APA - Austria Presse Agentur

EU-Einsatzreserven für Waldbrände wegen Klimawandel verdoppelt

Naturkatastrophen werden häufiger und größer. "Das ist unumkehrbar. Das ist das 'new normal'.

Wir können es nicht mehr abwenden, dass es immer schlimmer wird. Aber wir können uns darauf vorbereiten." Janez Lenarčič, EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz, lässt keinen Zweifel daran, dass der Klimawandel auch die Katastrophenhilfe vor neue Herausforderungen stellt. Heuer hat die EU die Einsatzreserve zur Bekämpfung von Waldbränden aus der Luft mehr als verdoppelt.

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13 Flugzeuge und Hubschrauber hatte die EU im vergangenen Sommer als strategische Reserve zur Verfügung. 2022 war der heißeste Sommer in Europa seit den Aufzeichnungen und jener mit den zweitmeisten Waldbränden. "Die Zeit der Waldbrände beginnt immer früher und dauert länger", sagt der 55-jährige slowenische Politiker im Gespräch mit dem European Newsroom in Brüssel. Durch die Trockenheit wird die Waldbrandgefahr in Teilen Europas heuer besonders hoch eingeschätzt. Die EU hat sich dafür gerüstet. Heuer stehen in den Mitgliedsstaaten 28 Fluggeräte zur Wasseraufnahme auf Abruf bereit - als dritte Welle, wenn die Brandbekämpfung des betroffenen Landes an seine Grenzen stößt und auch die Hilfe von Nachbarstaaten erschöpft ist.

In den Katastrophenschutzmechanismus sind die EU-Mitgliedsländer sowie neun weitere Staaten eingebunden. Hilfsansuchen können von jedem Land der Erde oder von UN-Organisationen gestellt werden. Wie hoch die Solidarität in der Katastrophenhilfe ist, schildert Lenarčič an zwei Beispielen: Auch die vom russischen Angriffskrieg schwer getroffene Ukraine habe nach den schweren Erdbeben von Februar Rettungsteams in die Türkei geschickt. Für die kommende "Waldbrandsaison" sei die Stationierung von über 400 spezialisierten Feuerwehrleuten aus zehn EU-Staaten in Hochrisikogebieten in Portugal, Frankreich und Griechenland vereinbart. "Es macht absolut Sinn, zusätzliche Kräfte bereits an Ort und Stelle zu haben. In solchen Fällen zählt jede Sekunde."

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Handeln im Notfall

Besonders anschaulich wird das in dem mit Bildschirmen vollgepackten Kontrollraum des Emergency Response Coordination Centre (ERCC) der EU in Brüssel. Hier wird von einem mehrköpfigen Team die Lage rund um die Uhr beobachtet und im Notfall sofort gehandelt - auch mitten in der Nacht. Bei der jüngsten Flutkatastrophe in Norditalien sei der Hilfsmechanismus von Italien an einem Samstag kurz vor Mitternacht aktiviert worden, erzählt Lenarčič. Innerhalb weniger Stunden habe es neun Hilfsangebote von Mitgliedsländern (darunter Österreich) gegeben. Kurz darauf seien bereits erste Hochleistungspumpen aus Slowenien und der Slowakei vor Ort gewesen.

In der ersten Zeit des Katastrophenschutzmechanismus der EU habe es jährlich rund 20 Aktivierungen des Systems gegeben, mittlerweile sind es über 100 pro Jahr, sagt der verantwortliche Kommissar. So standen etwa 2021 rund 60 Prozent der Hilfsansuchen in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Der Krieg in der Ukraine sorge seit dem russischen Überfall für Dauereinsatz bei der Krisenkoordination. 120 Mal habe die Ukraine um Hilfe angesucht, wobei die Liste der von der Ukraine erbetenen Güter von Generatoren bis zu Schulbussen reiche. 90.000 Tonnen Material sei zur Verfügung gestellt worden, so Lenarčič. Man beobachte auch die Lage rund um das AKW Saporischschja genau. Die Hoffnung sei, dass Katastrophen, die wie 1986 in Tschernobyl zum Austritt von Radioaktivität führten, ausblieben. "Aber Hoffnung ist keine gute Vorbereitung auf die Zukunft."

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Das gilt auch für den Klimawandel. Man wisse, dass dieser eine deutliche Zunahme von Hitze- und Trockenperioden, Waldbränden, aber auch Überflutungen bringe. "Wir sind bereits mitten drinnen." Dagegen gebe es Maßnahmen zur Vorbereitung, um die Effekte abzumildern, aber auch zur Vermeidung. "Der europäische Green Deal ist Vermeidung." Denn wenn man nicht alle Anstrengungen unternehme, die Emissionen zu senken und die Auswirkungen der Erderwärmung zu begrenzen, würden die Folgen in jeder Hinsicht katastrophaler. "Der Grüne Wandel wird nicht billig. Aber es wird noch viel teurer werden, wenn wir nichts unternehmen."

( S E R V I C E - ERCC: https://erccportal.jrc.ec.europa.eu )