APA - Austria Presse Agentur

Katalin Novák - Steiler Aufstieg, tiefer Fall

Katalin Novák war die erste weibliche und jüngste ungarische Staatspräsidentin des Landes. Als Vertraute des rechtsnationalen Premiers Viktor Orbán wurde sie 2022 als Familienministerin ins Amt gewählt, hatte als heute 46-Jährige eine steile Karriere vollzogen. Doch nach dem rasanten Aufstieg folgte der Fall in Form ihres Rücktritts wegen des mit ihr verbundenen Pädophilieskandals. Mit der Begnadigung hatte sie sich auch gegen Orbán als Verfechter des Kinderschutzes gestellt. des mit ihr verbundenen Pädophilieskandals. Mit der Begnadigung hatte sie sich auch gegen Orbán als Verfechter des Kinderschutzes gestells gestellt.

Novák verfügt über Erfahrungen in Politik und Diplomatie und über zwei Universitätsabschlüsse. Nach Studien in Ungarn und Frankreich begann sie 2001 ihre Karriere im Außenministerium, spezialisierte sich auf EU- und außenpolitische Themen. Es folgte 2012 der Posten der Kabinettschefin im Ministerium für Humanressourcen. Das riesige Ressort ist unter anderem für Bildung, Soziales und Gesundheit zuständig. 2014 wurde sie dort Staatssekretärin für Familie und Jugend, 2020 dann Familienministerin ohne Portefeuille. Ab 2018 war Novák Parlamentsabgeordnete, von 2017 bis 2021 Fidesz-Vizevorsitzende. Diese Ämter legte sie nach ihrer Nominierung zur Staatspräsidentin nieder.

Die Mutter von drei Kindern galt insbesondere als Gesicht der Familienpolitik Orbáns, hatte sich dem Schutz der Familien gewidmet. Dabei wurde ihr seitens der Opposition wiederholt vorgeworfen, eine "Marionette" von Orbán zu sein. Während ihres Amtes distanzierte sich Novák höchstens in der Tonart vom offiziellen Standpunkt der Regierung. Doch auch das sollen wohl abgesprochene Schritte gewesen sein, behauptete das Onlineportal "444.hu". Nur wenige hätten geglaubt, dass sich die Staatspräsidentin als die einstige prominente Politikerin von Fidesz nach zwei Jahren von ihrem Amt entfernen muss. Als Staatsoberhaupt habe sie versucht, ein Bild von sich zu geben, auf dem sie vor allem Mutter und Ehefrau sei, erinnerte das Portal.

Novák wurde auch als die "Reisende" bezeichnet, da sie während ihrer Amtszeit zahlreiche In- und Auslandsreisen absolvierte, diplomatische Beziehungen ausbaute, so auch in Wien. Auf Einladung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj reiste sie in die Ukraine. Seit Ausbruch des russisch-ukrainischen Krieges handelt es sich dabei um den höchsten Besuch in Vertretung des ungarischen Staates. Im Jänner hatte Novák den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine klar verurteilt und erklärt, "Russland kasland kann nicht siegen". Dabei hatte die ungarische Führung seit Beginn des Angriffes immer wieder die Nähe zu Russland demonstriert. Auch war es Novák, die sich für eine schnelle Ratifizierung der NATO-Mitgliedschaft Schwedens einsetzte.

Novák hatte hinsichtlich Begnadigungen einen Rekord aufgestellt, erinnerten Medien. 40 der im Vorjahr eingereichten Anträge auf Begnadigung seien positiv bewertet worden. Dazu hatte auch die Amnestie für den Pädophilie-Mittäter gehört, die zu Empörung im ganzen Lande führte. In ihren Abschiedsworten im TV gab Novák zu, sie habe einen Fehler begangen. Und für diesen musste sie mit ihrem Rücktritt bezahlen.

(Von Harriett Ferenczi/APA aus Budapest)