APA - Austria Presse Agentur

Innsbrucker Klinik offenbar Krebsbehandlungs-Vorreiter

Der Blutbank-Leiter der tirol kliniken, Harald Schennach, sieht die Innsbrucker Klinik als Vorreiter in der Krebsbehandlung. Man werde "in zwei bis drei Jahren" in der Lage sein, die für diese Behandlung wesentlichen "CAR-T-Zellen" flächendeckend selbst in sterilen Reinräumen an seinem Institut herzustellen. "Diese Herstellung, die bisher große Pharma-Firmen übernehmen, ermöglicht uns die individuelle Behandlung der Patienten", sagte er im APA-Gespräch.

Man bekomme damit potenziell mehr Krebsarten, Tumore, aber auch Autoimmunerkrankungen - im Moment werden mit dieser Therapie vor allem Leukämien behandelt - in den Fokus, die "Big-Pharma", also große Pharma-Unternehmen, nicht vorrangig im Blick hätten, betonte Schennach. Das habe einen einfachen Grund: "Die Herstellung von CAR-T-Zellen ist für uns dort deutlich teuer und großteiliger als in unseren Laboren vor Ort." Man könne somit in Innsbruck wohl künftig die für die Behandlungen notwendigen Zellen "maßgenauer herstellen" und auf bestimmte Erkrankungen "zuschneiden". "Die Herstellung funktioniert dann in kleinerem Maßstab und viel individualisierter", erklärte er.

Bereits 2024 werde es in Innsbruck jedenfalls schon eine "erste Behandlung mit unseren eigenen Zellen geben", betonte der Vorstand des Instituts für Transfusionsmedizin. Diese erfolge "in engster Zusammenarbeit mit der Innsbrucker Universitätsklinik für Hämato-Onkologie", sagte Schennach. Durch die Eigenherstellungen von "CAR-T-Zellen" verändere sich das Prozedere rund um die Therapie insgesamt: "Wir können dann von der Entnahme der Zellen bei den Patienten über die anschließende genetische Veränderung ebenjener Zellen alles selbst abdecken."

Der Vorgang der Herstellung selbst sei dabei rasch beschrieben, so Schennach. Zunächst gewinne man bei den Patienten über spezielle Verfahren eine Unterform der weißen Blutzellen, die sogenannten Lymphozyten. "Die gesammelten Lymphozyten werden anschließend in unseren speziellen Laboren in steriler Umgebung weiter verarbeitet, genetisch verändert und schließlich den Patienten via Infusion als CAR-T-Zellen wieder verabreicht", beschrieb der Blutbank-Leiter den Prozess. Schließlich "dockten" diese Immun-Zellen an den Tumorzellen an und zerstörten diese, fügte der Wissenschafter hinzu.

Nunmehr stünden die Innsbrucker Blutbank und österreichweit Blutbanken an vorderster Front bei aktuellen Forschungsentwicklungen, sagte er. Nach Innsbruck werde voraussichtlich auch bald Wien "CAR-T-Zellen" in Hochreinlaboren in größerem Stil herstellen, gab Schennach einen Zukunfts-Ausblick: "Ich rechne außerdem damit, dass es in naher Zukunft österreichweit drei Zentren dafür geben wird."

Fakt sei jedenfalls, dass die Blutbanken, wie dieses Innsbrucker "Leuchtturmprojekt" zeige, deutlich mehr seien als nur "Institute mit Versorgungsauftrag für Blutkonserven". Neben der künftigen Etablierung der Herstellung von besagten Zellen führe man beispielsweise mit Spenderblut Studien durch, um zu sehen, "was sich epidemiologisch so tut", gab er Einblicke in ein weiteres wichtiges Feld der Blutbanken.