Kiss-Fans erzählen in neuem Buch über ihre Leidenschaft

"Eine Rockband wie keine andere"
"Kiss sind keine Rockband wie andere. Kiss sind ein Lebensgefühl." Diese Sätze am Cover des Buches "The Best Kiss Of My Life" stellen bereits klar, dass es sich Autor Stefan Frommann nicht zur Aufgabe gemacht hat, die Musik der Band kritisch zu analysieren. Vielmehr geht es um die Fans und ihre "unglaubliche Geschichten". Komische, spannende, nostalgische, skurrile Erlebnisse von 30 Kiss-Vernarrten aus 16 Ländern hat Frommann niedergeschrieben.

Interviews u.a. mit "Schlabberzunge" Gene Simmons und Bob Ezrin, Produzent eines viel geliebten und eines sehr umstrittenen Albums von Kiss, runden das Buch ab. Fotos von den männlichen und weiblichen Fans mit und ohne ihre Idolen, selbst maskiert und unmaskiert, mit und ohne Devotionalien dürfen auch nicht fehlen. Nicht zuletzt erzählt Frommann, selbst Kiss-Fan seit dem elften Lebensjahr, von seiner Reise mit der Band - angefangen in Westberlin 1976, als er sich die Single "Schaudidautlaut" (Englisch konnte er da noch nicht) kaufte bis zum allerletzten Auftritt der Gruppe in New York.

Es ist ein buntes Sammelsurium an Menschen, die sich an den Songs und den Shows von Kiss begeistern: Da wäre etwa Beau Henderson aus Amerika, der zu 7.000 Glücklichen gehörte, die beim Dreh einer Konzertszene für den TV-Film "Kiss Meets The Phantom Of The Park" dabei sein durften. Über die Zeit eines Musikbegeisterten vor dem Internet sagt er: "Jüngere Fans werden nie erfahren, wie aufregend es ist, ein neues Bild der Band in Magazinen (...) zu sehen." Mike Hodson aus England hat ein seltsam anmutendes Sammlerhobby: Er hat sich auf das Debütalbum von Kiss festgelegt, von dem er 167 verschiedenen Ausgaben sein Eigen nennt.

Claudio Spera ist in der dunklen Zeit Argentiniens aufgewachsen, als das Militär regierte und Menschen spurlos verschwanden. Rockmusik war für ihn ein Ausweg aus diesem Alltag: "Kiss gaben uns ein Gefühl von Macht", wird er im Buch zitiert. Die Fangeschichten sind liebevolle Anekdoten über Freundschaften untereinander, aber auch mit Musikern der Band. Der Autor ist sogar beim Zungenvergleich mit Simmons zu sehen. Die Interviews liefern wunderbare Nerdseinblicke, etwa wie jenes Gespräch mit William Strakey, dem Erfinder der Kiss-Army: Die Band 1983 nach dem Abnehmen ihres Make-ups zu sehen, sei "wie eine religiöse Erfahrung" gewesen, meint er.

Leserinnen und Leser, die mit dem Mythos Kiss wenig bis nichts anzufangen wissen, verstehen nach der Lektüre vielleicht besser, warum Nils Brekke Svensson aus Norwegen eine 36-stündige Odyssee auf sich genommen hat, um trotz des wütenden Hurrikans Sandy zu einem Konzert "seiner" Band in die USA anzureisen. Oder warum Darren Moreash aus Kanada Kiss-Marionetten herstellt und dieses Hobby zum Beruf machte.

(Von Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - Stefan Frommann: "The Best Kiss Of My Life", Köllen Verlag, 284 Seiten, 204 Fotos, 31,50 Euro. www.thebestkissofmylife.com)

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