APA - Austria Presse Agentur

Neues Verfahren gegen iranische Journalistinnen eingeleitet

Kurz nach ihrer Freilassung im Iran ist ein neues Verfahren gegen die beiden preisgekrönten Journalistinnen Nilufar Hamedi und Elaheh Mohammadi eingeleitet worden. Hintergrund sind im Internet veröffentlichte Bilder, die beide Frauen ohne das obligatorische Kopftuch zeigen, wie die iranische Nachrichtenagentur Isna am Montag berichtete. Auch das Presseorgan der Justiz, das Onlineportal Misan, bestätigte den neuen Vorwurf, ohne jedoch ihre Namen zu nennen.

Am Sonntag waren die beiden Journalistinnen Nilufar Hamedi und Elaheh Mohammadi nach mehr als 400 Tagen Haft auf Kaution freigekommen. Irans Journalistenverband kritisierte die Höhe der Kaution von umgerechnet rund 180.000 Euro. In einem Kommentar von Hamedis Arbeitgeber, der Zeitung "Shargh", begrüßte eine Autorin die Freilassung. "Erfreuliche Nachrichten für uns alle, die seit eineinhalb Jahren auf die Öffnung der Gefängnistüren gewartet haben."

Die Frauen waren im Herbst 2022 unter den ersten, die über den Tod der iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini berichteten. Sittenwächter hatten die junge Frau wegen eines angeblich schlecht sitzenden Kopftuchs gewaltsam festgenommen, Amini fiel ins Koma und starb nur wenige Tage später am 16. September 2022. Daraufhin entfachten landesweit Proteste gegen das System der Islamischen Republik.

Ein Revolutionsgericht hatte die Journalistinnen im Oktober im Zusammenhang mit den Protesten im Herbst 2022 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Beide Frauen wurden der Zusammenarbeit mit den USA beschuldigt. Gegen ihr Urteil konnten Hamedi und Mohammadi Rechtsmittel einlegen.

International bekam der Fall große Aufmerksamkeit. Während Hamedi und Mohammadi im Gefängnis saßen, zeichnete die UNESCO die Frauen für ihre Berichterstattung Anfang Mai in Abwesenheit mit dem Pressefreiheitspreis der UNO-Kulturorganisation aus.