APA - Austria Presse Agentur

Iran baute IAEA-Überwachungskameras in Atomanlage ab

Der Iran drängt die internationale Kontrolle seines umstrittenen Atomprogramms weiter zurück. Mit Mittwoch seien zwei Überwachungskameras der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in einer Atomanlage abgeschaltet worden, berichtete das staatliche Fernsehen. Die UNO-Atombehörde sei nämlich nicht nur "undankbar" für die erweiterte Zusammenarbeit des Iran gewesen, "sondern sah sie auch als Verpflichtung an", hieß es in dem Bericht.

"Der Iran kann nicht kooperativ sein, solange die IAEA sich so unvernünftig verhält", sagte der Sprecher der iranischen Atombehörde, Behrouz Kamalvandi, im staatlichen Fernsehen. "Wir hoffen, dass die Agentur zur Besinnung kommt und mit dem Iran zusammenarbeitet."

Bei den Geräten soll es sich demnach um Messkameras für Anreicherungsprozesse handeln. Um welche Anlagen es genau ging, wurde nicht gesagt. Derzeit wird im Iran nach offiziellen Angaben in Natanz Uran angereichert. Die Kameras waren zuletzt aktiv, die Daten wurden jedoch nicht an die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) weitergeleitet. 80 Prozent der IAEA-Kameras sollen laut dem Iran noch aktiv sein.

Die Abschaltung erfolgte vor der erwarteten Annahme einer kritischen Resolution durch den IAEA-Gouverneursrat in Wien. In einem von den USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich ausgearbeiteten Resolutionsentwurf wird etwa moniert, dass der Iran Fragen der UNO-Kontrollore zu Spuren von Uran in nicht offiziell als Atomanlagen ausgewiesenen Gebäuden nicht voll beantwortet habe. Diplomaten zufolge dürfte die Resolution angenommen werden, obwohl der Iran vor negativen Auswirkungen auf die derzeit laufenden Gespräche über die Wiederbelebung des Wiener Atomdeals gewarnt hat.

Die umfassenden Kontrollrechte der Vereinten Nationen sind ein wesentliches Element des im Jahr 2015 beschlossenen Iran-Atomdeals, der wirtschaftliche Lockerungen für eine Beschränkung des iranischen Atomprogramms vorsieht. Durch den vom damaligen US-Präsidenten Donald Trump im Jahr 2018 verkündeten Austritt Washingtons brach der Deal jedoch zusammen.

Trumps Nachfolger Joe Biden will sich dem Atomabkommen wieder anschließen, doch fordert er von Teheran eine Rückkehr zum früheren Status des Atomprogramms. Nach Trumps Austritt aus dem Deal hatte der Iran die Uran-Anreicherung vorangetrieben und steht nach vorherrschender Meinung knapp davor, genügend spaltbares Material für eine Nuklearwaffe zu haben.

Um gegen die mangelnde Transparenz des iranischen Regimes bei seinem Atomprogramm zu protestieren, versammelte sich etwa ein Dutzend Regimekritiker am Mittwoch vor der Wiener UNO-City. "Die Iraner wollen kein Mullah-Regime und keine Atombombe. Wir wollen eine freie, säkulare und demokratische Republik", war auf einem Transparent zu lesen. Der IAEA-Bericht zum Iran sei "vermutlich der vernichtendste seit November 2011", twitterte der Vizechef des Nationalen Widerstandsrats des Iran (NCRI) in den USA, Alireza Jafarzadeh, der eigenen Angaben zufolge mehrere iranische Atomanlagen enthüllt hat