APA - Austria Presse Agentur

Lehrlingsbonus: Kammer will Verlängerung, Regierung zögert

"Der Lehrlingsbonus wirkt", stellte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) am Montag in einer Mitteilung fest. "Ich bin davon überzeugt, dass wir einen größeren Rückgang der Lehrstellen damit abfedern konnten." Dennoch konnte man sich im Wirtschaftsministerium bisher nicht dazu durchringen, dem Wunsch der Wirtschaftskammer nach einer Verlängerung der Fördermaßnahme nachzukommen. "Der Lehrlingsbonus kann noch bis Ende Oktober beantragt werden", hieß es.

Der im Sommer eingeführte Lehrlingsbonus habe sich als wirksamer Anreiz erwiesen, die Lehrstellenlücke sei deutlich kleiner ausgefallen als befürchtet und betrage rund 9 Prozent, argumentierte die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) am Samstag in einer Aussendung. Allerdings ist eine Förderung für Lehranfänger derzeit nur für den Zeitraum vom 16. März bis 31. Oktober 2020 vorgesehen. Die Wirtschaftskammer sieht ein Potenzial an bisher unentschlossenen Betrieben, die noch zur Aufnahme von Lehrlingen motiviert werden könnten und wünscht sich "dringend" eine Verlängerung des Lehrlingsbonus für die Aufnahme von Lehrlingen bis 31. Dezember 2020.

Üblicherweise sei die reguläre Aufnahme von Lehrlingen mit Ende Oktober abgeschlossen, aber wegen der Coronakrise würden viele Betriebe noch abwarten, wie sich die Situation für sie entwickelt, so die Wirtschaftskammer. So sei bis vor kurzem noch unklar gewesen, ob Lehrlinge ab Oktober 2020 noch in Kurzarbeit geschickt werden können. Hier gebe es jetzt Klarheit und Rechtssicherheit, womit ein Unsicherheitsfaktor weggefallen sei.

Im zuständigen Wirtschaftsministerium ist man sich da nicht so sicher und lässt die Entscheidung über eine etwaige Verlängerung des Lehrlingsbonus noch offen, wie es heute auf APA-Anfrage hieß.

Bisher gingen rund 9.500 Anträge für den Lehrlingsbonus ein, ausbezahlt wurden bereits über 5,7 Mio. Euro. Rund 53 Prozent aller Anträge wurden von der Sparte "Gewerbe und Handwerk" eingebracht. 16 Prozent kommen aus dem Handel, 14 Prozent aus der Industrie.