Israel erlangte volle Kontrolle über Philadelphi-Korridor

Panzer der israelischen Armee
Die israelische Armee hat die Pufferzone zwischen dem Gazastreifen und Ägypten vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Das wurde am Mittwoch im israelischen Militärradio bekannt gegeben. Zu Mittag hatte der Sicherheitsberater von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, Zachi Hanegbi, mitgeteilt, dass der sogenannte Philadelphi-Korridor zu drei Viertel eingenommen sei. "Gemeinsam mit den Ägyptern müssen wir sicherstellen, dass der Waffenschmuggel verhindert wird", sagte er.

Die Gesundheitsbehörde der militanten Palästinenser-Organisation Hamas im Gazastreifen forderte unterdessen einen sichere Passage für Hilfslieferungen. Es werde dringend Treibstoff und medizinische Hilfe in Rafah im Süden sowie in Gebieten im Norden des Gazastreifens benötigt, erklärte ein Sprecher gegenüber Medien der Hamas. Zudem müssten Feldlazarette eingerichtet werden; Sanitäter sowie Ärzte müssten umgehend eingesetzt werden.

Dass der Grenzübergang Rafah vom Gazastreifen nach Ägypten bald für wichtige Hilfslieferungen geöffnet werden könnte, dafür gibt es nach palästinensischen Angaben eine Hinweise. "Seit der Schließung haben wir keine Anzeichen dafür, dass die Israelis eine baldige Öffnung wünschen", sagt der neue palästinensische Gesundheitsminister Maged Abu Ramadan. Rafah war ein wichtiger Zugangspunkt für humanitäre Hilfe, bevor Israel Anfang des Monats seine Militäroffensive auf palästinensischer Seite der Grenze verstärkte und die Kontrolle über den Grenzübergang übernahm. Abu Ramadan war früher Bürgermeister von Gaza-Stadt.

Drei israelische Soldaten sind nach Medienberichten vom Mittwoch bei der Explosion einer Sprengfalle in einem Gebäude in Rafah getötet worden. Die israelische Armee teilte am Mittwoch nur mit, am Vortag seien drei Soldaten der Infanteriebrigade Nachal bei Kämpfen im südlichen Gazastreifen gefallen. Israelische Soldaten gehen bei dem Einsatz in dem Küstenstreifen unter anderem von Haus zu Haus auf der Suche nach Waffen. Viele Gebäude sind nach Militärangaben mit tödlichen Sprengfallen präpariert.

Mit dem Vorfall am Dienstag sind seit Beginn des Gaza-Kriegs am 7. Oktober nach Angaben der Armee auf israelischer Seite 639 Soldaten und Soldatinnen gefallen und mehr als 3.600 weitere verletzt worden. Auslöser des Kriegs war das beispiellose Massaker mit mehr als 1.200 Toten, das Terroristen der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober in Israel verübt hatten.

Im folgenden Krieg wurden nach neuesten Angaben der von der militanten Palästinenser-Organisation Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bisher mehr als 36.100 Palästinenser getötet und mehr als 81.400 weitere verletzt. Die Behörde unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern. Die Zahlenangaben können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.

Saudi-Arabien bezeichnete unterdessen Israels Vorgehen in Rafah als "völkermordendes Massaker". In einer Erklärung auf X in der Nacht auf Mittwoch verurteilte das saudi-arabische Außenministerium die jüngsten Angriffe der israelischen Armee, "die auf die Zelte wehrloser palästinensischer Flüchtlinge" zielten, scharf. Israel verstoße "eklatant" gegen jegliche internationale Resolutionen, Gesetze und Normen. Saudi-Arabien forderte die internationale Gemeinschaft auf, das "Massaker gegen das palästinensische Volk" zu stoppen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Der einflussreiche Golf-Staat, wie Israel ein Verbündeter der USA, hat Israels Vorgehen im Gazastreifen bereits mehrfach scharf verurteilt.

Israels Armee wies am Dienstagabend Berichte zurück, sie habe am Sonntag eine humanitäre Zone angegriffen. Attackiert worden sei vielmehr eine nahe gelegene Anlage der Hamas. Es werde untersucht, ob dort etwa Waffen gelagert waren, die bei dem Luftangriff explodierten und so den tödlichen Großbrand in dem Zeltlager auslösten. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde kamen mindestens 45 Menschen ums Leben, unter ihnen viele Frauen und Minderjährige. Der Luftangriff in Rafah löste international Kritik und Entsetzen aus.

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