APA - Austria Presse Agentur

Innsbruck: ÖVP schweigt zu Anzengruber, "Plattform" fast fix

Dass der in Landes- wie Stadt-ÖVP nicht mehr wohlgelittene Innsbrucker Vizebürgermeister Johannes Anzengruber am Sonntag seine Kandidatur für den ÖVP-Stadtparteiobmann sowie für die Bürgermeisterdirektwahl im kommenden Frühjahr angekündigt hat, findet in der schwarzen Zentrale keinen Widerhall. "Kein Kommentar" hieß es dazu am Montag zur APA sowohl von den Stadt- als auch den Landes-Schwarzen. Die "bürgerliche Plattform" für die Wahl steht indes kurz vor der Vollendung.

Letztere wird bereits seit Monaten zwischen der Innsbrucker ÖVP und der seinerzeitigen Abspaltung "Für Innsbruck" unter der früheren Bürgermeisterin und jetzigen Stadträtin Christine Oppitz-Plörer verhandelt - unter tatkräftiger "Mithilfe" der ÖVP-Landespartei. Bereits morgen, Dienstag, dürfte APA-Informationen zufolge Abschluss und Vollzug erfolgen. Damit werden die "Bürgerlichen" erstmals nach fast 30 Jahren gemeinsam bei der Wahl im kommenden April antreten und daran arbeiten, Grünen-Bürgermeister Georg Willi aus dem Amt zu kegeln. Dass "Plattform" wie künftiger Bürgermeisterkandidat gleichzeitig bekanntgegeben werden, gilt indes als sehr unwahrscheinlich, erfuhr die APA. Diesbezüglich wollen sich die schwarzen Strategen offenbar noch etwas Zeit lassen.

Als gemeinsamer Plattform-Bürgermeisterkandidat nach wie vor heiß gehandelt, aber noch nicht bestätigt, wird ÖVP-Staatssekretär Florian Tursky. Der ehemalige Büroleiter von Ex-Landeshauptmann Günther Platter hält sich nach wie vor in Deckung und mit öffentlichen Statements zurück. Seine Kandidatur gilt als durchaus wahrscheinlich, aber noch nicht gesichert.

Im Herbst soll dann der ÖVP-Stadtparteitag stattfinden, an dem Anzengruber antreten will - der künftige Herausforderer Willis soll auch diese Aufgabe übernehmen und somit die beiden "Funktionen" zusammengeführt werden. Der jetzige Stadtparteichef, Landtagsabgeordneter Christoph Appler, wird es jedenfalls nicht werden. Ebenso wenig wie wohl Anzengruber.

"Wer arbeitet hat keine Zeit zum Streiten" - so hatte dieser Sonntagabend sein Facebook-Video zur Kandidatur-Ankündigung eröffnet, in dem anschließend Unterstützer zu Wort kamen, darunter auch ÖVP-Gemeinderätin Mariella Lutz. Ansonsten waren aber eher der breiteren Öffentlichkeit unbekanntere Vertreter hinterer ÖVP-Reihen zu sehen. "Für mehr Fairness in der Politik" wolle er unter anderem antreten, so Anzengruber.

Damit ging der zuletzt mit dem Rücken zur Wand stehende Stadt-Vize in die Offensive. Denn es gilt als offenes Geheimnis, dass ihn weder Landes-ÖVP noch FI als Herausforderer von Grünen-Bürgermeister Georg Willi wollen. Auch eine mögliche Kandidatur Anzengrubers mit einer eigenen Liste steht immer wieder im Raum.

Das Verhältnis Anzengruber-ÖVP gilt als sehr angespannt. Der ursprüngliche Grund: Der Vizebürgermeister hatte zuletzt in einem publik gewordenen "Offenen Brief" an Landesparteiobmann und Landeshauptmann Anton Mattle diesem ausgerichtet, Bürgermeisterkandidat werden zu wollen. Außerdem drängte er auf eine Mitgliederbefragung, um diese Frage zu klären. Die Tiroler ÖVP reagierte jedenfalls sehr verärgert über Anzengrubers Vorgehen, schließlich traf sich dieser Tage zuvor mit Mattle zu einem persönlichen Gespräch. Man sah die Inhalte einer vertraulich geführten Unterredung veröffentlicht. Dass die ÖVP Anzengruber vor der Wahl aber noch politisch den Vizebürgermeister-Sessel vor die Tür stellt, gilt trotz so mancher Eskalationen der Vergangenheit als sehr unwahrscheinlich.

Zuletzt geriet der frühere Alm-Pächter auch noch wegen einer umstrittenen Verteilung von "Erlebnis Cards Tirol", unter anderem an Feuerwehrmitglieder, ins Visier. Die Stadt schaltete in der vergangene Woche die Staatsanwaltschaft ein. Eine magistratsinterne Prüfung habe ergeben, dass bei "Verdacht einer strafbaren Handlung" Anzeigepflicht bestehe, hieß es. Anzengruber begrüßte in einer Reaktion, dass die Sache nun "unvoreingenommen geprüft" werde. Der Vizebürgermeister sah in der Karten-Aktion nichts Verwerfliches, im Gegenteil. Er betonte, dass er nur als Vermittler tätig geworden sei und die Karten weder der Stadt noch ihm persönlich geschenkt worden waren.