APA - Austria Presse Agentur

Mehrere Erfrierungsfälle: Tod durch Unterkühlung selten

Nach den eisigen Temperaturen in Österreich und mehreren erfrorenen Personen in der Vorwoche hat der Chefarzt des Österreichischen Roten Kreuzes, Wolfgang Schreiber, betont, dass derartige Todesfälle hierzulande selten vorkommen. Der Tod trete durch Unterkühlung ein, nicht durch Erfrierungen an der Haut, erklärte er im APA-Gespräch. Wird eine unterkühlte Person noch lebend gefunden und in ein Spital gebracht, ist die Prognose gut, alles ohne bleibende Schäden zu überstehen.

Am vergangenen Donnerstag wurde eine 78-Jährige in Waldzell (Bezirk Ried) von einer Passantin erfroren auf einem Feld gefunden. Sie hatte in den frühen Morgenstunden ihre in der Nähe des späteren Fundorts gelegene Wohnung verlassen und war gestürzt. Ein am Freitag beim Liesingbach in Wien gefundener und vorerst nicht identifizierter toter Mann dürfte laut Polizei ebenfalls an Unterkühlung gestorben sein. In der Nacht auf Sonntag erfror zudem ein 51-Jähriger in Ober-Grafendorf (Bezirk St. Pölten) nach einem Sturz auf dem Heimweg.

Bei derartigen Fällen handle es sich meist um Tod durch Unterkühlung (medizinisch: Hypothermie), erläuterte Schreiber. Ein Tod durch Erfrierungen oder Erfrieren komme eher nur im hochalpinen Bereich vor. "Auch Lawinenverunfallte sterben in der Regel nicht an Unterkühlung, sondern ersticken", sagte der ÖRK-Chefarzt.

Für eine Unterkühlung brauche es "gar nicht so sehr diese kalten Temperaturen". Die meisten Patientinnen und Patienten, die deshalb behandelt werden müssten, sind laut dem Mediziner alte Menschen, die nicht oder zu sparsam heizen, in Haus oder Wohnung stürzen, nicht mehr aufkommen und länger liegen bleiben, bis es jemand bemerkt. Darüber hinaus seien auch Personen betroffen, die bei kalten Temperaturen im Freien zu liegen kommen und nicht mehr aufstehen können oder die Kälte aufgrund einer Alkoholisierung nicht spüren. Bei Wind oder einem Sturz in kaltes Wasser erfolgt die Abkühlung rascher.

Normal ist eine Körperkerntemperatur von über 35 Grad. Darunter handle es sich um eine Unterkühlung mit verschiedenen Schweregraden. Die Abstufungen sind laut Schreiber individuell ein bisschen unterschiedlich. Unter 30 bis 28 Grad sei ein Mensch jedenfalls "kritisch krank" und in einer bedrohlichen Situation.

Fitte, nüchterne Personen suchen bei ersten Anzeichen einer Unterkühlung - wie "Muskelaktivität im Sinne von Kältezittern" oder dem Gefühl von kalten Extremitäten oder Händen - das Warme auf, erläuterte Schreiber. Bleibt die betroffene Person aber liegen, kann sie apathisch bis bewusstlos werden, Atemfrequenz und Blutdruck werden geringer und es kann bis zum Herzstillstand und Tod kommen. Es gibt jedoch "selten tief hypotherme Patienten, die sich mit Kreislaufstillstand präsentieren", sagte der Facharzt für Innere Medizin und Intensivmedizin.

Wenn eine unterkühlte Person nicht mehr "geordnet ansprechbar ist, dann wird man das selbst nicht lösen können", erläuterte Schreiber in Bezug auf nötige Erste-Hilfe-Maßnahmen. Es müsse der Rettungsnotruf verständigt und ein weiteres Abkühlen verhindert werden, aber nur durch Zudecken allein werde sich die Person nicht erwärmen.

Im Krankenhaus erfolgt die Behandlung mit einer Art dünnen Luftmatratze, aus der warme Luft auf die Haut geblasen wird, berichtete der Mediziner. Es gebe auch die Möglichkeit, auf 38 Grad erwärmte Infusionen zu verabreichen. Außerdem werde bei einer starken Unterkühlung versucht, den Patienten möglichst wenig zu bewegen. Das kann nämlich zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes führen. Bei einer Behandlung im Krankenhaus ist die Prognose gut, eine Unterkühlung ohne neurologische Defizite zu überleben, versicherte der Chefarzt des Roten Kreuzes.

(S E R V I C E - Weitere Infos des Gesundheitsministeriums zu Unterkühlungen: https://go.apa.at/ydVOTD0C )