APA - Austria Presse Agentur

Laura Freudenthaler erhält den Anton-Wildgans-Preis

Der Anton-Wildgans-Preis geht heuer an Laura Freudenthaler. Die gebürtige Salzburgerin (Jahrgang 1984) erhält den mit 15.000 Euro dotierten Literaturpreis der Österreichischen Industrie für ihre Prosa-Texte, die in "atmosphärisch dichten Bildern" etwa Ohnmachtserfahrungen, nie aufgearbeitete Traumata und verdrängte Erinnerungen aufgreifen, hieß es in einer Aussendung. Die Verleihung findet am 3. Oktober im Haus der Industrie statt.

Freudenthalers Texte "führen mit einer Schonungslosigkeit, die ihresgleichen sucht, stets mitten hinein in Lebenskreise, die sich gemeinhin dem Erzählen entziehen", so die Jury. Sie berichte von Vorgängen, die in Alltagsdiskursen gewöhnlich nicht zur Sprache kommen, "weil sie schlicht Tabu sind". Zu sehen sei, "was die Figuren sehen, was sie wahrnehmen und befürchten, woran sie leiden, womit sie unaufhörlich zu kämpfen haben; und dass sie ein Geländer suchen, welches ihnen erlauben würde, sich noch einmal zurechtzufinden in der Welt und dazuzugehören: Fesselnde Lektüre", befand die Jury.

Freudenthaler veröffentlichte mit "Der Schädel von Madeleine" 2014 ihren Debüterzählband. Für ihren Roman "Die Königin schweigt" (2017) wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Für "Geistergeschichte" (2019) erhielt sie den Literaturpreis der Europäischen Union. 2020 machte sie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb auf sich aufmerksam, sicherte sie sich doch mit dem Text "Der heißeste Sommer" den 3sat-Preis. Ihr jüngstes Buch "Arson" basiert auf Motiven dieses Textes. Die Autorin lebt in Wien und schreibt nicht nur, sondern übersetzt auch aus dem Französischen ins Deutsche.

Der "Literaturpreis der Österreichischen Industrie - Anton Wildgans" wird an einen Schriftsteller oder eine Schriftstellerin der jüngeren oder mittleren Generation mit österreichischen Staatsbürgerschaft verliehen, dessen oder deren Werk "von hervorragender Relevanz für die literarische und gesellschaftliche Konstellation unserer Zeit ist". Unter den bisherigen Preisträgern befinden sich etwa Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, Christoph Ransmayr, Arno Geiger, Norbert Gstrein, Olga Flor und Kathrin Röggla. Im Vorjahr ging die Auszeichnung an Christoph W. Bauer.