APA - Austria Presse Agentur

Kurz: Krise wird noch "sehr, sehr lange dauern"

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erwartet angesichts der Coronaviruskrise, dass es noch "sehr, sehr lange dauern" werde, bis in Österreich wieder Normalbetrieb herrscht. Zumindest vier Wochen werden Kinder nicht in die Schule gehen können, sagte Kurz im Telefoninterview mit "krone.tv". Was danach ist, könne er noch nicht abschätzen.

Das Virus führe auch zu "unglaublichen wirtschaftlichen Auswirkungen", sagte Kurz. Deswegen müsse man "alles tun, um Unternehmer zu unterstützen und Arbeitsplätze zu sichern". Die Auswirkungen von Covid-19 würden "uns noch Monate beschäftigen".

Kurz: "Danach wird die Welt ganz anders aussehen." Das Virus werde auf lange Sicht Auswirkungen darauf haben, wie "wir miteinander umgehen und wie wir leben, wie vorsichtig wir sind". Auch die Globalisierung werde hinterfragt werden. Kritik übte der Kanzler am Zusammenhalt der Staaten. "In Europa sieht man, dass die Solidarität, wenn es ernst wird, nicht funktioniert - das wird auch dazu führen, dass viele Diskussionen nach der Krise stattfinden werden müssen."

Erneut dankte Kurz den Österreichern, dass sie die Maßnahmen einhalten. Eine Verschärfung ist offenbar vorerst nicht angedacht. "Viel mehr geht schon gar nicht mehr", sagte Kurz und nannte die Ausgangsbeschränkungen, Schulschließungen und Lokalsperren. Das sei maximaler Standard, insofern hoffe er sehr, dass die Maßnahmen greifen. Und er appellierte an die Bevölkerung, "lange" durchzuhalten, "weil sonst kommt die Krankheit sofort wieder". Sich ein, zwei Tage einzuschränken, bringe gar nichts.

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Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus in Österreich ist bis Mittwoch (Stand 8.00 Uhr) auf 1.471 gestiegen. Die höchste Zahl der Covid-19-Fälle registriert weiterhin Tirol mit 352, im benachbarten Vorarlberg waren es bis Mittwochfrüh 107, berichtete das Gesundheitsministerium. Aus Niederösterreich wurden 237 positive Test eingemeldet, in Wien lagen Daten über 180 bestätigte Ansteckungen vor, in der Steiermark waren es 188, in Oberösterreich 285, in Salzburg 80, im Burgenland 13 und in Kärnten 29. Bisher wurden 11.977 Testungen durchgeführt.

Weiterhin gelten drei Todesfälle im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 als bestätigt, zwei in Wien und einer in der Steiermark. Bei vier weiteren Todesfällen von mit dem Virus infizierten Personen, die am Mittwoch bekannt wurden, muss noch abgeklärt werden, inwiefern das Virus für den Tod verantwortlich ist.

Die Zahl der genesenen Patientinnen und Patienten gab das Ministerium wie schon am Dienstag mit neun an, zwei in Tirol, fünf in Wien und zwei in Niederösterreich. Weltweit wurden bisher insgesamt 198.152 bestätigte Fälle bekannt gegeben, 81.086 davon meldete China, so das Ministerium. 81.960 Menschen hätten sich global bereits wieder von Covid-19 erholt.

Das ganze Bundesland Tirol wird jetzt offenbar als Corona-Risikogebiet erachtet. Somit müssen sich nicht nur Heimkehrer aus Risikoländern wie Italien, Iran etc. oder aus den unter Quarantäne gestellten Gebieten in Tirol, Vorarlberg und Kärnten für 14 Tage isolieren, sondern alle, die in den letzten zwei Wochen irgendwo in Tirol waren. Dies sagte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) auf "Puls 4".

Kogler erwägt auch eine Verordnung über die Heimquarantäne für alle Tirol-Heimkehrer - darunter auch jene, die auf Anweisung des Landesregierung in ihr Heimatbundesland gereist sind. Dass das Bundesland Tirol als Risikogebiet erachtet wird, bestätigte auch Florian Thalhammer von der Abteilung für Infektionen MedUni Wien/AKH. Er berichtete in der "ZiB2", dass nicht nur Menschen mit Symptomen, die in den Risikostaaten Italien, Iran und China waren, einem SARS-CoV-2-Test unterzogen werden, sondern derzeit auch Tirol zu diesen Risikogebieten zählt.

Tirol hat am Dienstagabend zwei weitere Gemeinden - Sölden im Ötztal sowie St. Christoph am Arlberg - unter Quarantäne gestellt. Bereits in der Vorwoche waren St. Anton am Arlberg und die Paznauner Gemeinden Galtür, Ischgl, Kappl und See gesperrt worden.

Tests auf SARS-CoV-2 können jetzt wesentlich schneller durchgeführt werden: Das Wiener Allgemeine Krankenhaus hat mittlerweile Tests, die nur mehr 90 Minuten dauern, berichtete Florian Thalhammer von der Abteilung für Infektionen MedUni Wien/AKH Dienstag in der "ZiB2". Bisher dauerte es mehr als vier Stunden an reiner Laborzeit, bis nach einem Abstrich ein Ergebnis vorlag. Mit 90 Minuten Dauer können wesentlich mehr Verdachtsfälle überprüft werden. Dennoch bleibt es laut Thalhammer dabei, dass neben entsprechenden Symptomen auch ein Aufenthalt in eine Risikogebiet samt Risikokontakten gegeben sein muss, damit getestet wird.

Kritik, dass es zu wenig Tests gebe oder man zu lange warten müsse, hielt er entgegen, dass die Testkapazitäten generell hochgefahren worden seien. Mittlerweile gebe es viele Anbieter und so stünden ausreichend Tests zur Verfügung.

SARS-CoV-2-Infektionen bei Spitalspersonal erfolgen vor allem außerhalb der Krankenhäuser. Die perfekte technische Lösung gibt es nicht. "Wir müssen in der Lage sein, den unkontrollierten Eintrag von Infektionen zu verhindern", sagte der medizinische Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) gegenüber der APA. Der Wiener Infektiologe Christoph Wenisch (Kaiser-Franz-Josef Spital) erklärte Dienstagabend in einer Ärztefortbildungsveranstaltung online: "Das Krankenhaus ist der sicherste Ort für 'Gesundheitsarbeiter'.

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) appelliert an die rund 500 Schulärzte an Bundesschulen (AHS, BMHS), unentgeltlich in anderen Gesundheits- und Betreuungseinrichtungen mitzuhelfen. Für diese Zeit können sie Sonderurlaub beantragen, ihr Gehalt wird weiter vom Bildungsministerium bezahlt, heißt es in einem Schreiben.

Am Mittwoch waren seitens des Außenministeriums Bestrebungen im Gang, weitere Touristen nach Hause zu bringen. Insgesamt vier Maschinen der AUA sollten im Verlauf des Tages Urlauber aus Teneriffa, Las Palmas und Hurghada zurückfliegen. Insgesamt sitzen zumindest 47.000 heimische Urlauber in mehr als 100 Ländern der Welt fest.

Auf dem Flughafen Wien in Schwechat finden aktuell Körpertemperaturmessungen bei allen ankommenden Reisenden statt. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Flügen aus Staaten mit hoher Risikobewertung, teilte der Airport mit. Die Messungen werden von den niederösterreichischen Gesundheitsbehörden im Auftrag des Gesundheitsministeriums durchgeführt.

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