APA - Austria Presse Agentur

Konjunktursorgen und Kritik von Klimaaktivisten auf der IAA

Zur Eröffnung der Automesse IAA in Frankfurt haben sich am Donnerstag die Betriebsratschefs von BMW, Daimler und Volkswagen gegen eine Dämonisierung der Autoindustrie ausgesprochen. "In der öffentlichen Diskussion bekommt man im Moment den Eindruck, das Auto sei nichts als ein einziges Risiko", sagte der oberste VW-Arbeitnehmervertreter Bernd Osterloh dem "Handelsblatt".

"In der Gefahrenskala liegt es irgendwo zwischen Ebola und nordkoreanischen Raketen", sagte Osterloh. Auch die Betriebsratsvorsitzenden von Daimler und BMW, Michael Brecht und Manfred Schoch, wandten sich gegen die zunehmende Kritik an Autos und speziell an Stadtgeländewagen (SUV).

Die Branche bewege sich, indem sie Elektrifizierung des Verkehrs vorantreibe, sagte Schoch. Damit die Wende gelingt, schlug Brecht eine konzertierte Aktion vor: "Wenn wir ein Bündnis aus Politik, Umweltverbänden und Autoindustrie schmieden, dann werden wir schneller zu Lösungen kommen." Ziel eines Dialogs könne aber nicht sein, das Auto abzuschaffen.

Inmitten wachsender Konjunktursorgen bei Herstellern und -zulieferern wird die Internationale Automobilausstellung am Vormittag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet. Bei ihrem Rundgang über das Messegelände begleiten sie Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes. Es ist der erste von zwei Fachbesuchertagen, am Samstag kann dann auch das breite Publikum die Neuheiten auf der größten Automesse der Welt sehen.

Rund um die Ausstellung gibt es heftige Kritik von Klimaschützern. Diese werfen der Autoindustrie vor, den Wandel zu emissionsfreier Elektromobilität nicht entschlossen genug voranzutreiben und weiter auf klimaschädliche Stadtgeländewagen (SUV) zu setzen. Für das Wochenende sind große Demonstrationen angekündigt. Die Stimmung ist zudem von einer sich eintrübenden Autokonjunktur geprägt.

Am Nachmittag wird Grünen-Chef Robert Habeck auf der IAA erwartet. Er soll dort an einer Diskussion mit Daimler-Chef Ola Källenius teilnehmen. Im Vorfeld hat Habeck ein grundlegendes Umsteuern in der Politik verlangt. "Es braucht die klare gesetzliche Vorgabe, dass ab 2030 nur noch emissionsfreie Autos neu zugelassen werden. Bis dahin müssen jährlich steigende Quoten für emissionsfreie Autos den Weg ebnen", sagte Habeck der "Rheinischen Post". Die Branche brauche Planungs- und Investitionssicherheit und einen "kräftigen Anschubser".

Zudem sollte die Kfz-Steuer grundlegend reformiert und streng am CO2-Ausstoß und am Energieverbrauch ausgerichtet werden, sagte Habeck. Kleine, energiearme Autos sollten entlastet, energiefressende Wagen wie SUV deutlich höher besteuert werden. "Das gilt nicht nur für den CO2-Ausstoß, sondern für den gesamten Energieverbrauch – also auch bei E-Autos", erklärte der Grünen-Politiker. Es sei nichts gewonnen, wenn die Autokonzerne weiter immer mehr geländewagenartige Autos produzieren, selbst wenn diese mit Strom statt mit Sprit fahren.

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