APA - Austria Presse Agentur

Italienischer Architekt Paolo Portoghesi verstorben

Der italienische Architekt Paolo Portoghesi ist am Dienstag im Alter von 92 Jahren in Calcata bei Rom gestorben. Dies berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Der Architekturtheoretiker, Historiker und Hochschullehrer galt als wichtiger praktizierender Vertreter und theoretischer Wegbereiter der postmodernen Architektur.

Portoghesi war Professor für Architektur an der Universität La Sapienza in Rom. Er war Präsident der architektonischen Sektion der Biennale von Venedig von 1979 bis 1992, Herausgeber der Zeitschrift "Controspazio" von 1969 bis 1983 und Dekan der Fakultät für Architektur am Polytechnikum Mailand von 1968 bis 1978. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die Moschee in Rom, die größte in Europa, sowie die Kirche "Sacra Famiglia" im süditalienischen Salerno.

Portoghesi war einer der ersten Architekten, der gegen den funktionalistischen Schematismus in der modernen Architektur antrat und sich wieder mehr an Elementen der überlieferten Baugeschichte orientierte. In seinen Entwürfen mischten sich Traditionen orientalischer Architektur, der Gotik, des Barock und des Jugendstils. Daneben widmete sich Portoghesi der Frage, wie sich auch industriell vorgefertigte Bauten ästhetisch zufriedenstellend gestalten lassen. Die Moschee und das islamische Zentrum in Rom (1975-1993) markieren einen Höhepunkt in Portoghesis Werk.

Auf der Biennale von Venedig im Jahr 1980 organisierte Portoghesi eine Ausstellung zur postmodernen Architektur unter dem Titel "Die Gegenwart der Vergangenheit". Diese Ausstellung, die nach dem Abbau noch in Paris und San Francisco gezeigt wurde, schaffte es, eine Synthese der damals vorhandenen verschiedenen Strömungen der nachmodernen Architektur darzustellen. Die Ausstellung war mit mehr als 2.000 Besuchern täglich ein Publikumserfolg und gilt als die Geburtsstunde einer umfassenden theoretischen Aufbereitung der postmodernen Architektur. Im Jahr 2002 erschien Portoghesis Buch "Architektur und Natur". In prächtigen Fotos stellt er darin einer Fülle von Formen aus der Natur analoge Bilder aus der gebauten Welt gegenüber.