APA - Austria Presse Agentur

Kay Voges übernimmt die Volkstheater-Intendanz

Die Übernahme der Volkstheater-Intendanz durch Kay Voges zählt zu den spannendsten Amtsantritten in der heimischen Kulturszene des Jahres 2020. Kurz vor Jahresanfang hat sich der 47-jährige Deutsche erstmals als Regisseur dem Wiener Publikum vorgestellt. Die Kritiken für "Dies irae - Tag des Zorns. Eine Endzeit-Oper" im Burgtheater waren allerdings eher herb.

"Kay Voges enttäuscht mit seinem überfrachteten Themenabend", befand etwa der "Kurier", "sterbenslangweilig", urteilte der "Standard". Die "FAZ" wagte gleich einen düsteren Blick in die Zukunft: "Der Mann, der als Regisseur hauptsächlich für diesen groben Unfug verantwortlich ist, Kay Voges, wird in knapp einem halben Jahr das zweitgrößte Wiener Theater, das Volkstheater, übernehmen. Das kann ja heiter werden."

Ob es tatsächlich heiter wird, lässt sich ohne Kenntnis des Spielplans noch schwer prognostizieren. Interessant wird es auf alle Fälle. Denn Voges, der mit innovativen Projekten das Schauspiel Dortmund in den zehn Jahren seiner im Sommer endenden Intendanz fest auf der überregionalen Karte der Theaterlandschaft verankert hat, übernimmt in jeder Hinsicht eine Großbaustelle - und ist wohl erst nach seiner im Frühjahr erfolgten Kür zum Nachfolger von Anna Badora in allen Details dahintergekommen, auf was er sich da eingelassen hat.

Einen "digitalen Zauberlehrling" nannte "Theater heute" den in Düsseldorf geborenen Theatermann, der erst nach einer Ausbildung zum Heimerzieher, einer Tätigkeit als Filmvorführer und einem Soziologiestudium zur Bühne fand. Kein anderer hat sich mit so viel Eifer darum bemüht, die analoge Welt des Theaters und die digitale Gegenwart unseres Lebens miteinander produktiv zu vereinen. Als er bei seiner Präsentation ankündigte, er wolle das Volkstheater zum modernsten Theater Österreichs machen, schmunzelten die anwesenden Journalisten. Ein paar Monate und einen Stadtrechnungshofbericht später weiß Voges, warum. Er wird das Volkstheater in jeder Hinsicht auf- und nachrüsten müssen. Was er für "Dies irae" im Burgtheater auf und hinter der Bühne in Bewegung setzen konnte, bleibt am Arthur-Schnitzler-Platz vermutlich noch einige Zeit Zukunftsmusik.

Immerhin: Der Umbau ist bereits im Gange. Anna Badora und Cay Stefan Urbanek, der als kaufmännischer Geschäftsführer am Haus bleibt, haben in zähen Verhandlungen eine Generalsanierung durchgesetzt, die dazu führt, dass Badora ihre letzte Spielzeit vorzeitig und in einem Ausweichquartier in der Halle E des Museumsquartiers beenden und Voges seine ersten Premieren im Haupthaus vermutlich erst zu Jahreswechsel 2020/21 herausbringen wird. Es wird also in vieler Hinsicht ein spannender Neustart.

Es dürften künftig in etwa gleich viele Produktionen herausgebracht, diese aber in weniger Vorstellungen gezeigt werden. Ob das Volx/Margareten als Nebenspielstätte erhalten bleibt, scheint fraglich. Voges setzt auch aus budgetären Gründen auf eine Bündelung der Kräfte. Die Bezirkstournee wird nun wohl doch weitergeführt, aber auf andere Beine gestellt werden. Vom derzeitigen Ensemble dürften nur drei Schauspieler am Haus bleiben, dafür sollen aber an die sieben Kollegen aus Dortmund mit nach Wien kommen. An die zehn weitere Ensemblemitglieder sollen neu engagiert werden bzw. an das Volkstheater zurückkehren.

In zwei wichtigen Bereichen ist Voges jedoch auf Hilfe anderer angewiesen. Neue Kollektivverträge sind nur zusammen mit den anderen Mitgliedern im Wiener Bühnenverein möglich, und ob die erhoffte zusätzliche Million Euro an Bundessubvention von der neuen Kunststaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) auch ohne Mithilfe von Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP), der eben dies als Kunstminister verweigert hatte, locker gemacht werden kann, ist fraglich.

Das Wichtigste bleibt aber ohne Zweifel Voges' künstlerisches Programm, mit dem er eine attraktive Positionierung zwischen Burgtheater und Josefstadt finden muss. Seine diesbezüglichen Pläne möchte der künftige Volkstheater-Direktor erst im Mai lüften.

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