APA - Austria Presse Agentur

Anschober: Wichtigste Wochen bezüglich Corona stehen bevor

Bei Reproduktionszahl und Sieben-Tage-Inzidenz, bei diesen Corona-Werten stimme der Trend.

Diese Bilanz hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Donnerstag gezogen. Aber beim wichtigsten Ziel, der Zahl der Intensivpatienten in Österreichs Krankenhäusern, bestehe "die Schwere und Intensität der Aufgabe" weiterhin. 585 Intensivbetten sind aktuell belegt, in den kommenden "wichtigsten vier Wochen in der Pandemie" sollen es unter 300 sein.

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Ab Jänner könne es dann "schrittweise besser werden", sagte der Minister unter Hinweis auf den baldigen Beginn der Impfungen gegen Corona. Am vierten Tag des gelockerten Lockdowns gab es in Österreich 2.686 Neuinfektionen bei 3.850 neugenesenen Infizierten, 107 weitere Tote und insgesamt 3.780 Hospitalisierungen. Mit einer aktuellen Reproduktionszahl von 0,82, also deutlich unter der kritischen Eins, wurde ein weiteres Ziel erreicht, so Anschober: "Die Siebentages-Inzidenz liegt bei 229, hat sich also deutlich halbiert", aber liege ebenso deutlich über dem Wert von Deutschland: "Wir brauchen einen Einser vorne", definierte der Minister daher ein weiteres Ziel.

Das Risiko, dass diese Zahlen "wieder explodieren", besteht nach wie vor, warnte Anschober - eine solche Trendumkehr müsse verhindert werden, die Regierung würde in diesem Fall sofort eingreifen. Die absolute Katastrophe wäre eine harte Triage gewesen, sagte Klaus Markstaller, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI): "Wir haben befürchtet, dass so eine Situation auch in Österreich eintreten kann", aktuell finde man bei abnehmenden Zahlen nun die allerschwersten Fälle.

Das sind laut Markstaller Patienten, bei denen sich die Situation auch nach ein bis zwei Wochen Intensivbehandlung nicht verbessert. Im Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH) seien das jüngere Patienten: Bei einem Durchschnittsalter von 55 Jahren gebe es neben über 70-Jährigen auch Patienten in einem Alter von Ende 20 bis Anfang 30: "Menschen, die keine wesentlichen Vorerkrankungen hatten", beschrieb der ÖGARI-Präsident deren Lage.

Diese Welle werde vorübergehen, doch das Gesundheitspersonal sei inzwischen tatsächlich schwer belastet, und dies werde so bleiben, etwa durch die verschobenen Operationen, die nachgeholt werden müssen - es sei eine Belastung, die noch Wochen und Monate anhalten wird. "Wir haben mehrere Impfungen in Aussicht, und das wird die Lösung sein", glaubt Markstaller.

Bis dahin bleibt auch die Lage in der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum Linz angespannt, informierte Vorstand Bernd Lamprecht per Videozuschaltung: Mitarbeiter gingen weiterhin an ihre Grenzen, "dieser Zustand kann nicht über viele Monate aufrechterhalten werden", warnte Lamprecht. Die Überbrückung dieser Lage könne nur gelingen, wenn die Infektionszahlen moderat bleiben. Jeder Einzelne könne dafür einen persönlichen Beitrag leisten, neben dem Abstandhalten auch durch Schnelltests, so der Hinweis des Mediziners, an den laufenden Massentests teilzunehmen.

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Eine weitere, dritte Welle wäre nicht zu verkraften, prognostizierte Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich (GÖG), "abgesehen von der personellen Belastung auch von den Kapazitäten her nicht". Dies würde nicht nur eine "Konkurrenz" zu den herkömmlichen Patienten, sondern auch mit jenen der zweiten Welle bedeuten.

Länder, die nach Eindämmung der zweiten Welle wieder steigende Zahlen haben, gibt es: Ostermann nannte die Slowakei, die Schweiz und die Niederlande. Positiv ist jedoch seine Prognose für die kommenden Tage, was Österreich betrifft: Bis knapp vor Weihnachten, zum 22. Dezember hin, geht er von einer Anzahl der Intensivpatienten von unter 400 aus - bei einer Bandbreite von 300 bis 450. Die Prognose nimmt eine Entwicklung an, in der die täglichen Neuinfektionen auf 1.600 bis 1.700 Fälle sinken.

Für kommende Woche kündigte der Gesundheitsminister neue "Rahmenbedingungen für die Feiertage" an, die fixiert und per Verordnung verankert würden. Mit Deutschland, das sich mit einem Lockdown schützen will, sei Österreichs Situation jedenfalls nicht zu vergleichen.