Israels Einsatz in Rafah dauert an

Weiter Angriffe auf Rafah
Israel hat auch am Wochenende seinen Militäreinsatz in Rafah im Süden des Gazastreifens fortgesetzt. Der israelische Armeesender meldete am Sonntag, die Truppen hätten mehrere Schmugglertunnel im Grenzgebiet zwischen dem Gazastreifen und Ägypten gefunden. Außerdem seien Tunnel entdeckt worden, die von Terroristen der Hamas bei ihrem Angriff am 7. Oktober vergangenen Jahres genutzt worden seien. Einige der Tunnel seien bereits zerstört worden.

Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen sind nach Angaben eines Krankenhauses mindestens 20 Menschen getötet worden. Sie hätten 20 Leichen bekommen und es gebe "mehrere Verletzte" nach dem Angriff auf ein Haus im Al-Nuseirat-Flüchtlingslager im Zentrum des Gazastreifens aufgenommen, teilte das Al-Aksa-Krankenhaus am Sonntag mit. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete, dass unter den Verletzten auch mehrere Kinder seien. Einsatzkräfte suchen demnach in den Trümmern weiter nach Vermissten.

Seitdem die israelische Armee Anfang Mai in Rafah eingerückt war, werden auch heftige Gefechte und starke israelische Bombardierungen aus dem Al-Nuseirat-Camp gemeldet. Zusammenstöße zwischen militanten Palästinensern und israelischen Soldaten ereigneten sich zuletzt auch im Lager Jabalija im Norden des Gazastreifens. Augenzeugen berichteten von weiteren Luftangriffen auf Häuser im Gazastreifen. Auch Teile der Stadt Rafah seien in der Nacht auf Sonntag von Luftangriffen und Artilleriebeschuss getroffen worden.

Seit Beginn des Militäreinsatzes in Rafah vor rund zwei Wochen haben nach Angaben des UNO-Palästinenserhilfswerks UNRWA rund 800.000 Menschen die Stadt verlassen. Erneut sei fast die Hälfte der Bevölkerung von Rafah auf der Straße, beklagte UNRWA-Chef Philippe Lazzarini am Samstagabend auf der Plattform X. Es gebe für Zivilisten keinen sicheren Ort im Gazastreifen.

In Rafah will die israelische Führung nach eigenen Angaben die letzten dort vermuteten Bataillone der Hamas zerschlagen. Verbündete wie die USA haben Israel wegen der vielen Binnenflüchtlinge wiederholt vor einem großangelegten Angriff auf die Stadt an der Grenze zu Ägypten gewarnt. Israels Führung hält jedoch an ihren Angriffsplänen für Rafah fest.

Der Armeesender berichtete, israelische Repräsentanten wollten die Zahl der bereits aus Rafah geflüchteten Palästinenser dem Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, präsentieren. Sullivan wollte sich am Sonntag in Israel mit Regierungschef Netanyahu, Verteidigungsminister Joav Galant und anderen Regierungsbeamten zusammentreffen, um über den Vorstoß des israelischen Militärs in Rafah sowie über Nachkriegspläne für den abgeriegelten Gazastreifen zu sprechen.

Führende israelische Minister haben die Zögerlichkeit der Netanyahu-Regierung mit Blick auf Pläne für "den Tag danach" in Gaza kritisiert. Auch die US-Regierung erwartet von Netanyahus Regierung, sich aktiv an der Entwicklung eines konkreten Plans für die Zukunft des Gazastreifens zu beteiligen.

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