Türk prangert "unfassbare" Tötungen im Westjordanland an

UNO-Menschenrechtskommissar Volker Türk
UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk hat ein Ende der Gewalt im von Israel besetzten Westjordanland gefordert.

"Als ob die tragischen Ereignisse in Israel und dann im Gazastreifen in den letzten acht Monaten nicht genug wären, sind die Menschen im besetzten Westjordanland Tag für Tag beispiellosem Blutvergießen ausgesetzt", erklärte der österreichische Jurist und UN-Mitarbeiter am Dienstag. "Es ist unfassbar, dass so viele Leben auf so mutwillige Weise genommen wurden." Laut Türk wurden seit dem Beginn des Krieges zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen mindestens 505 Palästinenser im Westjordanland durch das israelische Militär, andere Sicherheitskräfte oder Siedler getötet. Palästinensische Vertreter beziffern die Zahl der Getöteten mit 523.

Türk erklärte, in derselben Zeit seien zwei Dutzend Israelis bei Zusammenstößen im Westjordanland oder durch palästinensische Angriffe aus dem Gebiet heraus getötet worden, darunter acht Soldaten.

Israel wies die Erklärung des Menschenrechtskommissars umgehend zurück. Seit dem 7. Oktober sei die "terroristische Aktivität im Westjordanland drastisch angestiegen", erklärte die israelische diplomatische Vertretung in Genf. Palästinenser hätten in den vergangenen acht Monaten "mehr als 500 Terrorangriffe" verübt. "Das ist eine Realität, die der Hohe Kommissar zu ignorieren und abzutun gedenkt", hieß es in der israelischen Erklärung. "Israel wird nicht erlauben, dass das Westjordanland in eine weitere Terroristenhochburg verwandelt wird."

Der Krieg im Gazastreifen war am 7. Oktober durch einen Großangriff der Hamas auf Israel ausgelöst worden. Kämpfer der Hamas und anderer militanter Gruppen hatten dabei nach israelischen Angaben mindestens 1190 Menschen getötet. Zudem wurden etwa 250 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Als Reaktion geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden dabei bisher mehr als 36.500 Menschen getötet.

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