ME/CFS: Lauterbach weist auf Forschungs-Dringlichkeit hin

Eine Protestaktion für mehr Bewusstsein für ME/CFS am 12. Mai in Wien
Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat am Mittwoch die internationale Online-Konferenz zu Long/Post Covid und ME/CFS "UniteToFight2024" (

Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat am Mittwoch die internationale Online-Konferenz zu Long/Post Covid und ME/CFS "UniteToFight2024" (https://unitetofight2024.world) eröffnet. Nach wie vor würden Millionen Menschen unter den Folgen von Covid leiden, es brauche "intensive Forschung", sagte er in einem Video-Statement. Long Covid als "globales Problem" werde bleiben, nur mittels globaler Zusammenarbeit werde man die Herausforderungen stemmen können.

Die von Long-Covid-Betroffenen organisierte Online-Konferenz gehe den richtigen Weg, so Lauterbach sinngemäß. Neue Forschungsergebnisse würden geteilt, Kooperationen gefördert und globale Netzwerke aufgebaut. Es gelte, gemeinsam den Kampf gegen Long Covid und ME/CFS zu führen.

Ebenfalls zum Auftakt sprach u.a. die Leiterin der österreichischen WE&ME-Stiftung, Marie-Therese Burka. Die von der Wiener Bäckerei-Familie Ströck gegründete Initiative hat sich der Erforschung von ME/CFS verschrieben, zwei der Söhne sind von der Erkrankung betroffen. Wie zuvor Lauterbach verwies auch Burka auf die in Deutschland für die Forschung bereitgestellten finanziellen Mittel. Es brauche aber auch international mehr Forschungsfinanzierung, betonte sie. Ebenfalls einleitende Worte sprach die mit der Bekämpfung von Corona beauftragte Epidemiologin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Maria Van Kerkhove, die unter anderem auf die Bedeutung der Impfung und auf die Notwendigkeit von Behandlungsmöglichkeiten hinwies.

Die zweitägige Konferenz (rein online) bringt von 15. bis 16. Mai zahlreiche internationale Top-Experten einem breiten Publikum nahe. Beleuchtet werden dabei post-akute Infektionssyndromen (PAIS) wie ME/CFS oder Long bzw. Post Covid, die durch die Coronapandemie weltweit stark gestiegen sind. Insgesamt haben sich laut den Organisatoren im Vorfeld mehr als 9.000 Personen als Zuhörer registriert.

Ziel der Konferenz ist es nicht nur, das Thema postviraler Infektionssyndrome einem breiten Publikum zugänglich zu machen, sondern auch die Aufmerksamkeit auf diese Erkrankungen zu lenken. Seit Jahrzehnten findet die Erkrankung in der Öffentlichkeit, in der Wissenschaft und bei Ärzten nur wenig Beachtung. ME/CFS etwa wurde seitens der WHO bereits im Jahr 1969 als neurologische Krankheit eingestuft, dennoch mangelt es bis heute an Forschung und Wissen um diese Problematik. Auch werden post-akute Infektionssyndrome oftmals als psychische oder psychosomatische Erkrankungen fehlgedeutet und entsprechend fehlbehandelt, worauf in den vergangenen Monaten auch österreichische Wissenschafter und Wissenschafterinnen wiederholt aufmerksam gemacht hatten.

Insgesamt konnten die Organisatoren rund um den von Long Covid betroffenen Deutschen Marco Wetzel deutlich mehr als 35 Redner für Vorträge gewinnen. Unter den Sprechern finden sich Experten vor allem aus den USA, Großbritannien, Deutschland sowie aus den Niederlanden, Belgien, Südafrika, Lettland und Österreich. Prominente Namen sind etwa die ME/CFS-Spezialistin Carmen Scheibenbogen von der Berliner Charité, die Expertin für Immunologie Akiko Iwasaki von der Yale University (USA) oder der Experte für Zellphysiologie und mitochondriale Funktion Rob Wüst von der Universität Amsterdam. Auch der australische Long-Covid-Spezialist und Neurowissenschafter David Putrino von der Icahn School of Medicine (Mount Sinai/New York) hält einen Vortrag, aber ebenso Angehörige von schwerst Betroffenen sowie selbst Betroffene.

Aus Österreich nimmt neben Burka der Wiener Neurologe und ME/CFS-Experte Michael Stingl an der Konferenz als Redner teil. Sprechen wird auch Sabine Hermisson, Mutter einer schwerst betroffenen ME/CFS-Patientin.

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