Wir leben in einer Zeit, in der Skandale und Missstände selten nur ein Land betreffen", so Obermaier. Dennoch habe es mehrere erfolgreiche Recherchekooperationen gebraucht, um das Bewusstsein in der Branche dafür zu etablieren.

Eine davon ereignete sich im Zuge der Recherchen zu den "Panama Papers", die weltweite Praktiken der Steuerhinterziehung und -vermeidung aufzeigten. "Anfangs war es für viele Kolleginnen und Kollegen nicht nachvollziehbar, dass wir die uns zugespielten 'Panama Papers' teilten und nicht für uns behielten", erinnerte sich Obermayer. Sie seien aber der Ansicht gewesen, auf die Expertise und Quellen von Kollegen rund um die Welt vertrauen zu wollen, was letztlich nach langer Recherchearbeit auch in einer gleichzeitigen Veröffentlichung der Ergebnisse in über hundert Medien gipfelte.

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Die Recherche habe "wahnsinnig viel" bewirkt, so Obermayer. In Dutzenden Ländern seien Gesetze geändert worden, die Offshore-Branche habe nun weit mehr Papierkram zu erledigen und ca. zwei Milliarden Dollar seien in Staatshaushalte zurückgeflossen. Natürlich gebe es das System weiterhin, konstatierte der deutsche Journalist. Doch hier sei auch jede einzelne Personen gefragt, diejenigen Politikerinnen und Politiker zu wählen, die dem einen Riegel vorschieben würden.