APA - Austria Presse Agentur

Kunstforum Wien zeigt Helmut Newtons revolutionäre Modefotos

Schlicht "Helmut Newton Legacy" nennt das Bank Austria Kunstforum seine neue Ausstellung, die mit 300 Arbeiten das Werk des 2004 verstorbenen Fotokünstlers so umfassend wie keine bisherige Schau in Österreich präsentiert. Das Spektrum reicht dabei von frühen Modefotografien der 60er-Jahre bis zu ikonischen Nacktaufnahmen, von beeindruckenden Promiporträts bis zur intimen Aufnahme am Küchentisch.

"Wir versuchen, mit der Hängung Geschichten zu erzählen. Das kann sowohl formalästhetisch als aus historisch sein", erläuterte Kunstforum-Chefin Ingried Brugger im Vorfeld beim APA-Rundgang. Sichtbar wird das etwa, wenn ein klassisch-elegantes Modefoto aus den 50ern neben der Courrèges-Serie aus 1964 hängt, in der Newton - nunmehr in Paris lebend - eine völlig neue Bildsprache entwarf und mit den Regeln der bisherigen Modefotografie brach, in dem er Bewegung und Geschichten in seine Fotos brachte.

"Er befreite sich schon früh von dem Korsett, in dem Models als reiner Kleiderständer gesehen wurden", so Brugger. So integrierte er als erster Modefotograf Elemente aus Kunst und Film, dem Kriminalroman, dem Film noir oder später auch "James Bond". Viele der Fotos zeigen bei genauer Betrachtung, mit welcher Akribie der 1920 in Deutschland geborene und vor dem Nationalsozialismus nach Australien geflüchtete Fotograf als Kompositeur in Erscheinung trat. Nicht selten tritt dabei der Auftraggeber in den Hintergrund, etwa auf einem Bild, das eine - teuer beringte - Hand mit einem tranchierten Huhn zeigt.

"Er generierte eine völlig neue Aufmerksamkeit für Mode", so Brugger. "Newton war auch der Erfinder der Aktfotografie in der Mode." Am Bekanntesten ist wohl das Diptychen der Serie "Naked and Dressed" aus 1981, in dem er vier Models zunächst angezogen und danach in exakt denselben Posen nackt fotografierte. "Bei Newton sind die Frauen jedoch nie Objekte, sondern wirken im Gegenteil besonders selbstbestimmt", schildert Brugger.

So sehr gerade die Aktfotos potenziell die bekanntesten Arbeiten der Schau sind, lohnt sich vor allem ein Blick auf die umfassende Porträtsammlung, die von Mick Jagger über Andy Warhol bis hin zu Charlotte Rampling oder Romy Schneider reicht. Dass Newton seine Bildsprache stetig weiterentwickelte, einen gewissen Fetischfaktor aber beibehielt, zeigt sich gegen Ende der Ausstellung, die sich bis in die späten 90er und frühen 2000er-Jahre zieht und einen seltenen Einblick in das umfangreiche Werk eines Fotografen gibt, der wohl zu Unrecht auf wenige "Skandal"-Fotos reduziert wird.

(S E R V I C E - "Helmut Newton Legacy" im Bank Austria Kunstforum Wien, 19. Oktober - 15. Jänner 2023. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: "Helmut Newton Legacy", hg. von der Helmut Newton Foundation, Taschen Verlag, mehrsprachige Ausgabe, 424 Seiten, 80 Euro. www.kunstforumwien.at)