APA - Austria Presse Agentur

Kokoschka und Boeckl: Rivalenduett in der Albertina modern

Nein, die zwei werden wohl keine Freunde mehr. Was zum Teil daran liegt, dass die beiden Maler tot sind: die beiden Expressionismus-Ikonen Oskar Kokoschka und Herbert Boeckl. Die Albertina modern hat den beiden Künstlern nun unter dem Subtitel "Eine Rivalität" eine Ausstellung gewidmet, welche die Differenzen zweier Œuvres demonstriert, nicht zuletzt aber auch manch überraschenden Gleichklang offenbart.

Auf den flüchtigen Blick stechen beim Blick auf die Biografien der 1886 (Kokoschka) und 1894 (Boeckl) Geborenen eher die Parallelen ins Auge: Beide sind prominente Vertreter des österreichischen Expressionismus und wirkten über Jahrzehnte hinweg erfolgreich. Doch beide trennten letztlich Welten. Auf der einen Seite Oskar Kokoschka als weltläufiges Aushängeschild der Moderne, Frauenheld, als Künstler großgeworden im florierenden Habsburger-Reich, politischer Kommentator, der wegen der Nazis ins Exil geht. Auf der anderen Seite Herbert Boeckl, der sich im österreichischen Rumpfstaat etabliert, mit seiner Frau Maria neun Kinder hat, unpolitisches NS-Parteimitglied wird und dies bei der Akademie-Rektorenbewerbung 1945 unterlässt anzugeben.

"Beide haben wir nun in einen Dialog gebracht, um zu schauen, wie fruchtbar dieser ist", umriss Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder am Donnerstag den Impetus für die Schau. "Die Wege der beiden Künstler sind nicht vergleichbar, obwohl sie ähnlich alt waren", machte dabei auch Kuratorin Elisabeth Dutz deutlich.

Der erste Raum, dank chronologischer Hängung ganz Kokoschka gewidmet, zeigt Seelenporträts in einer Härte, die den Werken Boeckls eher fehlt. Schließlich etablierte sich Kokoschka als kommentierender Gesellschaftsporträtist, wohingegen Boeckl eher im Privaten tätig blieb. Und doch ist diese Dichotomie nicht unumstößlich, was sich in der Gegenüberstellung von Kokoschkas späten, erstaunlich harmlosen Naturaquarellen zeigt, die im selben Raum hängen wie Boeckls harte Kreidezeichnungen von Leichen als Vorstufen seines Ölbildes "Anatomie" aus 1931. Bis 17. März 2024 ist der Dialog der beiden Maler angesetzt, in den sich Besucherinnen und Besucher zumindest als stille Beobachter einbringen können.

(S E R V I C E - "Boeckl - Kokoschka" in der Albertina modern, Wien 1, Karlsplatz 5, von 17. November 2023 bis 17. März 2024. www.albertina.at/albertina-modern/ausstellungen/herbert-boeckl-oskar-kokoschka/