Musikerin Ina Regen wollte sich "Leichtigkeit zurückerobern"

Die Sängerin möchte mit ihrem Publikum "tanzen und eskalieren"
Ina Regen hat sich wieder in den Sattel geschwungen, was im Fall der österreichischen Sängerin bedeutet: Sie ist ins Studio gegangen. Mit "Fast wie Radlfahrn" veröffentlicht Regen am Freitag ihr drittes Album, bei dem vieles neu ist. "Ich habe eine andere Kraft und Mut gefunden, neue Schritte zu gehen", so die Musikerin über die sehr verspielten und poppigen Stücke. "Ich wollte mir eine Leichtigkeit zurückerobern."

War der Vorgänger "Rot" (2021) vielfach von melancholischen Tönen durchzogen, geht es nun also luftiger zur Sache. Damals sei die Arbeit eher "kopfig" gewesen, was auch der Coronapandemie geschuldet war, meinte Regen im APA-Interview. "Jetzt wollte ich so viel Lebendigkeit, Impulsivität und Leichtigkeit kultivieren, wie es nur irgendwie geht." Ziel war nicht zuletzt, auf diese Weise ihr "Entertainerin-Sein" auch auf der Bühne stärker ausspielen zu können. "So gern ich es mag, bin ich nicht nur immer hinter dem Klavier, sondern kann auch mit meinem Publikum interagieren, tanzen und eskalieren."

Zusammengearbeitet hat Regen für die neuen Stücke mit Songwriterinnen wie Tamara Olorga oder Alexa Voss alias Flinte, die auch im Duett "Kaffee & Chardonnay" zu hören ist. Nicht mehr mit von der Partie ist hingegen ihr langjähriger Kreativpartner Florian Cojocaru. "Höchste Wertschätzung für alles, was er gemacht hat. Nichtsdestotrotz hatte ich das Gefühl, dass ich frischen Wind brauche", so Regen. "Außerdem habe ich selber verstanden, dass ich Ina Regen bin. Das klingt so komisch, aber ich habe da in mehreren Schichten durchdringen müssen, bis ich es voll inhaltlich in mein Leben integrieren konnte." Zudem habe es den Wunsch gegeben, mit mehr Frauen zusammenzuarbeiten.

Mit Voss habe sie eine ihrer besten Freundinnen ins Songwriting-Boot holen können. "Es ist so besonders, weil wir extrem verschieden sind. Sie ist eine rotzige Norddeutsche, und ich bin das Mädl vom Land", lachte Regen. "Das sage ich mit sehr viel Liebe! Sie hat so eine bildhafte, plastische Sprache, während ich die Dinge oft sehr philosophisch oder in einer Metaebene besprechen will." Herausgekommen sei ein Pingpong-Spiel, "bei dem es am Ende wieder meine Worte sind, sie mir aber so schöne Brücken baut. Das genieße ich sehr."

Schließlich entstanden elf Songs, die zwar durchaus auch das "Mädl am Klavier" bieten, wie im gleichnamigen Opener, aber oft ziemlich tanzbar daherkommen ("A Weg zu mir", "Na geh"). "Diese Art von Sound oder Gleichgewicht aus Melancholie und Euphorie hatte ich schon viel länger als Vision, und jetzt war es eben Zeit, das auszubalancieren", meinte Regen. "Rot" sei in dieser Hinsicht auch ein Übergang gewesen, um jetzt an diesen Punkt zu gelangen: "Die Verrückte, die auf der Bühne herumspringt, wenn sie es gerade spürt, bin ich einfach auch!"

Gleich geblieben ist hingegen Regens ungebrochener Optimismus. "Interessanterweise muss ich, wenn es am finstersten wird, die Hoffnungsfackel am höchsten in die Luft schwingen", lachte die Sängerin. Ohnehin würden die Menschen derzeit "eine Sehnsucht haben nach einer Leichtigkeit", so gehe es ihr selbst schließlich auch. "Ich würde Expansion als Überschrift darüberschreiben", verwies sie auf ihren musikalischen Output. In dieser Zeit habe sie sich selbst auch neu kennengelernt. "So große Veränderungen gehen ja nie ohne Leidensdruck davor. Also ja, da gab es auch finstere Phasen bei mir, die man nicht groß in die Öffentlichkeit tragen muss."

Viel wichtiger sei ihr, über gesellschaftlich relevante Themen zu singen, wie im vermeintlichen Heldentum hinterfragenden "Granit" oder "Unwahrscheinlichkeit", das etwa Hunger und Klimakatastrophe verhandelt. "Alle diese Themen haben einen autobiografischen Anknüpfungspunkt. Ich nehme mich als Mensch in meine Kunst mit, und das ist auch das Angebot, das ich machen kann: Der Mensch Ina Regen betrachtet alle zwei Jahre die Welt." Wobei ihr klar sei, dass nicht jeder diesen Anspruch hat, sondern viele "genau von diesem Alltag flüchten wollen. Das ist halt nicht mein Einsatz, aber ich mache es niemandem zum Vorwurf."

Definitiv behalten will sich Ina Regen jedenfalls ihre Neugier. Immerhin begleite sie das nicht erst seit ihrem großen Durchbruch "Wia a Kind". Als Kinder seien wir schließlich alle neugieriger gewesen. "Und in meinem Fall vielleicht noch ein kleines Schäuferl furchtloser, als man es als Erwachsener wird. Dabei warte ich immer noch auf den Moment: Ah, jetzt bin ich erwachsen", lachte die 38-Jährige. "Ein Teil von mir ist immer noch 17, ein anderer 9. Vielleicht muss man einsehen, dass uns genau das auch jung hält. Wenn ich es mir aussuchen könnte, möchte ich mit 87 noch das Gefühl haben, noch nicht alles entdeckt zu haben, was Leben überhaupt heißt." Es bleibt also spannend für Ina Regen.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - Ina Regen auf Tour: 27.3. mit Charlie Winston im Wiener Metropol, 21.4. Rathaussaal Telfs, 22.4. Conrad Sohm Dornbirn, 4.5. Orpheum Graz, 5.5. Konzerthaus Klagenfurt, 25.5. VAZ St. Pölten, 26.6. KUGA Großwarasdorf, 30.5. Musiktheater Linz, 14.6. mit Tonkünstler Orchester im Wolkenturm Grafenegg, 1.7. Kurpark Open Air Bad Ischl, 29.7. Rathaus Arkadenhof Wien; www.inaregen.at)

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