Kunst zum Klimazusammenbruch: Ausstellung von Oliver Ressler

Kuratorin Luisa Ziaja und Künstler Oliver Ressler im Belvedere 21
Klimawandel? Für Oliver Ressler ist das ein verharmlosender Begriff. "Klimakrise" empfindet er auch als zu schwach. Der österreichische Künstler, der sich seit vielen Jahren mit den dramatischen Veränderungen der Umwelt beschäftigt, zieht den Ausdruck "Klimazusammenbruch" vor. Seine Werkschau "Dog Days Bite Back", die am Donnerstagabend im Belvedere 21 eröffnet wird und Filme, Videoinstallationen, Skulpturen und Fotoarbeiten versammelt, konzentriert sich auf dieses Thema.

"Der Klimazusammenbruch ist bereits da. In der Fülle der Werke wird das schmerzhaft und drastisch deutlich", sagte Belvedere-Chefin Stella Rollig, die vor 30 Jahren erstmals mit Ressler zusammengearbeitet hat, am Vormittag bei der Presseführung. Der "relativ bedrohliche" (Rollig) Ausstellungstitel bezieht sich auf eine Aussage des UNO-Generalsekretärs António Guterres zum Sommer 2023, dem heißesten seit Messbeginn: "The dog days of summer are not just barking, they are biting." Wie bedrohlich diese Hundstage werden könnten, hat Ressler in einer Fotocollage gezeigt, auf dem ein zähnefletschender Vierbeiner in Kampfstellung vor einem brennenden Feld zu sehen ist.

Ressler scheut das Plakative keineswegs (wie auch eine Fotomontage der Südosttangente beweist, die sich mit dichtem Waldbestand natürlich angenehmer präsentiert als mit Beton-Fahrbahnen, auf denen täglich bis zu 180.000 Autos rollen), doch mitunter sprechen die von ihm eingefangenen Bilder einfach für sich. In der Zweikanal-Videoinstallation "Climate Feedback Loops" (Klimarückkoppelungseffekte) zeigt er in Aufnahmen aus dem Juli 2022, wie radikal sich die Natur auf der Insel Svalbard zwischen der Nordküste Norwegens und dem Nordpol bereits gewandelt hat. "Das ist eine jener Weltgegenden, in denen der Temperaturanstieg am höchsten ist - nämlich 7 bis 8 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter", sagte Ressler.

"Ressler geht an Orte, wo die Mainstream-Medien nicht hingehen und wo der Klimazusammenbruch bereits unübersehbare Realität ist", meinte Rollig. "Er zeigt aber auch Handlungsoptionen und Widerstandsmöglichkeiten. Das macht Mut!" Dass er sich dabei aber auch auf heiklem Terrain bewegt, beweist etwa das Video "Not Sinking, Swarming", dessen großformatige Projektion neben einer von vier als Klimaaktivisten gekleideten und im Raum verteilten Schaufensterpuppen ("New Model Army") die Besucher empfängt. Er durfte 2019 in Madrid ein Aktivistentreffen filmen - und zeigt das Material in grober Verpixelung. "Es gibt in Spanien eine starke Kriminalisierung des zivilen Ungehorsams", so Ressler, der seine Arbeit buchstäblich im globalen Kontext realisiert und etwa gemeinsam mit der australischen Künstlerin und Filmemacherin Zanny Begg auch die Zustände auf dem pazifischen Inselstaat Nauru dokumentiert hat ("Anubumin"), dessen Bodenschätze zuerst ausgebeutet wurden, der dann als Auffanglager für Flüchtlinge diente und nun vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht wird.

Die älteste gezeigte Arbeit stammt aus 1994 und zeigt mit Acryl gemalte grüne Häuser zur Visualisierung des Treibhauseffekts ("Green House"), die jüngste wurde erst gestern angeliefert: Das Sitzmöbel "Storage Block" setzt sich mit der Methode des "Carbon Capture and Storage" und der weiteren Nutzung von gespeichertem Kohlenstoffverbindungen auseinander. Kuratorin Luisa Ziaja betonte die unterschiedlichen Strategien und Ästhetiken, mit denen sich der 1970 in Knittelfeld geborene Künstler seinem Thema nähere, dabei aber immer "dezidiert die Haltung eines informierten, involvierten Beobachters" einnehme. "Er geht davon aus, dass gesellschaftliche Verhältnisse nicht gegeben, sondern veränderbar sind."

Dennoch ist Ressler, dessen bisher 42 Filme sowohl auf Filmfestivals wie bei Veranstaltungen sozialer Bewegungen gezeigt wurden und werden, kein kritikloser Unterstützer aller Protestformen der Klimaaktivistinnen und -aktivisten, machte er anschließend im Gespräch mit Journalisten deutlich. Schüttaktionen in Museen oder Blockadeaktionen auf Straßen seien "vom strategischen Ansatz nicht so gut", denn sie träfen jene einfachen Menschen, die es ohnedies schon nicht leicht hätten, und nicht jene 100 transnationale Konzerne, die gemeinsam für 70 Prozent des globalen CO2-Ausstosses verantwortlich seien. Dort sei anzusetzen, dort sei der Hebel für den notwendigen radikalen Wandel auch bedeutend größer.

An über 400 Gruppenausstellungen weltweit hat der Teilnehmer an der documenta 14 (2017) nach eigenen Angaben bereits teilgenommen, darunter an den Biennalen in Prag, Sevilla, Moskau oder Taipei. Auch bei der kommenden Kunstbiennale in Venedig wird er vertreten sein. In der Hauptausstellung zeigt er im Rahmen von Marco Scotinis "Disobedience Archive" den vor elf Jahren mit Zanny Begg gedrehten 19-minütigen Film "The Right of Passage", der sich mit Global Citizenship, Bürgerrechten und Migration auseinandersetzt.

(S E R V I C E - "Oliver Ressler. Dog Days Bite Back", Ausstellung im Belvedere 21, Wien 3, Arsenalstraße 1, Eröffnung heute, 19 Uhr. 1. März bis 4. Juni, Di-So 11-18 Uhr, Do 11-21 Uhr. Ein Katalog um 24,90 Euro erscheint im September; www.belvedere.at; www.ressler.at

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