Missbrauchsprozess mit sechs Angeklagten in Vbg. fortgesetzt

Sechs Angeklagte stehen in Feldkrich wegen Missbrauchs vor Gericht.
Der Prozess wegen des sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen Frau mit sechs Angeklagten am Landesgericht Feldkirch ist am Freitagvormittag fortgesetzt worden. Gleich nach Wiederaufnahme der am vergangenen Mittwoch unterbrochenen Verhandlung wurde vor der Einvernahme der betroffenen 45-Jährigen die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Frau, die aktuell in Deutschland ansässig ist, wurde per Zoom-Call nach Feldkirch zugeschaltet.

Angeklagt sind sechs Männer im Alter zwischen 23 und 57 Jahren. Den Flüchtlingen aus Afghanistan wird vorgeworfen, sich im Februar 2022 in Bludenz an der Frau vergangen zu haben. Sie sitzen seit vergangenem Juli in Untersuchungshaft. Vor Gericht bestritten die Männer, Geschlechtsverkehr gehabt bzw. gegen den Willen der Frau gehandelt zu haben.

Die Anklägerin hatte zu Prozessbeginn geschildert, dass die 45-Jährige eigenen Angaben zufolge schwere Alkoholikerin ist. Sie hatte sich mit ihrem damaligen Partner gestritten, war aus der Wohnung geflogen und suchte stark betrunken nach einem Schlafplatz. Am Bahnhof Dornbirn wurde der Drittangeklagte auf die Frau aufmerksam, sprach sie an und bot ihr einen Schlafplatz beim Erstangeklagten in einem Flüchtlingsheim in Bludenz an.

In Bludenz angekommen wurde der 45-Jährigen im Zimmer des Erstangeklagten Alkohol offeriert. In weiterer Folge soll es durch die ersten drei Angeklagten zum sexuellen Missbrauch gekommen sein. Am nächsten Tag haben sich laut Darstellung der Staatsanwaltschaft auch die drei anderen Männer an der Frau vergangen. Die 45-Jährige habe die geschlechtlichen Handlungen deutlich abgelehnt, so die Staatsanwältin. Den untersuchten DNA-Spuren zufolge müsse es auch noch einen siebenten Mann geben, der die Frau missbraucht habe, dieser habe aber noch nicht ausgeforscht werden können, sagte sie.

Die Rechtsvertreter der Angeklagten wiesen den Tatvorwurf im Namen ihrer Mandanten zurück. Einige der Angeklagten gaben an, gar nicht mit der Frau verkehrt zu haben, andere betonten, alles habe im Einvernehmen stattgefunden. Trotz eindeutiger Spurenlage stellten etwa der Erst- und Drittangeklagte sexuellen Missbrauch in Abrede. Sie gaben zudem an, für eine solche Tat zu stark betrunken gewesen zu sein. In ihren Einvernahmen betonten die beiden, die Frau habe sich stets "in normalem Zustand" befunden. Ebenso gaben sie an, täglich - gemeinsam mit anderen Personen - mehrere Flaschen Schnaps zu konsumieren. Die Frau hielt sich von 21. bis 24. Februar in der Flüchtlingsunterkunft auf.

Den Ausführungen der Staatsanwältin zufolge liegt der Strafrahmen im Fall eines Schuldspruchs bei fünf bis 15 Jahren. Der Strafrahmen sei erhöht, weil die Tat für das Opfer besonders erniedrigend gewesen sei. Neben der Einvernahme der 45-Jährigen steht am Freitag unter anderem auch die Erörterung der Expertise von Gutachter Reinhard Haller auf dem Programm, anschließend wird das Urteil erwartet. Die Verhandlung ist bis 18.00 Uhr angesetzt.

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