APA - Austria Presse Agentur

Mehrere Ausstellungen in Wiener Secession eröffnen

Vor der Secession herrscht Verkehrsstau und Baustellenlärm. Über Stufen gelangt man in die Untergeschoß-Galerie. Dort wartet Alexandra Bircken und lässt genüsslich ihre Yamaha-R6-Rennmaschine an: 600 ccm, 120 PS, 250 km/h Höchstgeschwindigkeit. Motorengeknatter und Benzingestank erfüllt den Raum. Vom Fleck kommen wird die Maschine nicht. Statt Rädern hat sie die Holzkufen eines Schaukelpferdes.

In den am Donnerstag um 19 Uhr mit einem Gartenfest eröffnenden Secessions-Ausstellungen lassen sich viele Entdeckungen wie diese machen. Es gibt viel zu sehen und zu denken. Alleine die Arbeiten der deutschen Künstlerin Alexandra Bircken bilden einen eigenen kleinen Kosmos. "Unruhe" nennt sie ihre Präsentation, denn "wir leben ja in unruhigen Zeiten". Sie arbeitet etwa mit Brüchen, Schnitten und Umwertungen. Am einfachsten lässt sich das Konzept bei einem Paar Elan-Ski und einem Stück Baumstamm nachvollziehen: Sie wurden auseinandergeschnitten und mit Scharnieren wieder fixiert. Sie wirken durchaus stabil. Anders stabil. In verschiedenen Konfigurationen hat Bircken auch ihre "Deflated Figures" arrangiert - leere Latexhüllen in Rosa und Hellblau. "Menschenhüllen, die herumhängen, als hätten sich die Körper in Luft aufgelöst", nennt es Secessions-Präsident Herwig Kempinger bei der heutigen Presseführung.

Auch der Secessions-Hauptraum sieht auf den ersten Blick recht verwirrend aus. Hier gibt es Skulpturen, Bilder und Wandarbeiten mit viel Leerraum dazwischen. "Alle Arbeiten sind extra für die Secession entstanden", sagt Tillman Kaiser. Der in Wien lebende Grazer hat seine Ausstellung "Im Dom" genannt. "Ich beziehe mich vage auf Sakralbauten", erklärt er den Titel. Augenfällig ist das etwa in einer Mixed-Media-Installation, an deren Spitze ein aus Draht geflochtenes Kirchenmodell prangt. Das sei eigentlich ein Vogelkäfig, den er im Dorotheum erstanden habe, erzählt Kaiser im Gespräch mit der APA. Das Drahtgestell darunter sei eine Fischreuse, in der früher etwa Hummer gefangen wurden.

Auch die übrigen Werke erschließen sich erst mit Erläuterungen des Künstlers: Großformatige Bilder sind etwa eigentlich mit Lochkamera aufgenommene und in Langzeitbelichtung entstandene Fotografien. Die Basis seiner Arbeit sei die Collage. Wer "im Dom" nach Botschaften sucht, ist fehl am Platz: Nicht Sendungsbewusstsein, sondern die Dreifaltigkeit aus Ironie, Lakonie und Akribie bestimmt Kaisers Werk.

Geradezu logisch scheint die Fortsetzung, steigt man Richtung Grafisches Kabinett empor: Im engen Stiegenhaus bespielt der in Bangkok geborene Korakrit Arunanondchai die Wände mit einer floralen Tapete aus getrockneten Blumen, Kräutern und Gräsern - eine Hommage an das goldene Blätterwerk der Secessions-Kuppel. "Wochenlang haben unsere MitarbeiterInnen dafür Pflanzen gesammelt und gepresst", schmunzelt Kempinger. Oben zeigt der Künstler und Filmemacher in einer Black Box drei Videoarbeiten.

Die Secession begleitet die drei bis 10. November laufenden Ausstelllungen mit drei Künstlerbüchern. Jenes von Tillman Kaiser habe sich im Laufe der Arbeit "zur Skulptur entwickelt", sagt Kempinger. Und ist daher, bei einer Auflage von 150 Stück, mit 250 Euro doch ein weniger teurer als die beiden anderen (je 26,40 Euro).

(S E R V I C E - "Tillman Kaiser. Im Dom", "Alexandra Bircken. Unruhe" und "Korakrit Arunanondchai", Ausstellungen in der Secession, Wien 1, Friedrichstraße 12, 13. September bis 10. November, Dienstag - Sonntag 10-18 Uhr.

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