APA - Austria Presse Agentur

Neue Zeughaus-Dauerausstellung legt den "Schatz Tirol" frei

Das Innsbrucker Zeughaus will mit der neuen Dauerstellung "Schatz Tirol" die Tiroler Geschichte aus mehreren Blickwinkeln abarbeiten. Auf 1.600 Quadratmetern, unterteilt in elf Bereiche, nähert man sich etwa mit Themenblöcken Denkmälern, Bergbau und NS-Zeit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Bundeslandes. "Wichtig ist, dass wir viele Geschichten Tirols präsentieren", sagte Landesmuseen-Direktor Andreas Rudigier am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Innsbruck.

Die neue Dauerausstellung ist eine Art - mehr oder weniger chronologische - große Zeitreise durch die Tiroler Geschichte mit vielen kleinen Nebenerzählungen. Gleich im ersten Bereich der ab 6. April zugänglichen Dauerausstellung des Zeughauses - das zu den Tiroler Landesmuseen gehört - konfrontiert man die Besucher bereits mit der Frage, warum man anno dazumal "überhaupt nach Tirol gewollt" habe. Dieser "archäologische Teil" widmet sich etwa der Besiedelung seit der Mittelsteinzeit und zeigt zum Beispiel Bergkristalle als Exponate. Auch die Frage nach "politischen Gründen der Besiedelung" werde gestellt, sagte der für diesen Ausstellungsteil verantwortliche Archäologe Wolfgang Sölder, Bereichsleiter der Archäologischen Sammlungen am Landesmuseum Ferdinandeum.

Von dort ausgehend geht es recht rasch mehrere Jahrhunderte vorwärts und in Richtung Bergbau und dessen Bedeutung für Tirol. Unweit davon wird schließlich handfest und durchaus modern gefragt - ganz in der näheren Vergangenheit und Gegenwart angekommen - ob Tirol eine Marke sei. Dazwischen lässt sich zudem etwas über die verschiedenen Staatsformen lernen, die Tirolerinnen und Tiroler im Laufe der Zeit erleben durften oder mussten.

"Wichtig dabei ist aber immer, dass aktuelle Fragen mit einfließen", erklärte die Leiterin des Zeughauses und Kuratorin, Claudia Sporer-Heis. So gebe es auch immer wieder "Hörstationen", in denen individuelle Biografien erzählt werden sowie Stationen, die "zum Mitmachen einladen".

Jedenfalls sollen die Besucher "Überlegungen für die Zukunft mitnehmen", betonte Sporer-Heis und argumentierte damit ähnlich wie vor ihr bereits Rudigier, der davon gesprochen hatte, dass man in Museen Vergangenheit auch immer in Bezug zur Gegenwart stellen müsse. Das würden eben die elf Fragen der elf Bereiche versuchen. Gefragt wird weiters, ob Tirol ein Industrieland sei und wer im Bundesland ein "Denkmal bekommt und wer nicht", so Sporer-Heis.

Diese Frage führt hin zu einem weiteren, wesentlichen Bereich der neuen Dauerausstellung. "Der Ideologiebereich reicht vom Ersten Weltkrieg bis zu Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg", erklärte Sporer-Heis. Dokumente, Kleidung und weitere Exponate erzählen diesen unrühmlichen Teil der Tiroler Geschichte kleinteilig und differenziert. Alles führt dann hin zu einen Wohnzimmer im 1950er-Jahre-Stil. "Dort können die Besucherinnen und Besucher in Büchern schmökern", führte die Kuratorin aus.

Abgerundet wird die Ausstellung mit verschiedenen begleitenden Programmpunkten, sagte Katharina Walter, Leiterin der Kunstvermittlung der Tiroler Landesmuseen. "In diesen werden Themen wie Migration, Zugehörigkeit, Arbeit und Mobilität behandelt", verriet sie. Auch Kinder und Familien stünden im Fokus, beginnend bereits mit Samstag, dem 6. April, an dem die Ausstellung mit einem "Familienfest" offiziell eröffnet wird.