Netanyahu will erst nach Einlenken der Hamas verhandeln

Netanyahu will vorerst nicht an den Verhandlungstisch
Israel verlangt vor weiteren Verhandlungen über eine neue Feuerpause in Gaza sowie die Freilassung weiterer Geiseln ein Einlenken der Hamas.

Israel werde "wahnhaften Forderungen" der islamistischen Organisation nicht nachgeben, sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Mittwoch. Laut israelischen Medien weigert er sich, am Donnerstag eine Delegation zurück nach Kairo zu schicken, wo die Verhandlungen der internationalen Vermittler weitergehen sollten.

Angehörige der von der Hamas weiter in Gaza festgehaltenen Geiseln zeigten sich über Netanyahus Weigerung "fassungslos" und sprachen von einem "Todesurteil". Es habe den Anschein, dass einige Mitglieder von Netanyahus Kabinett beschlossen hätten, "das Leben der Geiseln zu opfern, ohne dies zuzugeben", zitierte die Zeitung "Times of Israel" das Forum der Geiselfamilien.

"Ich bestehe darauf, dass die Hamas ihre wahnhaften Forderungen aufgibt. Wenn sie dies tut, werden wir in der Lage sein, voranzukommen", sagte Netanyahu am Mittwochabend in einer Erklärung. Ranghohe Vertreter aus den USA, Israel, Katar und Ägypten hatten am Vortag in Kairo keine Einigung erzielt, sich aber auf eine Verlängerung der Gespräche auf niedrigerer Beamtenebene um drei Tage verständigt, wie die "New York Times" unter Berufung auf einen ägyptischen Beamten berichtete.

Die israelische Delegation unter Leitung des Chefs des Geheimdienstes Mossad, David Barnea, reiste indes am Abend aus Kairo wieder ab. "In Kairo wurde kein neuer Vorschlag der Hamas für die Freilassung unserer Geiseln übermittelt", sagte Netanyahu. Er vertritt laut israelischen Medien den Standpunkt, dass eine Rückkehr zu den Gesprächen in Kairo keinen Sinn mache, solange die Hamas die Freilassung einer großen Zahl von palästinensischen Häftlingen im Gegenzug für die Geiseln fordere.

Laut der Zeitung "The Times of Israel" fordert die islamistische Organisation die Freilassung von rund 1.500 palästinensischen Gefangenen aus israelischen Gefängnissen, darunter zahlreiche verurteilte Mörder und Terroristen, im Austausch für die restlichen Geiseln, die am 7. Oktober aus Israel in den Gazastreifen entführt wurden. Zudem verlange die Hamas einen dauerhaften Waffenstillstand und den Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen. Israelische Beamte hätten deutlich gemacht, dass Israels Armee die geplante Offensive auf die Stadt Rafah im Süden des Küstenstreifens bald starten werde, wenn die Hamas nicht mit einem Vorschlag an den Verhandlungstisch zurückkehre, den Israel für vernünftiger hält, zitierte die Zeitung "Wall Street Journal" eine Person, die mit Israels Position vertraut sei.

Aus Hamas-Kreisen verlautete dagegen, es sei Israel, das die Verhandlungen nicht vorantreibe. Eine Delegation der Hamas sei in Kairo. Ägyptische Medien hatten zuvor noch berichtet, der Tenor der Gespräche sei bisher "positiv" gewesen. Ägypten, Katar und die USA bemühen sich erneut darum, eine längere Feuerpause im Gaza-Krieg herbeizuführen. Im Rahmen eines Abkommens sollen die Geiseln in mehreren Phasen gegen palästinensische Häftlinge ausgetauscht werden.

Während einer einwöchigen Feuerpause im vergangenen November waren 105 Geiseln freigelassen worden, im Gegenzug für 240 palästinensische Häftlinge. Derzeit befinden sich noch 134 Menschen in der Gewalt der Hamas, von denen aber nach israelischer Schätzung mindestens 30 nicht mehr am Leben sein dürften.

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