Academy-Menü: Starkoch Wolfgang Puck serviert Schoko-Oscars

Wolfgang Puck nimmt einen kräftigen Zug aus der Schokozigarre
Starkoch Wolfgang Puck tischt zum 29. Mal nach der Oscargala für die prominenten Gäste auf - auch diesmal hat er für den großen Appetit vorgesorgt.

"Wir haben je 600 Portionen Fish and Chips und Filet Wellington, Tortellini, Edelpizzen mit Lachs, 1.200 Chicken Pot Pies", zählt der Kärntner im rasanten Tempo auf. Letzteres, ein mit Trüffeln veredeltes Hühnerragout im Teig, sei der absolute Renner, verrät er über die Vorlieben der Stars.

"Die meisten haben den ganzen Tag über nichts gegessen, und auch am Vortag nicht, damit sie in die Kleider reinpassen", sagte der Hollywood-Österreicher mit einem Augenzwinkern der dpa. Wenige Tage vor der Oscargala wirbelt Puck mit einem riesigen Team von Köchen und Helfern durch die provisorische Küche, gleich neben dem Dolby-Ballsaal, wo nach der Show beim Governors Ball das traditionelle Gourmetgelage für 1.500 Gäste steigt.

Verwöhnkost von Wolfgang Puck

Auf die frisch gekürten Preisträger, Nominierten und Showmitwirkenden warten neben der Verwöhnkost aber auch neue Kreationen, darunter asiatische Teigtaschen und Gerichte mit Wagyu-Beef. Von dem Edelrindfleisch aus Japan stehen 30 Kilogramm auf der langen Einkaufsliste. Über 180 Kilo Räucherlachs landen auf Pizzen und auf Kräckern, in Form der Oscartrophäe zurechtgeschnitten und mit Kaviar dekoriert. Mit einem Team von 800 Kellnern und Köchen serviert der Promikoch Dutzende Kreationen in mundgerechten Portionen.

Zum Filmeschauen hat Puck vor den Oscar keine Zeit, auch den für neun Oscars nominierten deutschen Film "Im Westen nichts Neues" habe er noch nicht gesehen, räumt der Österreicher ein. Doch begeistert plaudert er über die Erfolgsgeschichte von Drehbuchautorin Lesley Paterson, die zusammen mit Ian Stokell und Regisseur Edward Berger für das beste adaptierte Drehbuch im Oscarrennen ist: "Vor 18 Jahren hat Paterson hier beim Governors Ball als Kellnerin gearbeitet, nun ist sie als Nominierte dabei." Natürlich gibt es bei den 95. Academy Awards auch wieder süße Trostpreise. Bis Sonntagabend werden 3.000 Schokoladenoscars mit essbarem Gold bestäubt. "Von mir kriegt jeder einen Oscar", grinst der Chef. "Da braucht keiner traurig sein."

Mit Wehmut erinnert sich allerdings Schauspielerin Goldie Hawn an eine verpasste Oscarverleihung. Die heute 77-Jährige hatte die Trophäe für ihre erste Filmrolle in "Die Kaktusblüte" 1970 nicht persönlich angenommen. In einem "Variety"-Interview sagte sie: "Ich bedaure es. Es ist etwas, auf das ich jetzt zurückblicke und denke: 'Es wäre so toll gewesen, wenn ich das hätte tun können.'" Die Schauspielerin hatte nach eigenen Worten nicht erwartet, den Oscar zu gewinnen - und die Verleihung damals sogar vergessen. An ihrer Stelle trat Schauspielerin Raquel Welch in Los Angeles auf die Bühne, nahm den Preis entgegen und sagte, Hawn sei wegen Dreharbeiten verhindert. Hawn war 24, als die als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde. Später erhielt sie für ihre Leistung in "Schütze Benjamin" nochmals eine Nominierung für die beste Hauptrolle.

Stark gestiegen ist im Vorfeld der 95. Oscargala jedenfalls die Nachfrage nach Erich Maria Remarques Roman "Im Westen nichts Neues": "Wir stellen schon seit September letzten Jahres, also seit der verstärkten Berichterstattung über die Verfilmung (...), im Handel ein gestiegenes Interesse fest, besonders an der Taschenbuchausgabe", teilte die Sprecherin des Verlags Kiepenheuer & Witsch auf Anfrage mit. "Seit November befindet sich die Nachfrage auf einem sehr hohen Niveau. Im Jänner und Februar hat sie sich gegenüber den letzten Vorjahren sogar verdreifacht."

Remarque (1898-1970) schildert in dem Roman, der 1929 erschien, die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus der Sicht eines jungen Soldaten. Das Buch wurde schon nach seiner Veröffentlichung ein riesiger Erfolg. Die Netflix-Verfilmung von Regisseur Edward Berger kam im September vergangenen Jahres in die Kinos und ist seit Oktober bei dem Streaminganbieter zu sehen. In der Hauptrolle ist der junge Wiener Schauspieler Felix Kammerer zu erleben. Neben dem Antikriegsdrama gilt der schräge Science-Fiction-Film "Everything Everywhere All at Once" mit insgesamt elf Nominierungen als großer Favorit bei der Oscarverleihung, die in der Nacht von Sonntag auf Montag über die Bühne geht.

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