Mehr Wildkatzen-Sichtungen in Österreich

Tiere anhand von Gentests eindeutig identifizierbar
Wildkatzen sind wohl hierzulande nie ausgestorben, wie man über Jahrzehnte glaubte, erklärten Experten Mittwoch bei einer Online-Pressekonferenz. Einige der "besonders heimlichen Tiere" hielten sich in Wäldern versteckt und wurden vielleicht für streunende Hauskatzen gehalten. Aktuell werden Wildkatzen vermehrt gesichtet und identifiziert. Damit sie sich weiter in durch Felder und Straßen getrennten Wäldern ausbreiten können, pflanzen Naturschützer verbindende Buschkorridore.

"Die Wildkatze ist im Begriff, Österreich wieder in größerem Maßstab zu besiedeln", sagte Andreas Kranz vom Naturschutzbund. In Niederösterreich wurden sie zum Beispiel in der Wachau gesehen, wo es sogar Nachweise von Jungtieren gibt, und im Nationalpark Thayatal. Aus Vorarlberg gibt es sogar Filmaufnahmen, wo eine Wildkatze am Stadtrand von Dornbirn auf einem Holzstoß herum klettert. Weil man nicht glauben wollte, dass solch ein scheues Tier sich im Siedlungsgebiet blicken lässt, suchte man nach Kot und Urin, um einen genetischen Nachweis zu erhalten. Dieser war positiv, es handelte sich also tatsächlich um ein Wildtier und nicht eine ähnlich aussehende Hauskatze. Auch in der Steiermark, im Südburgenland, in Salzburg und Kärnten gäbe es Nachweise. In Oberösterreich fehlen sie wahrscheinlich nur, "weil man dort nicht genau genug hingeschaut hat", meint der Experte.

Wildkatzen sind anhand von Gentests eindeutig identifizierbar, erklärte Kranz. Fotos (etwa aus Wildkameras) können lediglich Hinweise liefern, dass es eine solche sein könnte, wenn man darauf gewisse Merkmale gut erkennt: Zum Beispiel einen "stumpfendigen buschigen Schwanz mit schwarzem Ende und nicht verbundenen schwarzen Ringen", und einen dünnen schwarzen Strich entlang des Rückens bis zum Schwanzansatz, den die Fachleute "Aalstrich" nennen.

Die Tiere sind auf größere Waldgebiete als Lebensraum angewiesen, so Kranz. Mit einem Computermodell untersuchte Josh Lowry (Naturschutzbund), wo in Österreich geeignete Wälder sind, und ob es Korridore gibt, die sie verbinden. "Niederösterreich hat den meisten Lebensraum und dazu passend die meisten Wildkatzen-Nachweise", sagte er: "Salzburg hingegen den geringsten möglichen Lebensraum und die geringste Zahl von Wildkatzen-Nachweisen."

Doch viele der passenden Wälder sind nicht von Wildkatzen bewohnt. Dies könnte man ändern, indem man sie durch Korridoren anbindet, so Lowry. Er identifizierte mithilfe des Computermodells hunderte Flächen, wo dies sinnvoll und möglich wäre. In der Südoststeiermark bei Sankt Anna am Aigen haben die Naturschützer bereits einen Korridor aus Hecken gepflanzt, der entlang eines Weingartens zwei Waldstücke verknüpft, berichtete Tobias Grasegger (Naturschutzbund). Solche Projekte sind auch in Niederösterreich, zum Beispiel im Horner Becken, und Oberösterreich geplant.

(S E R V I C E - Internet: Bericht "Wildkatzenkorridore in Österreich": Wildkatzenmeldungs-Seite: https://naturschutzbund.at/wildkatzenmeldung.html)

Kommentare