Klavierduo Kutrowatz feiert 40-jähriges Bühnenjubiläum

Johannes und Eduard Kutrowatz blicken zurück auf über 1.000 Konzerte
Johannes und Eduard Kutrowatz feiern am Samstag ihr 40-jähriges Jubiläum als Klavierduo. Was im Juni 1983 mit dem ersten gemeinsamen Konzert der Brüder im Kulturzentrum Mattersburg begann, führte sie vom Burgenland aus über Japan in die ganze Welt. Zum Jubiläum blicken die beiden auf über 1.000 Konzerte und mehr als 300 aufgeführte Werke zurück. Leiser treten wollen sie noch lange nicht, hielten sie im APA-Interview fest: "Es gibt noch einiges zu sagen."

Vorgezeichnet war der Weg zum Klavierduo für die musikalischen Brüder nicht. Johannes wollte früher eigentlich Pilot oder Chirurg werden, Eduard Opernsänger - letztlich zog es aber beide in die Kunst. Sie absolvierten die Ausbildung zu Solopianisten und studierten zusätzlich noch andere Instrumente. Zum Duo wurden sie schließlich durch Klavierlehrerin Renate Kramer-Preisenhammer, die darin eine Möglichkeit sah, am umkämpften Musikmarkt herauszustechen und sich eine eigene Marke aufzubauen.

Die Zusammenarbeit unter Brüdern sehen die beiden als eines ihrer Erfolgsgeheimnisse. "Zwischen Brüdern und zwischen Geschwistern allgemein gibt es keinen Respekt - im positiven Sinn -, aber viel Vertrauen", betonte Eduard Kutrowatz. Von Geschwistern bekomme man "wirklich ehrliche Rückmeldung", die dabei helfe, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Ein Konkurrenzdenken habe es zwischen ihnen nie gegeben. "Es gibt ja nichts Unterschiedlicheres als Geschwister. Aber wenn man es schafft, diese Unterschiedlichkeiten im Klavierspielen zu vereinen, dann ist das Ergebnis einfach mehr als jeder einzelne kann", sagte Johannes Kutrowatz. Insofern ergänze man sich gegenseitig.

Im Rückblick einzelne Konzerte als Highlights hervorzuheben, sei schwierig. "Man bemüht sich, jedes Konzert und jeden Augenblick zu dem wichtigsten zu machen, weil Musik ja die Augenblickskunst schlechthin ist", hielt Eduard Kutrowatz fest.

Eng verbunden ist das Duo mit Japan, wohin auch eine der ersten großen Auslandsreisen führte. "Japan war das Land, wo unsere Karriere so richtig Feuer gefangen hat", betonte Johannes Kutrowatz. "Das japanische Publikum hat uns über viele Jahre unglaublich getragen." Heimat und Denkwerkstatt sei aber immer das Burgenland geblieben. Dort seien auch wichtige Meilensteine ihrer Karriere über die Bühne gegangen, etwa die Gründung des Klangfrühling-Festivals auf der Burg Schlaining.

2009 übernahmen die Brüder die Intendanz des Lisztfestivals in Raiding. Der Komponist habe sie schon immer fasziniert. "Wenn es einen ersten großen Europäer gab, dann ist das für uns Franz Liszt", hielt Eduard Kutrowatz fest. In seinem österreichischen Reisepass sei kein Name gestanden, sondern auf Latein: "Durch seine Berühmtheit ausreichend bekannt." Damit habe Liszt Europa bereist und den Kontinent musikalisch verbunden.

Der Um- und Zubau im Lisztzentrum in Raiding, der im Frühjahr 2025 eröffnet werden soll, läuft laut den Intendanten derzeit nach Plan. Neben einer Orchestergarderobe, einem Mehrzweckraum und Büroräumlichkeiten ist auch ein zusätzlicher Museumsraum vorgesehen. Gleichzeitig erarbeiten die Brüder ein neues Museumskonzept.

Die Auswirkungen von Social Media und Musikstreamingdiensten sind für das Duo deutlich zu spüren. Künstler und Kunstmanager seien dadurch mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die sie zu einem Punkt des Nachdenkens bringen würden, "wo man sich durchaus die Sinnfrage stellt", betonte Johannes Kutrowatz. Social Media bringe Vorteile bei der Verbreitung von Musik, sei gleichzeitig aber auch die größte Konkurrenz. Es bestehe die Gefahr, "dass viele sagen: Ich habe 45 Sekunden Liszt auf TikTok konsumiert, das ist schon mein Konzerterlebnis gewesen", ergänzte Eduard. Letztlich sei das Konzert als unmittelbares "Live-Erlebnis" aus ihrer Sicht aber "durch nichts zu ersetzen".

Für die kommenden Jahre hat das Klavierduo noch viel geplant. "Wir leisten uns den 'Luxus', künstlerisch das zu 'sagen', was uns wichtig ist. Vieles ist bereits gesagt, einiges gibt es noch zu sagen", betonte Eduard Kutrowatz. Ein Fokus soll verstärkt darauf liegen, als Intendanten und künstlerische Leiter "Ermöglicher" für junge Musiker zu sein. Zahlreiche junge Pianistinnen und Pianisten hätten im Lisztzentrum bereits eine künstlerische Heimat gefunden. "Da sind Weltkarrieren im Aufbau", so Johannes Kutrowatz.

Bei der Gala zum 40-jährigen Bühnenjubiläum am Samstag gibt es einen künstlerischen Querschnitt aus ihrer Karriere zu hören - von Liszt bis George Gershwin und von Romantik bis Jazz. Auch Eigenkompositionen stehen auf dem Programm. Damit will das Duo seinem Publikum Danke sagen.

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